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Der Spac-Boom ist Geschichte – erste Investoren bekommen ihr Geld zurück

Spac-Gründer müssen nun erstmals ihre Investments wieder zurückgeben. - Copyright: Namthip Muanthongthae / Getty Images
Spac-Gründer müssen nun erstmals ihre Investments wieder zurückgeben. - Copyright: Namthip Muanthongthae / Getty Images

2020 ging es so richtig los: Plötzlich gründeten Wall-Street-Größen wie Richard Branson und Fondsmanager Bill Ackmann mehr als 200 sogenannter Spac-Unternehmen, also leere Börsenhüllen. Das Silicon Valley Business Journal taufte das Jahr 2020 sogar zum „Year of the Spac“. Auch in Deutschland wurden Spacs gegründet, etwa von Lakestar, Rocket Internet und Szeneköpfen wie Roman Kirsch. Nur zwei Jahre später ist der Hype vorbei, schreibt die österreichische Tageszeitung „Der Standard“.

Spac steht für Special Purpose Acquisition Companies, also eine Zweckgesellschaft für Firmenübernahmen. Meist gründen bekannte Investoren einen Spac, eine Mantelgesellschaft, und bringen diese an die Börse. Mit dem eingesammelten Geld soll ein profitables Tech-Unternehmen gekauft und dieses so an die Börse gebracht werden. Spacs waren in den vorigen zwei Jahren deshalb so beliebt, weil sie den Börsengang für Unternehmen deutlich beschleunigten.

Der Hype um Spacs startete in den USA, hat aber schnell den Weg nach Europa gefunden. Das deutsche Kinderspielzeug-Startup Tonies oder der digitale Marktplatz für Ferienwohnungen Hometogo sind erfolgreiche Beispiele.

Nichtsdestotrotz sind diese leeren Firmenhüllen Wundertüten. Steigen Investoren bei dem Börsenmantel ein, wissen sie zu dem Zeitpunkt noch nicht, welches Unternehmen schlussendlich erworben wird. Sie müssen sich vollends auf das Know-how der Initiatoren verlassen.

Größter Spac der Welt gescheitert

Für die Übernahme bleibt den Spac-Vorständen meist 24 Monate. Finden sie kein Investment, müssen sie das eingeworbene Kapital an die Investoren zurückzahlen. 2021 ist das laut „Dem Standard“ nur einmal passiert. Dieses Jahr, zwei Jahre nach Beginn der „Spac-Mania“, laut des Berichts dagegen zehnmal.

Darunter befindet sich sogar der größte Spac der Welt von Hedgefonds-Manager Bill Ackmann. Dieser musste im Juli vier Milliarden Euro an seine Investoren zurückzahlen, nachdem eine Beteiligung an Universal Music am Veto der Börsenaufsicht scheiterte. Auch Roman Kirsch und Hellofresh-CEO Dominik Richter haben für ihre Börsenfirma Tio Tech 16 Monate nach IPO noch keinen Übernahmekandidaten gefunden. Im Juli dieses Jahres schaffte es erstmals seit Monaten keine einzige Zweckgesellschaft an die Börse. 600 Spacs seien aktuell auf der Suche nach passenden Investments, schreibt die Wiener Zeitung.

Inflation und Börsenregulierung setzen Spacs zu

Die hohe Inflation und die hohen Zinsen in den USA haben die Bedingungen für Spacs deutlich verschlechtert. Anleger sind wegen der schwierigen Wirtschaftslage weniger risikofreudig. Außerdem sollen Spac-Börsengänge künftig stärker reguliert werden. Unternehmen, die eine Übernahme durch einen Spac anstrebten, haben in der Vergangenheit mit oft übermäßig positiven Geschäftsprognosen gelockt. Das soll, wie in den USA bei normalen Börsengängen, künftig nicht mehr erlaubt sein, kündigte die US-Börsenaufsicht an.

Die niedrige Regulierung hatte Spacs besonders attraktiv gemacht. Aber sie stellte eben auch ein Risiko dar. Viele Unternehmen entwickelten sich nach der Übernahme enttäuschend. Seit Jahresbeginn habe sich der Post-Spac-Index von CNBC, der den Wert von Unternehmen widerspiegelt, die durch eine Spac übernommen wurden, von 81 auf 44 Punkte fast halbiert, so „Der Standard“. Zur Hochzeit der „Spac-Mania“ im November 2020 lag er sogar noch bei 155 Punkten. „Der Spac-Boom gehört offiziell der Vergangenheit an“, kommt daher auch CNBC zum Schluss.

/bp