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So zerstören Influencer die Natur

Alice Tielich
Freie Autorin

Influencer stehen immer wieder in der Kritik. Vor allem Umweltschützer sind alarmiert, denn nach erfolgreichen Posts in traumhafter Naturkulisse kommen die Nachahmer – meist ohne Rücksicht auf Verluste. So wird die Natur oftmals zum Opfer von Klicks.

Die Insel Ko Phi Phi Leh – der Strand aus dem Film "The Beach" fiel den Touristen zum Opfer (Bild: Getty Images"

Dass Tourismus der Natur Schaden zufügen kann, ist nichts Neues. Und auch nicht, dass Influencer oft dazu beitragen, dass paradiesische Orte dem Erdboden gleichgemacht werden. Denn durch ihre Postings und die damit erhöhte Aufmerksamkeit für meist noch (weitgehend) unberührte Orte, kommt es zu “vermehrtem Besucheraufkommen” – das leider in vielen Fällen katastrophale Folgen für die Natur hat. Ein Beispiel ist ein Strand der Insel Ko Phi Phi Leh (Maya Bay), der durch den Film “The Beach” bekannt wurde.

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Touristenmassen überrannten die Insel förmlich – und mit jedem Posting vor der traumhaften Kulisse wuchs die Zahl der Nachahmer. Die Folgen für die dortige Tier- und Pflanzenwelt waren so verheerend, dass der Strand 2018 geschlossen wurde. 2019 wurde beschlossen, weitere zwei Jahre keinen Touristen mehr den Zutritt zu erlauben.

“Dummheit und Ignoranz”

Die Influencerin Yvonne Pferrer hat nun mit ihrem Posting aus einem “Naturpool” im Berchtesgadener Land für jede Menge Kopfschütteln gesorgt. Dieser besondere Ort befindet sich hoch über dem Königssee – und ist ziemlich gefährlich. Im vergangenen Jahr kamen hier zwei Menschen ums Leben. Denn die starke Strömung kann die Badenden mitreißen, den Wasserfall hinab, der hinter dem Becken in die Tiefe stürzt. Die Nationalparkverwaltung und der Tourismusverband weisen auf die Gefahr hin, sprechen Warnungen aus. Diese werden aber immer wieder von Influencern ignoriert, die diesen Ort für ein klickträchtiges Foto nutzen wollen.

Zwar weist die Fotografin auf die Gefahren hin, die dieses Fotomotiv mit sich bringt. Das ist dem Tourismusverband Berchtesgaden aber nicht genug.

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Dieser kommentiert das Foto auf Instagram so: “So viel wertvolle Natur wurde bereits zerstört, Menschen sind gestorben und verletzt worden. Und immer noch posten unverantwortliche Selbstdarsteller Bilder von diesem Ort. Dummheit und Ignoranz ist zwar nicht strafbar, ein Drohnenflug im Nationalpark aber sehr wohl. Hoffentlich wirst du ordentlich gestraft.”

Viel Kritik – und die Ankündigung von “Nachahmern”

Nicht nur von offizieller Seite bekommt Yvonne Pferrer negative Rückmeldung. Auch andere Nutzer äußern sich kritisch zu ihrem Post.

Eine Userin schreibt: ”Wenn du dann Werbung für solche Orte machst, gefährdest du die Natur und die Tiere die dort leben, da dir unendlich viele Leute nachahmen werden. Dass es in diesem Fall auch noch gefährlich ist, ist ein weiterer unschöner Nebenaspekt, aber ich würde mir wünschen, dass du wenigstens mitdenkst. Der Königssee ist Naturschutzgebiet.” Auch die Verwaltung des Nationalparks fordert auf ihrem Instagram-Account ein Umdenken:

Schon jetzt hätten die zahlreichen Nachahmer “die Ufervegetation komplett zertreten, Berge von Müll werden hinterlassen und illegale Lagerfeuer gemacht. Unbelehrbare campieren im Schutzgebiet, hinterlassen sogar ihre Billig-Zelte und Schlafsäcke. Das kann es doch nicht sein!”

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Gelöscht hat Pferrer das Bild nicht, trotz zahlreicher Aufforderungen von Usern und der Ankündigung der strafrechtlichen Verfolgung wegen des verbotenen Einsatzes einer Drohne im Naturschutzgebiet. Sie freut sich dennoch über die zahlreichen Kommentare vieler Nutzer die ankündigen, dass man diesen besonderen Ort unbedingt besuchen muss.

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