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Softbanks Mobilfunktochter legt schwaches Börsendebüt hin


Es war mit umgerechnet 23 Milliarden Dollar Volumen der bisher größte Börsengang in Japan und der zweitgrößte weltweit nach Alibaba. Und es sollte eine Fortsetzung der legendären Geschichte des japanischen Technologieinvestors und Telekomkonzerns Softbank und seines illustren Chefs und Gründers Masayoshi Son werden.

Aber der erste Handelstag der Mobilfunktochter Softbank Corp. wurde ein Flop. Wenig hilfreich war die insgesamt schwache Börsentendenz. Hinzu kam vielleicht auch noch, dass es am 6. Dezember einen Systemausfall bei dem Mobilfunkkonzern gegeben hatte.

Außerdem sah sich Softbank zu der Aussage genötigt, man verwende im „Kernnetz“ keine Technik des chinesischen Konzerns Huawei, der vor allem in den USA im Verdacht steht, Spionage für die Regierung in Peking zu betreiben.

Die Aktie eröffnete mit 1463 Yen, umgerechnet 13 Dollar, und endete mit 1282 Yen, 14,5 Prozent unterhalb des Angebotspreises von 1500 Yen. Eine Enttäuschung für Softbank-Corp.-Chef Ken Miyauchi. Der beschwor aber in einer Grußansprache die großartige Zukunft des Unternehmens und die Philosophie „Revolution im Informationssektor – Glück für jedermann“.

Aktienprofis in Japan hoffen darauf, dass das Papier, weil es in die großen Indizes aufgenommen wird, eine gewisse Unterstützung bekommen wird. Softbank Corp. beschäftigt nach eigenen Angaben rund 17.200 Mitarbeiter. Das Unternehmen hat im vergangenen Geschäftsjahr per Ende März 3,54 Billionen Yen umgesetzt und 412 Milliarden nach Steuern Gewinn gemacht, also unterm Strich umgerechnet rund 3,7 Milliarden Dollar verdient.


Bei mehr als 50 Börsengängen in den vergangenen sechs Monaten in Japan war Softbank der fünfte Fall, wo der Handel schon unterhalb des offiziellen Ausgabekurses startete, wie die japanische Zeitung „Nikkei“ schreibt. Allerdings ist bei einem großen Teil der Börsenneulinge der Kurs später abgesackt.

Softbank Corp. ist mit 40 Millionen Kunden der drittgrößte Mobilfunkanbieter in Japan nach KDDI und NTT Docomo. Das Unternehmen ist eine Tochtergesellschaft der Softbank Group, die bei dem Börsengang 37 Prozent der Anteile verkauft hat, also das Sagen behält.

Das Aktienangebot, für das intensiv im Fernsehen geworben wurde, richtet sich mit einer Dividendenrendite von rund fünf Prozent auch an Kleinanleger. Über 90 Prozent der Anteile wurden in Japan platziert. Der Mutterkonzern Softbank Group ist seit 1994 an der Börse in Tokio notiert. Bereits 2004 hatte sie die IT-Tochter Softbank Technology an die Börse gebracht.

Schon im Vorfeld des Börsengangs der Mobilfunktochter am Mittwoch hatte es Skepsis gegeben. Die Tatsache, dass die Firma einen präzisen Ausgabekurs statt einer Spanne angegeben hatte, schien auf übergroßes Selbstvertrauen hinzudeuten – dieses Vorgehen ist unüblich. „Nikkei“ hatte das Preisziel als aggressiv bezeichnet.

Außerdem berechnete die Wirtschaftszeitung, der Börsenwert der Gruppe entspreche nur gut der Hälfte aller zugehörigen Unternehmen und Beteiligungen einzeln bewertet. Das spiegelt auch die Verschuldung der Holding wider, darüber hinaus aber auch einen sogenannten Konglomeratsabschlag, eine niedrigere Bewertung wegen der komplexen Struktur der Gruppe.



Dabei ist Softbank auf lange Sicht gesehen eine der faszinierendsten Firmengeschichten überhaupt – sie ist allerdings auch reichlich komplex. Der heute 61-jährige Gründer Son, dessen Vermögen Forbes auf 23 Milliarden Dollar schätzt, hat es wie kaum ein anderer verstanden, Investoren für neue Technik zu begeistern und von ihnen entsprechend Geld einzusammeln. Entstanden ist auf diese Weise eine Holding, die teils einen Tech-Konzern, teils einen gigantischen Beteiligungsfonds darstellt.

Son ist koreanischer Abstammung und hat in Kalifornien studiert. Dort verdiente er seine ersten Millionen mit der Erfindung eines elektronischen Übersetzers und dem Import gebrauchter Videospiel-Maschinen aus Japan.

Als 24-Jähriger gründete er ein Geschäft für Computerteile mit dem Namen Softbank. Danach startete er zwei Zeitschriften über Computerfirmen. 1994 brachte er die Firma für umgerechnet drei Milliarden Dollar an die Börse. Heute ist sie rund 83 Milliarden wert.

Berühmt wurde Son vor allem wegen seiner Beteiligungen. Häufig wagte er schon früh den Einstieg in technische Bereiche, die sich später als erfolgreich herausstellten. Sein spektakulärster Deal war der Erwerb von rund 30 Prozent am chinesischen Onlinehändler Alibaba für 20 Millionen Dollar im Jahr 2000.

Der wuchs zu einem Weltkonzern und brachte im größten Börsengang der Geschichte 2014 Aktien für 25 Milliarden Dollar an der Börse New York unter. Der Anteil von Softbank ist heute über 100 Milliarden Dollar wert. Schon früh verbündete sich Son mit Yahoo, seiner Gruppe gehört knapp die Hälfte von Yahoo Japan.


Zu über 80 Prozent besitzt die Gruppe den US-Telekom-Konzern Sprint, der in Fusionsverhandlungen mit dem US-Ableger der Telekom steht. Zu 100 Prozent gehört Boston Dynamics zu Softbank, ein Anbieter von Robotics. Son kaufte ihn 2017 der Google-Mutter Alphabet ab.

Den Mobilfunkkonzern, der jetzt als Softbank Corp. an die Börse gegangen ist, kaufte er 2006 zu einem großen Teil von Vodafone, nachdem die Briten sich eine Weile in Japan schwergetan hatten. Mit Fortress gehört noch eine bekannte New Yorker Investmentfirma zum Portfolio.

Aufsehen erregte im vergangenen Jahr die Gründung des Vision Fund. Mit einem Kapital von 93 Milliarden Dollar ist er der weltweit größte Beteiligungsfonds, spezialisiert auf Technikunternehmen. Softbank selbst steuerte 28 Milliarden bei, der Löwenteil kam von Saudi-Arabiens größtem Staatsfonds mit rund 45 Milliarden.

Einige bekannte Tech-Konzerne wie Apple und Qualcomm gaben ebenfalls Geld. Eigentlich wollte Son mit den Arabern zusammen noch einen weiteren Fonds über 200 Milliarden auflegen, aber das Projekt wurde vorerst auf Eis gelegt. Softbank kassierte nach der Ermordung des Journalisten Jamal Kashoggi durch saudische Agenten auch Kritik für die Kooperation.


Die eigentliche Stärke, mit der die gesamte Gruppe für sich wirbt, ist gerade diese Verbindung von Fonds und Unternehmerschaft. Sie erleichtert es auch dem Börsenneuling, auf neue Technik zuzugreifen. Chef Miyauchi erwähnt zum Beispiel eine Kooperation mit WeWork im Bürobereich und in dieser Woche den Start von PayPay, einem Bezahlsystem für Smartphones, das auf der Basis der indischen Paytm-Gruppe beruht.

Daneben hat er eine Kooperation mit Toyota abgeschlossen, wo es um Service geht, der auf Mobilfunk basiert. Miyauchi lässt keinen Zweifel, dass er Softbank Corp. als Kern der gesamten Gruppe sieht und geschäftlich nicht nur auf den Telekombereich beschränkt ist. Er nennt mit dem Internet der Dinge – also der Verknüpfung von Maschinen übers Web – und Künstlicher Intelligenz zwei schillernde Bereiche, die für Fortschritt stehen.

Für die weitere Entwicklung muss sich zeigen, ob der Tech-Sektor weltweit ähnliche Renditen liefert wie bisher. Außerdem ist Softbank zusammen mit seinen Fonds jetzt so groß, dass die Anlage allein dadurch schwieriger wird.