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Sommerferien-Boom: Wir haben Flughäfen und Dienstleister für euch gefragt, wie voll es bei Check-In, Boarding & Co. wird

·Lesedauer: 5 Min.
Mitarbeiter von Bodenverkehrsdienstleistern kümmern sich am Flughafen unter anderem darum, dass das Gepäck der Gäste ins Flugzeug kommt.
Mitarbeiter von Bodenverkehrsdienstleistern kümmern sich am Flughafen unter anderem darum, dass das Gepäck der Gäste ins Flugzeug kommt.

Die deutschen Flughäfen stellen fest: Zwischen „Luftfahrt liegt am Boden“ und „Reise-Boom im Sommer“ liegt in Zeiten von Corona nur ein schmaler Grat von wenigen Wochen. Zwei Bundesländer haben schon Ferien, drei folgen in den nächsten Tagen. Vom Flughafen Berlin-Brandenburg zum Beispiel fliegen 70 Airlines zu 160 Destinationen. Das wäre laut Flughafen „fast das Niveau des Sommerflugplans 2019“.

Von null auf hundert also könnte die Menge an Passagieren jetzt wachsen, die Check-In, Sicherheitskontrolle und Boarding durchlaufen muss. Dafür brauchen die Flughäfen Personal – ein Teil auch des Personals, das seit Beginn der Pandemie mühsam abgebaut wurde.

Verdi warnt vor Engpässen

Die Gewerkschaft Verdi hat vor wenigen Tagen die Befürchtung geäußert, dass „ein geregelter Neustart im Luftverkehr – auch nur mit 50 Prozent des Vorkrisenniveaus – nicht mehr leistbar sein“ werde. Denn: Schon vor Corona sei die Personaldecke „extrem dünn“ gewesen. Mira Neumaier, bei Verdi zuständig für den Luftverkehr, leitet daraus den Appell an Politik und Wirtschaft ab, den Beschäftigten eine klare Perspektive zu geben: „Alle wollen wieder in den Urlaub fliegen – bei den Beschäftigten jedoch regieren Zukunfts- und Existenzängste weiter“, sagte Neumaier in einer Presseerklärung. Sie beruft sich unter anderem auf Ergebnisse einer bundesweiten Umfrage, die Verdi zusammen mit der Europäischen Transportarbeiter Förderation (ETF) durchgeführt habe. Demnach sollen 44 Prozent der Beschäftigten bei den Bodenverkehrsdienstleistern die Unternehmen während der Pandemie verlassen haben.

Die Bodenverkehrsdienstleister sind für den Betrieb von Flughäfen existenziell: Für den Passagier sichtbar kümmern sie sich um Check-In, Boarding, die Lounges, die Gepäcknachverfolgung und spezielle Betreuungsdienste, zum Beispiel für Menschen in Rollstühlen. Weniger sicht-, aber genauso spürbar sind diese Dienstleister aber auch zuständig für die Flugzeugabfertigung auf dem Vorfeld: Gepäck einladen, tanken, enteisen.

Verband der Bodendienstleister: Wird so schnell nicht wie vor Corona

Dass 44 Prozent der Beschäftigten der Bodenverkehrsdienstleister die Unternehmen verlassen haben sollen, hält der zuständige Verband für zu hoch gegriffen. Thomas Richter, Vorsitzender des Verbands der Bodenabfertigungsdienstleister im Luftverkehr (ABL), geht von 20 bis 30 Prozent aus. Er ist der Meinung, dass die Dienstleister den Sommer mit dem derzeitigen Personal im Großen und Ganzen gut abdecken können, gibt aber zu: „Es ist in der Tat ein Thema, dass wir im Zweifel im Sommer zeitweise eine Spitzenlast bekommen könnten, die die Unternehmen mit den bestehenden Mitarbeitern schwierig abdecken können.“

Richter macht im Gespräch mit mir aber auch deutlich, dass nach wie vor nur schwer vorherzusagen ist, wie sich die Corona-Situation entwickelt. „Eine vorsichtig-optimistische Planung ist sicher angebracht. Aber der derzeitige Hype mit der Idee, wir landen bald wieder auf dem Niveau von 2019 – das halte ich für schwierig.“ Gerade der innerdeutsche Geschäftsreise-Verkehr sei auf einem anhaltend niedrigen Niveau.

Die Firma Swissport, eine der Branchen-Riesen, rekrutiert seit einigen Wochen an manchen Standorten wieder Personal. Zuverlässig zu planen sei zwar schwer, sagte ein Sprecher, aber man wolle die Airlines beim Hochfahren der Flüge unterstützen. Bei den Prognosen, wie schnell der Flugverkehr wirklich wieder ansteigt, habe Swissport eine gute Treffsicherheit – dennoch bestehe ein Restrisiko, dass es in Spitzen zu Verzögerungen kommen könne.

Flughäfen fürchten Verzögerungen höchstens zu Tagesspitzen

Wie viele Passagiere in diesem Sommer also wirklich von den Flughäfen abgefertigt werden müssen, weiß bislang keiner so recht. Fakt ist: Die Flughäfen verzeichnen zunehmend steigende Passagierzahlen. Ich habe bei vier großen Flughäfen nachgefragt, wie sie sich gewappnet fühlen für den Sommer:

Frankfurt
Der Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt (FRA) sieht sich gut aufgestellt, um den wachsenden Flugverkehr abwickeln zu können. Schon jetzt gebe es in der Spitze zwischen 60.000 und 75.000 Passagiere pro Tag – diese Zahl wird in den nächsten Wochen voraussichtlich weiter steigen. Die Kurzarbeit sei ein wertvolles Instrument, um insbesondere im operativen Bereich flexibel auf steigende Nachfrage zu reagieren, sagte mir eine Sprecherin des Flughafens. Trotz aller Vorkehrungen könne es in Tagesspitzen vereinzelt zu Wartezeiten kommen; auch weil man beim Check-In Tests und Impfnachweise kontrollieren müsse.

München
Der Flughafen "Franz Josef Strauß" in München (MUC) macht sich keine Sorgen über mögliche Engpässe. 7.500 der rund 10.000 Mitarbeiter seien in Kurzarbeit und könnten mit kurzem Vorlauf zurückgeholt werden, erklärte ein Flughafensprecher. Die Airlines reagierten derzeit sehr flexibel auf die Ziele, für die die Bundesregierung Reisebeschränkungen reduziert oder aufhebt – entsprechend könne man das Wachstum bis zu einem gewissen Grad vorhersagen.

Düsseldorf
Der Flughafen Düsseldorf (DUS) rechnet damit, in den Sommerferien wieder bis zu 50 Prozent des Verkehrsvolumens vor Corona erreichen zu können. Eine Sprecherin erklärte, der Flughafen stehe in engem Austausch mit den Airlines und Dienstleistern, um einen möglichst reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Trotzdem ließen sich Verzögerungen – gerade in diesem zweiten Corona-Sommer – nicht gänzlich vermeiden. Den größten Ansturm erwarte der Flughafen an den Wochenenden.

Berlin
Die Abfertigungskapazitäten des Flughafens "Willy Brandt" Berlin-Brandenburg (BER) reichten für den kommenden Sommerverkehr mit allen Eventualitäten aus, sagte mir ein Sprecher. Sollten die Zahl der Passagiere weiter steigen, könne das Personal für das Terminal kurzfristig aufgestockt werden.

Rechtzeitig anzureisen schützt euch davor, den Flug zu verpassen

Es ist ein spezieller Sommer für die Flughäfen. Menschen buchen Reisen spontaner als früher – weil sie beobachten wollen, wie sich die Reisebeschränkungen entwickeln. Teilweise auch wegen der Schlagzeilen, dass die Airlines sich lange Zeit gelassen haben mit der Rückerstattung von Flugtickets im Corona-Jahr 2020. Das macht die Personalplanung noch unberechenbarer, als sie ohnehin in der Luftfahrt ist. Die Gewerkschaft Verdi hat diese nebulöse Situation genutzt für einen ersten Aufschlag, um eine Mahnung an Flughäfen, Airlines und Dienstleister zu platzieren: Baut nicht noch mehr Personal ab! Wie lange die Schlangen im Sommer wirklich sein werden, wird sich zeigen. Wer entspannt in den Urlaub starten will, ist so oder so gut beraten, rechtzeitig anzureisen – und im Zweifel lieber noch einen Kaffee am Gate zu trinken.

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