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So wurde Roman Abramowitsch von einem Gummi-Enten-Verkäufer zu einem der reichsten Oligarchen Russlands

·Lesedauer: 6 Min.
Der russische Oligarch Roman Abramowitsch
Der russische Oligarch Roman Abramowitsch

Einen unglücklichen Anfang hatte Roman Abramowitschs Karriere in der Wirtschaft. Der Studienabbrecher und ehemalige Wehrdienstleistende der Roten Armee handelte zunächst mit Gummienten, Autoreifen und Puppen, nachdem er eine kurze Zeit als Mechaniker gearbeitet hatte.

Doch einige Zeit später war Abramowitsch zur richtigen Zeit zum richtigen Ort. In den 80er Jahren wollte der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow die Macht von den verstaubten Staatsbetrieben – durch die sogenannten "Perestroika"-Reformen – auf den privaten Sektor übertragen. Zu dieser Zeit ergriff Abramowitsch seine Chance und wurde zu einem der reichsten Oligarchen Russlands. Heute wird sein Vermögen auf 14 Milliarden US-Dollar geschätzt.

Abramowitsch gilt als Russlands bekanntester Oligarch – vor allem, weil er seit fast zwei Jahrzehnten Eigentümer des Fußballclubs FC Chelsea ist, einem Londoner Verein der Spitzenklasse.

Außerdem ist er für seine Extravaganz bekannt. In Großbritannien besitzt er beispielsweise zahlreiche Immobilien. Darunter sind riesige Villen im exklusiven Londoner Stadtteil Kensington im Wert von schätzungsweise 250 Millionen Pfund, also etwa 325 Millionen Dollar. Zudem gehören ihm zwei der teuersten Superyachten der Welt: die 600 Millionen Dollar teure Solaris und die 700 Millionen Dollar teure Eclipse. Er besitzt mehrere Privatjets, darunter eine Gulfstream, sowie einen Hubschrauber und eine Reihe von Luxusautos.

In den vergangenen Wochen und Monaten wurde Abramowitschs öffentliches Profil durch zwei Vorfälle erweitert. Er wurde einerseits von der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich im Zuge der russischen Invasion in der Ukraine mit Sanktionen belegt. Andererseits fungierte er als eine Art Gesandter bei den Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine – was ihm einige positive Schlagzeilen einbrachte, während westliche Beamte seine Trophäen beschlagnahmten.

Diese Ereignisse machen es schwierig, Abramowitsch richtig einzuschätzen. Ist er einer der Guten – ein normaler Russe, der es zu etwas gebracht hat? Oder ist er einer der Bösen – ein gewöhnlicher Geschäftsmann, der mit der Perestroika Glück hatte und sich dann nur zu gerne bei Wladimir Putin einschleimte?

Die Anfänge: So begann Abramowitschs Karriere

Roman Arkadjewitsch Abramowitsch wurde am 24. Oktober 1966 in Saratow, einer Hafenstadt an der Wolga im Südwesten Russlands, geboren. Er wurde im Alter von zwei Jahren Vollwaise, als seine Mutter an einer Blutvergiftung und sein Vater bei einem Unfall mit einem Baukran starb. Abramowitsch verbrachte einen Großteil seiner Kindheit bei seinem Onkel in Komi, im Norden Russlands.

"Um die Wahrheit zu sagen, kann ich meine Kindheit nicht als schlecht bezeichnen", sagte Abramowitsch 2006 der englischen Zeitung "Guardian". "In der Kindheit kann man nichts miteinander vergleichen: Der eine isst Karotten, der andere Bonbons, beide schmecken gut. Als Kind kann man den Unterschied nicht erkennen."

Er ist russisch-jüdischer Abstammung und hat nach Angaben des Vereinigten Königreichs die russische, portugiesische und israelische Staatsbürgerschaft. Er soll dreimal verheiratet und geschieden gewesen sein und sieben Kinder gezeugt haben.

Auch in der Politik fasste er Fuß. In den 2000er Jahren war er Gouverneur von Tschukotka, einer benachteiligten Region im Osten Russlands. Acht Jahre lang finanzierte er dort Schulen und Krankenhäuser mit seinem eigenen Geld und gründete eine Wohltätigkeitsorganisation, die die Kinder von Tschukotka auf jährliche Ferienreisen nahm. Der Universität von Tel Aviv spendete er 30 Millionen Dollar, die sie für den Bau des Roman Abramowitsch Building for Nanoscience and Nanotechnology verwendete. Außerdem ist er der zweitgrößte Spender für das Holocaust-Gedenkmuseum Yad Vashem in Jerusalem.

Sein großer Durchbruch in der Geschäftswelt kam 1995, als er Sibneft, ein russisches staatliches Energieunternehmen, für rund 250 Millionen Dollar kaufte. Die Auktion für Sibneft wurde mit ziemlicher Sicherheit zu Abramowitschs Gunsten manipuliert. Zehn Jahre später verkaufte er Sibneft an Gazprom, einen anderen staatlichen russischen Energiekonzern, für fast 13 Milliarden Dollar – ein Gewinn von etwa 5000 Prozent.

Abramowitsch war in einen Rechtsstreit verwickelt

Das löste einen erbitterten Rechtsstreit mit seinem ehemaligen Geschäftspartner Boris Beresowski, einem russischen Oligarchen im Exil, aus. Beresowski verklagte Abramowitsch im Vereinigten Königreich, weil er ihn eingeschüchtert hatte, damit er seine Sibneft-Aktien im Jahr 2001 für einen Bruchteil ihres tatsächlichen Wertes verkaufte. Das Gericht entschied jedoch 2012 zugunsten von Abramowitsch. Die Richterin erklärte, sie halte Abramowitsch für einen "wahrheitsgemäßen und im Großen und Ganzen zuverlässigen Zeugen".

Abramowitschs Anwälte nannten Behauptungen, er habe seinen Reichtum durch Kriminalität erworben, unbegründet. Dennoch gab Abramowitsch 2012 vor einem britischen Gericht zu, dass er im Vorfeld des Sibneft-Geschäfts einige korrupte Zahlungen geleistet hatte.

Ein Jahr später, im März 2013, wurde Berezovsky tot in seinem Haus im englischen Ascot aufgefunden. Ein britischer Gerichtsmediziner konnte nicht feststellen, ob der Oligarch sich selbst umgebracht hatte, und vermutete ein falsches Spiel, möglicherweise durch den Kreml.

Nach Abschluss des Megadeals mit Sibneft gründete Abramowitsch mehrere Erdölhandelsunternehmen und erwarb Beteiligungen an Norilsk Nickel und Evraz, einem Industriekonglomerat. Der Handel mit beiden Unternehmen wurde von der Londoner Börse ausgesetzt, nachdem Russland in die Ukraine einmarschierte.

Im Jahr 2003 verkaufte Abramowitsch einen Anteil von 25 Prozent an dem Aluminiumunternehmen Rusal für 1,9 Milliarden Dollar an den russischen Oligarchen Oleg Deripaska. Im selben Jahr kaufte Abramowitsch den FC Chelsea für rund 190 Millionen Dollar.

"Ich betrachte das nicht als Finanzinvestition", sagte er damals der englischen "Financial Times". "Ich betrachte es als ein Hobby." In einem späteren Interview mit dem US-Magazin "Forbes" sagte er: "Im Nachhinein, vor allem mit dem öffentlichen Profil, das es mir bringen würde, hätte ich vielleicht anders darüber gedacht, einen Club zu besitzen."

Die Zeit des Krieges und Abramowitschs Rolle darin

Anfang März, kurz nach Beginn des Ukraine-Krieges, kündigte Abramowitsch an, den FC Chelsea für angeblich 2,5 Milliarden Dollar verkaufen zu wollen.

Westlichen Beamten zufolge unterhält Abramowitsch seit langem enge Beziehungen zu Putin, der im Jahr 2000 Boris Jelzin an der Stelle des russischen Präsidenten ablöste.

Laut EU-Beamten habe Abramowitsch sogar "privilegierten Zugang zum Präsidenten und unterhält sehr gute Beziehungen zu ihm". Britische Beamte beschreiben Abramowitsch als "kremlfreundlichen Oligarchen", der "seit Jahrzehnten eine enge Beziehung" zu Putin unterhalte. Sie sagen, dass Abramowitsch und seine Unternehmen "Vorzugsbehandlung und Zugeständnisse" von Putin erhalten hätten, darunter Steuererleichterungen, günstige Tarife beim Kauf und Verkauf von Anteilen an staatlichen Unternehmen und Zuschüsse im Zusammenhang mit der FIFA-Weltmeisterschaft 2018, die in Russland stattfand.

Abramowitsch bestritt immer wieder, mit Putin finanziell verbunden zu sein oder enge persönliche Beziehungen zu dem russischen Präsidenten zu unterhalten.

In den vergangenen Wochen wurde Abramowitsch bei Friedensgesprächen zwischen Russland und der Ukraine fotografiert und ist Berichten zufolge durch die Ukraine, Russland, Polen, Israel und die Türkei gereist, um sich mit Beamten zu treffen, manchmal in Hotelzimmern. Berichten zufolge traf Abramowitsch Ende März mit Putin zusammen, wo er ein Schreiben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Zelenskyj übergab, in dem er um Frieden bat.

Allerdings ist Abramowitschs Aufgabe als Friedensbeauftragter - falls es sich tatsächlich um eine solche Rolle handelt - nicht nachhaltig geklärt. Sowohl Russland als auch die Ukraine haben erklärt, dass Abramowitsch kein offizielles Mitglied ihrer Verhandlungsteams sei. Es scheint, dass er als Beobachter an den Gesprächen teilgenommen hat.

Aber seine Rolle als Vermittler hat ihm offenbar Zeit bei den USA verschafft. Washingtoner Beamte sagten dem "Wall Street Journal", dass die USA ihre Pläne, Abramowitsch zu sanktionieren, fallengelassen hätten, nachdem der ukrainische Präsident Zelenskyj dem US-amerikanischen Präsidenten Joe Biden gesagt habe, dass Abramowitsch bei den russisch-ukrainischen Friedensgesprächen nützlich sein könnte.

"Roman Abramowitsch ist daran beteiligt, bestimmte Kontakte zwischen der russischen und der ukrainischen Seite zu ermöglichen", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow Ende März. Zelenskyj sagte, Abramowitsch habe versucht, die Ukraine bei Friedensgesprächen zu unterstützen.

Wie auch immer seine Rolle aussehen mag, der ehemalige Händler hat einen beachtlichen Aufstieg hingelegt. Es bleibt abzuwarten, ob der Westen ihm seinen großen Reichtum, wie auch immer er ihn erwirtschaftet hat, entziehen und seinen Sturz herbeiführen wird.

Dieser Text wurde von Luca Schallenberger aus dem Englischen übersetzt, das Original findet ihr hier.

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