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Was sollten Grenke-Anleger von dem fatalen Bericht des Leerverkäufers Viceroy Research halten?

Bernd Schmid, CFA, Motley Fool Investmentanalyst
·Lesedauer: 5 Min.

Kaum kam die Wirecard (WKN: 747206)-Saga ans Licht, steht Deutschland der nächste potentielle große Börsenskandal ins Haus. Ein Bericht eines Leerverkäufers erhebt sehr schwere Vorwürfe gegenüber den im MDAX befindlichen Finanzdienstleister Grenke (WKN: A161N3).

Die Frage, die sich Anleger jetzt stellen: Wie glaubwürdig sind diese Vorwürfe?

Viceroy hat bewiesen, dass man seinen Research ernst nehmen muss

Der Leerverkäufer hinter dem Grenke-Bericht ist nicht irgendeiner. Es handelt sich dabei um Viceroy Research, hinter denen unter anderem Fraser Perring steckt.

Perring hat schon im Jahr 2016 mit seinem bekannt gewordenen Zatarra-Research-Bericht auf Missstände bei Wirecard hingewiesen. Und er war bis zur Offenbarung von Wirecard nicht müde zu betonen, was er von dem Unternehmen hält – trotz aller möglichen Anfeindungen.

Und Wirecard war kein Einzelfall. Allen Anlegern ist vermutlich Steinhoff (WKN: A14XB9) ein Begriff. Ebenfalls ein Skandal, zu dessen Aufdeckung Viceroy mit seinem 2017 durchgeführten Research mindestens beigetragen hat.

Auch mit MiMedx (WKN: A0MS6X) und dessen ehemaligem Geschäftsführer Parker Petit hat sich Viceroy lautstark und sogar vor Gericht angelegt. Zwar ist der Fall MiMedx noch nicht durch; das Unternehmen macht weiterhin seine Geschäfte. Meiner Einschätzung nach ist das jedoch ein absoluter Skandal. Die Beweislast gegen das Unternehmen ist einfach überwältigend – in meinem Plädoyer für Leerverkäufer bin ich vor anderthalb Jahren schon kurz darauf eingegangen.

Alleine diese vier Berichte sind für mich Grund genug, Viceroys Research auf keinen Fall einfach so als Geldmacherei abzutun.

Aber …

Allerdings ist die Historie von Viceroy bzw. Fraser Perring auch nicht ganz astrein. Das zeigte der von mir unheimlich geschätzte investigative Journalist Roddy Boyd in einem zweiteiligen Artikel vor rund einem Jahr auf. Er wirft Perring darin sogar vor, ein „Scharlatan erster Ordnung“ zu sein.

Sehr harte Worte, die Boyd allerdings begründet. Unter anderem damit, dass Perring sich nicht zu schade gewesen sein soll, die Recherchen des oben erwähnten Wirecard-Berichts (veröffentlicht unter Zatarra Research) als die seinigen ausgegeben zu haben. In Wahrheit, so zitiert Boyd einen in den Bericht wohl involvierten Hedge Fonds Manager, soll Perring nicht viel mehr gemacht haben als „einige Dokumentenrecherche und die Website von Zatarra“.

Das sind noch nicht einmal die schlimmsten Vorwürfe aus dem Artikel.

Für mich war das damals schwer zu glauben, da ich Perring bis zu diesem Zeitpunkt auch eher positiv wahrgenommen habe. Allerdings hat mir Roddy Boyd mit keinem seiner Artikel bisher auch nur einen Grund gegeben, an seinen fast pedantischen Recherchen zu zweifeln.

Darüber hinaus versprach Perring unmittelbar nach Veröffentlichung von Boyds Artikel über Twitter eine Gegendarstellung. Da mir diese bis heute aber nicht untergekommen ist – eventuell habe ich sie auch nur übersehen? Dann wäre ich für einen Link zu dieser sehr dankbar – tendiere ich ganz stark zu der Annahme, dass Boyds Artikel einen größeren Wahrheitsgehalt hat.

Unter diesen Voraussetzungen, also dass Perring wohl kein Mann mit einer 100%igen Integrität ist – kann man als Grenke-Anleger durchaus Hoffnung schöpfen.

Was ist jetzt wirklich dran an den Vorwürfen und wie schwerwiegend sind sie?

Die Vorwürfe an sich sind durchaus sehr schwerwiegend. Sie reichen von dem Betrug an kleineren Firmen über Buchhaltungsbetrug bis hin zu Geldwäsche.

Unter anderem wirft Viceroy Grenke vor, verlustmachende Franchise-Unternehmen zu überhöhten Preisen zu übernehmen. Und dass Grenke verschweigen würde, dass diese Franchise-Unternehmen von Grenke-Managern und anderen Insidern kontrolliert werden.

Zu Letzterem finde ich ganz spannend, dass meine Freunde von Gut Investieren TV erst vor zwei Monaten ein ausgiebiges Interview mit dem Hauptaktionär Wolfgang Grenke führten. In diesem spricht Grenke explizit über das Franchisemodell und warum man es so einführte, wie es ist (ab dieser Stelle im Interview).

Darin erwähnt Grenke explizit, dass man die Franchises aufbaute mit „meistens jemandem, der aus unserer eigenen Mannschaft kam“ und dass man „nach vier, fünf oder sechs Jahren die Möglichkeit“ gehabt habe, diese Unternehmen zu erwerben, „und das haben wir in den meisten Fällen auch gemacht“.

Was ich im Moment nicht beurteilen kann, ist, ob Grenke in seinen Geschäftsberichten zu 100 % den entsprechenden Regularien bezüglich Transparenz in dieser Hinsicht entspricht. Für mich sind diese Aussagen von Grenke jedoch durchaus ein klares Indiz, dass man diesen Teil des Geschäftsmodells eher nicht bewusst verschweigen möchte.

Das spricht Grenke nun noch nicht frei – vor allem nicht von dem Vorwurf, gegebenenfalls zu viel für diese Unternehmen zu bezahlen. Und der Research-Bericht bringt noch einige weitere doch valide Punkte zutage, die man als Investor ernst nehmen sollte.

Bisher hat Grenke die Vorwürfe nur pauschal als unbegründet zurückgewiesen. Auf die detaillierte Antwort bin ich als noch nicht involvierter Anleger jedoch sehr gespannt. Ich denke, dass diese uns ein relativ klares Indiz dafür geben kann, ob Grenke nach diesem Bericht eine herrliche langfristige Kaufchance ist oder doch eher das nächste Wirecard.

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Offenlegung: Bernd Schmid besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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