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Solarisbank sammelt 60 Millionen Euro bei Investoren ein

In ihrer bisher größten Finanzierungsrunde hat die Solarisbank neue Investoren gewonnen. Das Fintech könnte durch die Wirecard-Pleite entstandene Lücken füllen.

Mitten in der Coronakrise ist der Berliner Solarisbank das zweitgrößte Funding eines deutschen Fintechs in diesem Jahr gelungen. 60 Millionen Euro sammelt das Institut ein.

Die Hälfte des Kapitals stellt eine internationale Investorenrunde unter Führung von HV Holtzbrinck Ventures zur Verfügung, die andere Hälfte kommt von Bestandsinvestoren.

Seit Gründung im Jahr 2016 hat das Fintech damit mehr als 160 Millionen Euro von Investoren erhalten. „Wir sehen das Funding als Vertrauensbeweis, dass wir mit unserem soliden Geschäftsmodell auf dem richtigen Weg sind“, sagte Vorstandschef Roland Folz dem Handelsblatt.

Eine gewisse Zufriedenheit kann Folz nicht verbergen, dass es in dieser Zeit, die von der Wirecard-Pleite geprägt ist, auch Positives aus dem deutschen Fintech-Bereich zu berichten gibt. Aber unberührt lässt ihn die Entwicklung bei Wirecard nicht. „Natürlich ist dieser Fall kein Ruhmesblatt für den Finanzstandort Deutschland“, so Folz.

Auf der anderen Seite gebe es natürlich geschäftliche Alternativen zu Wirecard – und die Solarisbank zählt der Vorstandschef dazu. „Wir schauen uns derzeit alles an, um möglicherweise Geschäfte von der Wirecard Bank fortzuführen und Kunden ein neues Zuhause zu geben.“

Das hält Peter Barkow, Chef des Beratungshauses Barkow Consulting, nicht für unrealistisch. „Falls Wirecard Lücken hinterlassen sollte, könnten Player wie Solarisbank davon profitieren.“

Die Solarisbank gehört neben der Smartphonebank N26 zu den wenigen Fintechs in Deutschland, die mit einer Vollbanklizenz unter der Aufsicht der Bafin arbeiten. Anders als N26 hat die Solarisbank kaum Kontakt zum Privatkunden.

Das liegt am Geschäftsmodell. Im Kern ermöglicht es die Solarisbank ihren Kooperationspartnern, Finanzdienstleistungen für ihre Kunden anzubieten, ohne regulatorische Anforderungen erfüllen zu müssen.

Die unterschiedlichsten Dienste – ob Kredite, Ratenzahlungen, Debitkarten oder Finanzierungen – werden via Schnittstellen (API) bereitgestellt. „Banking as a Service“, nennt die Solarisbank das Modell, bei dem die Bank in der Regel im Hintergrund bleibt.

Das Fintech ist mit 320 Millionen bewertet

Bei der letzten Kapitalrunde wurde das Fintech noch mit rund 220 Millionen Euro bewertet, jetzt sind es rund 320 Millionen Euro. Damit zählt das Institut zwar noch nicht zu den sogenannten Einhörnern, die mit einer Milliarde Euro bewertet werden. Doch wurde eine weitere Etappe auf diesem Weg zurückgelegt.

Als neue Investoren hat die Solarisbank neben Holtzbrinck Ventures außerdem Ventures Vulcan Capital, Samsung Catalyst Fund und Storm Ventures gewonnen. Es handelt sich bei den Neuinvestoren eher um Finanzinvestoren. Sie stemmen rund die Hälfte der Summe.

Die andere Hälfte der 60 Millionen Euro entfallen auf bestehende Investoren wie Yabeo Capital, die beiden Banken BBVA und ABN Amro, die japanische SBI Group, Global Brain, Hegus und Lakestar. Yabeo stemmte hierbei den relativ größten Teil der Summe.

Dem Vernehmen nach soll sich Gründungsinvestor und Muttergesellschaft Finleap, die jetzt 28 Prozent hält, nicht an der Kapitalerhöhung beteiligt haben. Das gilt auch für Visa und Arvato Solutions.

„Das ist die bislang zweitgrößte Kapitalrunde, die ein Fintech in Deutschland in diesem Jahr schließen konnte“, sagt Berater Barkow. Nur die Smartphonebank N26 lag mit 93 Millionen Euro darüber.

Unterm Strich geht Barkow davon aus, dass das laufende Jahr nicht an das Spitzenjahr 2019 heranreichen wird, als Risikokapitalgeber 1,7 Milliarden Euro für deutsche Fintechs lockermachten. Im ersten Quartal summierten sich die Investments auf rund 170 Millionen Euro – im Vorjahreszeitraum waren es knapp 700 Millionen Euro.

Unmittelbare Kapitalnot bestand bei der Solarisbank nicht. Allerdings ist das Kapital im vergangenen Jahr weiter geschrumpft. Mit dem im vergangenen Jahr um zwei auf rund 20 Millionen Euro angestiegenen Verlust verringerte sich die Kapitalbasis von gut 52 Millionen Euro auf 32 Millionen Euro.

Schwarze Zahlen erst mittelfristig angestrebt

Mit Blick auf weitere Investitionen in Produkte und Plattformen wurde auch das Ziel verworfen, bereits 2020 schwarze Zahlen zu schreiben. Die werden jetzt mittelfristig angestrebt.

Im vergangenen Jahr legten die Zins- und Provisionserträge (Net Revenue) von gut sieben Millionen Euro auf mehr als 15 Millionen Euro zu. Im laufenden Jahr wird eine weitere Verdoppelung für möglich gehalten.

Vor wenigen Tagen verkündete die Solarisbank eine Kooperation mit der Kartengesellschaft American Express. Künftig können Amex-Kunden in Deutschland eine Ratenzahlungsoption für ihre Käufe nutzen.

Den Ratenzahlungskredit stellt die Solarisbank zur Verfügung. Das dürfte die Zahl der Privatkunden, die von der Solarisbank betreut werden, weiter erhöhen. Im ersten Halbjahr waren es bereits 400.000 Kunden.