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Moneyfarm will mit Hilfe der Allianz in Deutschland durchstarten

Der digitale Vermögensverwalter hat neues Geld eingesammelt und öffnet sich nun für alle deutschen Kunden. Unterstützung kommt auch von der Allianz.

Knapp ein Jahr nach der Übernahme des Frankfurter Robo-Advisors Vaamo will der digitale Vermögensverwalter Moneyfarm jetzt in Deutschland durchstarten. „Unsere Beta-Phase ist beendet, alle Interessenten können nun ohne Warteliste sofort ein Depot bei uns eröffnen“, sagte Moneyfarm-Gründer Giovanni Daprà dem Handelsblatt.

Beim Wachstum soll auch neues Investorenkapital helfen. Allianz Asset Management und die italienische Post haben kürzlich 40 Millionen Euro in das italienische Unternehmen gesteckt. Insgesamt ist das Finanz-Start-up nun mit 115 Millionen Euro Kapital finanziert – genug Geld, um bald eine Marketingkampagne zu starten.

Auch nach der neuen Finanzierungsrunde sei die Allianz weiterhin die größte Minderheitsaktionärin seines Unternehmens, sagte Daprà. Die Investmenttochter des Versicherers begründet ihr Engagement vor allem mit dem hybriden Ansatz des Fintechs: „Anleger wollen ihr Vermögen digital verwalten lassen, aber gleichzeitig einen Menschen als Ansprechpartner haben“, sagte Jürgen Weber, der bei Allianz Asset Management das Investment verantwortet. Moneyfarm-Kunden sollen ohne Zusatzkosten den Kundenservice kontaktieren können, zum Beispiel, wenn sie Hilfe bei der Einschätzung ihrer eigenen Risikobereitschaft brauchen.

Diesen Ansatz verfolgen allerdings auch schon andere Anbieter. Mmanche organisieren sogar Kundenveranstaltungen, bei denen sich Interessenten persönlich über das Anlageangebot informieren können.

Die Konkurrenz ist groß. In Deutschland haben Anleger aktuell die Wahl zwischen mehr als 30 digitalen Vermögensverwaltern, sogenannten Robo-Advisors. Kunden klicken sich bei ihnen online durch einen Fragenkatalog zu ihren Anlagezielen und Erfahrungen am Kapitalmarkt und bekommen dann eine Empfehlung für ein Portfolio, das meistens aus börsennotierten Indexfonds (ETFs) besteht.

Moneyfarm gehört zu den wenigen Anbietern, die auch aktiv gemanagte Fonds nutzen. Im Durchschnitt bestehe ein Moneyfarm-Depot zu 36 Prozent aus aktiv gemanagten Fonds von Allianz Global Investors (AGI), zu 22 Prozent aus aktiven Fonds anderer Anbieter und zu 42 Prozent aus passiven Indexfonds (ETFs), so Daprà. Auch die Anlagestrategie und das Risikomanagementsystem kommen von AGI. An das übernommene Fintech Vaamo erinnert auf der Website nichts mehr.

Einsteigen können Anleger ab 5000 Euro. Die Gebühren für die Portfolios hat Moneyfarm zwischenzeitlich leicht gesenkt. Für Anlagesummen unter 10.000 Euro werden pro Jahr nun 1,25 Prozent fällig – darin enthalten ist eine Servicegebühr, durchschnittliche Produktkosten und eine ETF-Handelsgebühr. Hinzukommen kann noch eine Performancegebühr.

Andere Robo-Advisor sind mitunter deutlich günstiger. Bei Quiron zum Beispiel, der digitalen Vermögensverwaltung der Quirin-Bank, entfallen auf die ersten 10.000 Euro nur Fondskosten in Höhe von 0,21 Prozent. Bei höheren Anlagesummen steigen die Gesamtkosten auf bis zu 0,69 Prozent. Ein persönlicher Berater kostet extra, aber selbst mit diesem liegen die Kosten bei maximal 1,09 Prozent.

Kooperation vereinbart

Deutschland ist für Moneyfarm nach Italien und Großbritannien der dritte Markt. Marktführer ist hier der 2014 gegründete Anbieter Scalable Capital, der auch in Österreich, der Schweiz und Großbritannien aktiv ist. Scalable verwaltet mehr als 1,5 Milliarden Euro von mehr als 50.000 Kunden. Moneyfarm verwaltet aktuell 830 Millionen Euro von 40.000 Kunden.

Bald könnten die Italiener jedoch aufholen – zumindest in ihrem Heimatmarkt. Denn mit dem neuen Investor Poste Italiane hat Moneyfarm auch eine Kooperation geschlossen: Über die Banksparte wird das Unternehmen seinen Kunden Anlageprodukte von Moneyfarm anbieten. „Moneyfarm wird für die Zusammensetzung der Investmentportfolios und deren Management verantwortlich sein. Poste Italiane hingegen für das Management der Kundenbeziehung“, sagt Daprà.

Die Partnerschaft ähnelt der zwischen Scalable Capital und der ING. Seit zwei Jahren vermittelt die Direktbank ihre deutschen Kunden an Scalable. In dieser Zeit haben ING-Kunden eine Milliarde Euro über den Robo-Advisor angelegt. Auch Daprà hat große Erwartungen an die Kooperation mit der italienischen Post, zumal diese rund 35 Millionen Kunden habe, während es bei der ING in Deutschland rund neun Millionen sind.