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Spahn und RKI-Chef Wieler mahnen trotz sinkender Corona-Inzidenz weiter zur Vorsicht

·Lesedauer: 4 Min.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), RKI-Chef Lothar Wieler und die Kölner Bürgermeisterin Henriette Reker auf der Bundespressekonferenz (von rechts nach links).
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), RKI-Chef Lothar Wieler und die Kölner Bürgermeisterin Henriette Reker auf der Bundespressekonferenz (von rechts nach links).

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Menschen in Deutschland dazu aufgerufen, sich trotz sinkender Corona-Zahlen an Pfingsten weiter vor Ansteckungen zu schützen. "Genießen Sie die Feiertage, genießen wir gemeinsam die Feiertage, aber bleiben wir dabei vorsichtig", sagte Spahn am Freitag in Berlin. Es gelte, sich vor allem draußen zu treffen und sich regelmäßig testen zu lassen. Wenn die Infektionszahlen weiter hinunter- und die Impfzahlen hochgingen, "dann haben wir Aussicht auf einen guten Sommer."

Spahn wies auf größere Fortschritte der Impfkampagne als von der Regierung angekündigt hin. Er mahnte zu Geduld, nachdem Ärztefunktionäre berichtet hatten, dass viele Patientinnen und Patienten bei der oft kurzfristigen Impf-Terminvergabe ungeduldig reagierten. Spahn erläuterte, derzeit gebe es rund eine Million Impfungen am Tag. An Weihnachten seien null Prozent aller Deutschen mindestens einmal geimpft gewesen. An Ostern seien es 12 Prozent gewesen. "Zu Pfingsten werden es 40 Prozent sein, und zum Start in das Sommerquartal werden aus heutiger Sicht mindestens 50 Prozent einmal geimpft sein."

"Dass wir – nach jetzigem Stand – noch deutlich vor Ende des Sommers, noch vor Ende September jedem in Deutschland, der will, ein Impfangebot werden gemacht haben können, das jedenfalls hätte vor zwei Monaten noch kaum jemand erwartet", sagte Spahn. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte dies für Ende des Sommers angekündigt. Bei allem Ärger über das Warten auf einen Termin könne man sich vor Augen halten: "Es geht jetzt um Wochen, nicht um Monate."

RKI-Chef Lothar Wieler: "Dürfen nicht zulassen, dass das Virus wieder Oberhand gewinnt"

Trotz dieser Entwicklung sagte auch RKI-Präsident Lothar Wieler am Freitag: "Die Gefahr ist noch nicht gebannt." Das gelte auch für die Pfingstfeiertage, an denen erste Öffnungsschritten erfolgen. "Wir dürfen nicht zulassen, dass das Virus wieder die Oberhand gewinnt, weil wir auf einmal zu viel wollen."

Die bisherigen Erfolge bei der Eindämmung seien aber unübersehbar: Die Inzidenzen in allen Bundesländern und Altersgruppen gingen zurück. "Glücklicherweise im Moment deutlich auch bei den Jüngeren", sagte Wieler. Es würden weniger Ausbrüche in Schulen und Kitas gemeldet. Diese seien insgesamt auch kleiner. Es gebe auch einen Rückgang der Patientenzahlen in Kliniken.

Doch es gebe auch weiter rund 1300 Corona-Tote pro Woche. "Das ist immer noch eine schrecklich hohe Zahl." Insgesamt hätten bisher rund 87.000 Menschen in Deutschland durch die Pandemie ihr Leben verloren. Inzidenzen und Sterblichkeit seien seit Mitte der zweiten Welle in Regionen, die besonders benachteiligt seien, am höchsten. Mögliche Gründe hierfür seien Armut, Vorerkrankungen sowie die Lebensverhältnisse aufgrund der Wohndichte, aber auch die Arbeitsbedingungen, wenn sich Menschen in prekärer Beschäftigung befinden.

Positiv wertete Wieler, dass die Impfbereitschaft mit 73 Prozent der vom RKI Befragten sehr hoch sei. Weitere zehn Prozent würden sich eher schon als nicht impfen lassen. 12,5 Prozent der Bundesbürger seien vollständig geimpft. Es müssten aber 80 Prozent werden, die entweder geimpft seien oder die Infektion durchgemacht hätten. "Dann kriegen wir dieses Virus unter Kontrolle." Es gelte, den Sommer gemeinsam dafür zu nutzen, um die Virusausbreitung zu unterdrücken. "Damit wir gut durch Herbst und Winter kommen."

Spahn und Wieler warnen vor Aufhebung der Maskenpflicht

Spahn und Wieler äußerten sich in diesem Zusammenhang auch zu den Überlegungen der Landesregierung in Niedersachsen. Dort will man die Maskenpflicht im Einzelhandel bei niedrigen Inzidenzwerten aufheben. Spahn riet von solchen Lockerungen zu diesem Zeitpunkt ab und mahnte am Beispiel von Ansammlungen etwa in Elektrogeschäften vor neuen Infektionen.

Auch Wieler betonte, dass das Maskentragen im Kampf gegen die Pandemie weiter wichtig sei. "Diese Pandemie ist wie ein prall gefüllter Luftballon, den wir gemeinsam unter der Wasseroberfläche halten müssen", sagte er. Mittlerweile habe dieser Ballon nicht mehr ganz so viel Luft. "Aber wenn wir ihn jetzt loslassen, springt er immer noch unkontrolliert über die Wasseroberfläche."

Mittlerweile rückt die Landesregierung in Niedersachsen von ihren Überlegungen die Maskenpflicht aufzuheben wieder ab. "Die Landesregierung wird diesen Punkt nochmal sehr ernsthaft überdenken", sagte Regierungssprecherin Anke Pörksen am Freitag in Hannover. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) schrieb auf Twitter: "Es wird keine Aufhebung der Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung in Niedersachsen geben." Die Mund-Nasen-Bedeckung rette Leben.

jg/dpa

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