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Softbank-Gründer bleibt auch in der Krise optimistisch

Softbank stürzt wegen der Coronakrise tief in die Verlustzone. Der Konzernlenker gibt sich trotzdem gelassen – und glaubt weiter an seine Investments.


Von einer existenzbedrohenden Krise will Masayoshi Son nichts wissen. Dabei hätte der Softbank-Gründer allen Grund zur Sorge: Der 61-Jährige musste gerade für das Ende März abgelaufene Bilanzjahr einen Verlust von umgerechnet 8,3 Milliarden Euro verbuchen – nach einem Gewinn von 12,2 Milliarden Euro im Vorjahr.

Durch die Pandemie sind global die Aktienpreise abgestürzt – und mit ihnen der Wert des 100 Milliarden Dollar großen Softbank Vision Fund (SVF). Obendrein hat auch noch Sons Freund Jack Ma, Ex-Chef von Chinas Onlinehändler Alibaba, seinen Verwaltungsratssitz beim japanischen Tech-Konzern aufgegeben.

Son bleibt trotzdem positiv – weil er krisenerprobt ist. „Ich bin nicht so pessimistisch“, behauptet die Investorenlegende. „Verglichen mit der Vergangenheit ist die Lage nicht so schlecht.“ Beim Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 habe Softbank 99 Prozent des Werts verloren. „Damals hielt ich mich mit zwei Fingern am Rand der Klippe fest.“

Nach dem Lehman-Schock war es immerhin schon ein Arm. „Dieses Mal schaue ich lediglich von oben ins Tal“, meint Son.

Es ist alles eine Sache der Perspektive. Der Grund für Sons Coronakrisen-Gefühl sind seine alten Erfolge. Nach dem Platzen der Internetblase investierte er in ein unbekanntes chinesisches Start-up namens Alibaba, das mit seinem globalen Erfolg nun zu Softbanks Lebensversicherung geworden ist.

Am Freitag voriger Woche machte der Onlinehandelsriese mit 137 Milliarden Dollar etwas mehr als die Hälfte vom Wert aller Softbank-Beteiligungen aus. Zusammen mit dem profitablen japanischen Mobilnetz Softbank Corp. und dem 24-prozentigen Anteil an T-Mobile US schwillt der Krisenpuffer auf 209 Milliarden Dollar an.

Doch Sons Wetten auf Tech-Einhörner wie den Mitfahrdienst Uber oder den kriselnden Bürovermittler WeWork, mit denen der Investor zum größten Konzern für Internet, Künstliche Intelligenz und Robotik aufsteigen möchte, schmerzen schon.

Allein die Wertberichtigung für Anteile des SVF, den Son mithilfe von Partnern wie dem saudischen Public Investment Fund und Apple 2017 gegründet hatte, belastete die Bilanz mit einem Verlust von 16,6 Milliarden Euro.

Verkauf an die Telekom?

Derzeit haben sich die Märkte zwar etwas vom ersten Coronaschock erholt. Aber Son warnt: „Die Lage wird sich wahrscheinlich verschlechtern.“ Neben dem milliardenschweren Verkauf von Alibaba-Aktien will Son laut „Wall Street Journal“ auch den Großteil seiner Beteiligung an T-Mobile US verkaufen – an die Deutsche Telekom.

Deren Amerikatochter hat gerade mit Softbanks US-Mobilnetz Sprint fusioniert. Son wollte den Deal nicht bestätigen: „In Bezug auf Aktienverkäufe stehen wir verschiedenen Optionen und Szenarien offen gegenüber.“

Einige japanische Beobachter sehen die derzeitige Lage kritisch. Ein Analyst bezeichnete Sons Auftritt als „uninspirierte Präsentation“, andere sagten, dass sie sich weiterhin um Softbanks Zukunft sorgen. Doch Son will sich nicht bremsen lassen.

Er gestand zwar ein, dass seine hohe Wette auf WeWork ein großer Fehler gewesen sei und dass 15 Einhörner des SVF ins „Coronavirus-Tal“ stürzen und sterben könnten. Aber: 15 weitere Einhörner würden über das Tal hinwegfliegen – zu neuen Höhen.