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Softbank erzielt historischen Halbjahresgewinn

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Nach schweren Verlusten durch die Pandemie kann sich Softbank-Gründer Son über einen Rekordgewinn freuen. Er will weiter in seine Vision investieren.

Softbank-Gründer Masayoshi Son kann nach dem Coronacrash wieder Rekordgewinne verbuchen. In seiner Halbjahresbilanz meldete der Konzern am Montag – nach der globalen Kursrally der vergangenen Monate und Aktienverkäufen – nun 1883 Billionen Yen (15,2 Milliarden Euro) Nettoprofit, etwa 4,5-mal so viel wie vor einem Jahr. Doch Son hob in der Bilanzpräsentation einen anderen Punkt hervor: „Das ist der höchste Reingewinn, den je eine japanische Firma in sechs Monaten erzielt hat.“

Das Ergebnis steht im starken Kontrast zu der Krise, in die der globale Börsencrash den größten Technikinvestor der Welt gestürzt hatte. Schon vor der Pandemie schwächelten die Erträge des Softbank Vision Fund, durch den Softbank fast 100 Milliarden Dollar in mehr als 80 Mega-Start-ups investiert hatte. Doch plötzlich machte Softbank als Gruppe erstmals Verlust.

Son wurde hart dafür kritisiert, zu viel Geld für seine Abenteuer ausgegeben zu haben und das Unternehmen zu intransparent zu führen. Der Aktienkurs, der allein am Montag um 5,4 Prozent auf 7083 Yen (58,81 Euro) stieg, lag damals nur bei 2609 Yen (20,92 Euro).

Um die Märkte zu beruhigen, musste Son sogar ein 36 Milliarden Dollar großes Rettungsprogramm ankündigen, indem er mit Aktienverkäufen Aktien und Schulden des Konzerns zurückkaufte.

Doch dann nutzte er die Krise, um die Entwicklung der Softbank-Holding zu beschleunigen und zu vollenden. Wie früher ist Softbanks Mission für Son zwar weiterhin, global die eine „Informationsrevolution“ durchzuführen. Aber Softbank sei kein Hybrid aus Unternehmen und Finanzinvestor, erklärte Son: „Wir haben keine operativen Geschäfte mehr, sondern sind eine Investitionsgesellschaft.“

Son läutet ein neues Kapitel ein

Die Verwandlung drückte Son zum einen in der Bilanzpräsentation aus, zum anderen in einer neuen Investitionsoffensive. Klassische Kennwerte von Unternehmensbilanzen wie Betriebs- oder Vorsteuergewinne will er ab dieser Bilanz beispielsweise gar nicht mehr erwähnen.

Stattdessen präsentiert er das, was in seinen Augen Investoren in einer Investitionsgesellschaft neben dem Reingewinn am meisten interessieren sollte: die Wertentwicklung der Investitionen und den Nettowert der Holding, also den Marktwert des Portfolios abzüglich der Schulden.

Softbanks Zwischenstand am 30. September: In der vergangenen Jahreshälfte beliefen sich die kumulativen Gewinne auf Softbanks riesiges Aktienportfolio auf 1,39 Billionen Yen (11,2 Milliarden Euro). Vor Jahresfrist hatte der Konzern noch 21,5 Milliarden Yen (170 Millionen Euro) verloren, weil wichtige Investitionsobjekte wie der Bürovermittler WeWork in der Krise steckten.

Nun beziffert Softbank seinen Nettowert auf 258 Milliarden Dollar – 29 Prozent mehr als vor sechs Monaten. Der Großteil des Vermögens ist allerdings weiterhin in Sons erfolgreichster Wette gespeichert: in Aktien des chinesischen Online-Handelsriesen Alibaba.

Außerdem hat Son seit dem Beginn der Pandemie seine Investitionskasse prall gefüllt und greift wieder an. „Wir wollen defensiv auf eine Krise vorbereitet sein, aber gleichzeitig aggressiv sein“, erklärte Son. Und für die neue Offensive hat er die Richtung gleich an zwei Punkten verändert.

Luxusproblem fordert Neuausrichtung

Investierte er früher in Firmen, die im Internet, mit Robotern und Künstlicher Intelligenz (KI) Geschäfte machen, sollen es ab jetzt nur noch Firmen sein, bei denen KI eine wichtige Rolle spielt. Die meisten Investitionen werden dabei in die USA und nach China fließen.

Zweitens übernimmt Softbank nicht mehr nur 20 bis 40 Prozent an Mega-Start-ups wie beispielsweise dem Mobilitätskonzern Uber, sondern beteiligt sich auch an gestandenen Konzernen wie Amazon. Wie viel Geld investiert wurde, will Softbank kommende Woche veröffentlichen.

Hinter der Neuausrichtung steht ein Luxusproblem: Softbank hat seit dem Beginn der Coronakrise fast zehn Billionen Yen (80,2 Milliarden Euro) an Aktien monetarisiert, rechnete Son vor. Die Aktienverkäufe aus dem eigenen Rettungsprogramm haben inzwischen sogar 45 Milliarden Euro eingebracht, ein Viertel mehr als ursprünglich versprochen.

43 Prozent stammen aus dem Verkauf von Aktien von T-Mobile US, der amerikanischen Mobilfunkgesellschaft der Deutschen Telekom. Die hatte zuvor Softbanks US-Mobilgesellschaft Sprint übernommen. Darüber hinaus hat Softbank seinen britischen Chipdesigner ARM für 40 Milliarden Dollar an den US-Grafikkartenhersteller Nvidia verkauft.

Mit einem Teil des Geldes hat Softbank den Softbank Vision Fund 2 aufgelegt, der bereits in 13 Unternehmen investiert hat. Vorerst will Son dabei allein vorgehen, wegen der Probleme des ersten Fonds. „Wir sind immer offen für Drittinvestoren, aber im Moment nicht so populär“, erklärte er. Aber für „den Moment“ habe Softbank genug Geld zum Investieren.

Einen Großteil steckt Son aber in kleine Anteile an Großunternehmen und Derivate. Damit will er Softbanks Geld kurzfristig arbeiten lassen, anstatt es auf der Bank zu bunkern. Gleichzeitig will er seine Positionen auch rasch auflösen können. Es handele sich um sehr liquide Aktien, erklärte Son. „Sie sind eher wie Bargeld.“

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