Deutsche Märkte geschlossen

So wollen Europas Airlines wieder durchstarten

Noch sind die Buchungszahlen überschaubar, doch die Lust am Reisen wächst wieder. Die Airlines wollen darauf vorbereitet sein.

Europas größter Billigflieger plant ab 1. Juli fast 1000 Flüge täglich. Foto: dpa

Es soll wieder losgehen. Immer mehr Airlines publizieren Flugpläne, die mehr Luftverkehr versprechen. Doch noch ist vieles pure Hoffnung. Zwar öffnen sich die Grenzen langsam wieder. Doch das Coronavirus sorgt bei den Fluggästen für Unsicherheit, die Buchungszahlen seien überschaubar, heißt es bei vielen Fluggesellschaften.

Dennoch will die irische Ryanair ihren Betrieb ab Juli wieder hochfahren. So sollen jeden Tag nicht nur 1000 Flüge angeboten werden. Auch sollen 90 Prozent aller Ziele wieder im Plan stehen. Die liegen im Heimatmarkt Irland, in Großbritannien und Kontinentaleuropa. Aktuell bietet die Billigfluggesellschaft nur etwa 30 Flüge am Tag an.

Etwas vorsichtiger geht Lufthansa vor. Ab Juni will die nach Umsatz größte Fluggesellschaft Europas mit 160 Flugzeugen der Marken Lufthansa, Swiss und Eurowings 106 Ziele im In- und Ausland ansteuern. Dagegen bleiben die Flugbetriebe von Brussels Airlines und Austrian vorerst geschlossen. Zu den Zielen gehören beispielsweise Kreta, Mallorca, Sylt oder Rostock. Bisher gab es nur 32 Ziele im Flugplan.

„Wir spüren eine große Lust und Sehnsucht der Menschen, wieder zu reisen. Hotels und Restaurants öffnen langsam, Besuche bei Freunden und Familie werden zum Teil wieder erlaubt“, wird Lufthansa-Vorstand Harry Hohmeister in einer Mitteilung zitiert: „Selbstverständlich haben Sicherheit und Gesundheit unserer Gäste und Mitarbeiter dabei höchste Priorität.“ So gilt an Bord eine generelle Maskenpflicht.

Zudem werden die Kunden gebeten, auf mögliche Einreise- und Quarantänevorschriften zu achten und diese zu berücksichtigen. Auch gibt es nur ein sehr eingeschränktes Catering.

Am Mittwoch beschäftigte sich die EU-Kommission mit Schutzmaßnahmen für den Luftverkehr. Empfohlen wird auch hier die Pflicht, eine Schutzmaske zu tragen. Der viel diskutierte freie Mittelsitz steht dagegen nicht auf der Liste mit Vorgaben. Viele Airline-Manager hatten das als nicht umsetzbar zurückgewiesen, weil damit die Flugzeuge wirtschaftlich kaum zu betreiben seien. Zudem sei selbst beim Freilassen des Sitzes der Mindestabstand nicht einzuhalten.

Die EU verweist stattdessen auf die Reinigung der Kabinenluft, mit der auch Flugzeughersteller wie Airbus und viele Fluggesellschaften seit Wochen argumentieren. Danach wird die Luft vertikal abgesaugt und ständig erneuert. Damit sei die Luft annähernd so rein wie in einem Operationssaal, heißt es in der Branche.

Hinzu kommen bei vielen Fluggesellschaften zusätzliche Maßnahmen, um eine Enge der Passagiere möglichst zu vermeiden. So müssen Fluggäste bei Ryanair ihren Toilettengang beim Personal anmelden, um ein Schlangestehen zu verhindern.

Auch an den Flughäfen laufen die Vorbereitungen für den Neustart auf Hochtouren. So wurden in Frankfurt die Wartebereiche vor Check-in-Schaltern und an der Bordkarten- und Sicherheitskontrolle so umgebaut, dass der Mindestabstand von 1,5 Metern gewährleistet ist.

In den Aufenthaltsbereichen wiederum ist jeder zweite Sitz gesperrt worden. Dazu kommen regelmäßige Durchsagen und Hinweise auf die Hygienemaßnahmen, unterstützt von Hilfestellungen durch Personal.

Da, wo es ohne eine gewisse Nähe nicht geht, etwa direkt bei den Sicherheitskontrollen oder am Schalter, werden und wurden Plexiglasscheiben angebracht und die Maske ist Pflicht. Auch in den zahlreichen Shops im Terminal werden wie in vielen Geschäften außerhalb der Flughafenwelt solche Schutzscheiben eingebaut.

In den Passagierbussen muss eine Maske getragen werden. Auf Dauer, so heißt es beim Flughafenbetreiber Fraport, wird wohl auch eine generelle Maskenpflicht im gesamten Flughafenbereich kommen.

Der Neustart wird für den Luftverkehr dennoch schwierig. Denn immer noch gibt es in einzelnen Ländern der EU unterschiedliche Regelungen, etwa beim Thema Quarantänepflicht für Einreisende. Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), fordert deshalb die Abschaffung der Vorschrift – auch in Deutschland: „Auch die WHO weist seit Wochen darauf hin, dass solche Reisebeschränkungen kontraproduktiv sind.“