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So will das Berliner Startup Alcemy grünen Beton massentauglich machen

Robert Meyer und Leopold Spenner (v.l.) wollen die Produktion von Zement mit ihrer Software klimafreundlicher gestalten. - Copyright: Alcemy
Robert Meyer und Leopold Spenner (v.l.) wollen die Produktion von Zement mit ihrer Software klimafreundlicher gestalten. - Copyright: Alcemy

Im August diesen Jahres war ein Sommertag heißer als der andere. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: In den letzten Jahrzehnten wurden zu viele CO2 Emissionen ausgestoßen – und das vor allen Dingen in der Baubranche, denn die verursacht zwei Prozent der gesamten deutschen und acht Prozent der globalen CO2-Emissionen. Die katastrophalen Folgen, die mit der Erderwärmung einhergehen, veranlassten die beiden Gründer Leopold Spenner und Robert Meyer zur Gründung ihres Startups Alcemy.

Ihre Idee: Eine Software, die die Produktion nachhaltigen Zementes und Betons vereinfachen soll. „Je nachhaltiger die Zemente und Betone, desto schwieriger sind diese herzustellen“, erklärt Spenner im Gespräch mit Gründerszene. Der Grund: Beton ist im Endeffekt ein Naturprodukt, bestehend aus zerriebenem Sand und Kalkstein. Die Qualität dieser Rohstoffe variiert – und das beeinflusst die Qualität des Zements und Betons ständig.

Um dem entgegenzuwirken und die Herstellung so einfach wie möglich zu halten, mischen Fabriken häufig sogenannten Zementklinker dazu. Dieser Stoff soll dafür sorgen, dass der Baustoff unter Beimischung von Wasser fest wird. „Die Konsistenz des Betons ist eine superwichtige Qualitätseigenschaft“, so Spenner. Je mehr Zementklinker also, desto fester der Baustoff.

CO2-armer Zement und Beton macht auch mehr Arbeit

Die Kehrseite: Zementklinker ist unglaublich klimaschädlich. Oder genauer gesagt seine Herstellung. Dafür wird Kalkstein und Mergel gemahlen, bei mehr als 1400 Grad gebrannt und zum Schmelzen gebracht. Dabei werden in Deutschland Jahr für Jahr Millionen Tonnen CO2 freigesetzt.

Wer nun also auf den Zementklinker verzichtet, oder zumindest die Menge verringert, der kann viel CO2 einsparen. Er muss allerdings dann auch präzisere Herstellungsprozesse in den Fabriken etablieren – was wiederum teuer und aufwendig ist. Spenner zufolge brauch es dann mehr Mitarbeiter, die mehr Messungen und Tests mit dem Zement durchführen – und am Ende auch die Herstellung minuziös beobachten.

„Wir versuchen, die Arbeitsschritte, die manuell so aufwendig sind, zu automatisieren, indem wir Sensorik und Algorithmik direkt in die Zement- und Betonwerke sowie in den Betonfahrmischern anbringen", so erklärt Spenner das Softwareprogramm seiner Firma. Die Sensoren sollen die Qualität des Baustoffs stets im Blick behalten. Über eine App sollen Zementhersteller all die Daten empfangen, beobachten und steuern können.

Spenner und Meyer gründeten Alcemy im Jahr 2018. Spenner hat einen Großteil seiner Kindheit in den Beton- und Zementwerken seiner Familie verbracht. Später studierte er Wirtschaftsingenieurswesen am Karlsruher Institut für Technologie und war vor seiner Selbständigkeit für die Londoner Firma Founders Pledge tätig, einer gemeinnützigen Organisation, über die erfolgreiche Unternehmer einen Teil ihres Geldes spenden können. Sein Co-Gründer Meyer, Doktorand der Neuroinformatik, war vorher KI-Entwickler bei Flixbus.

Das Startup wirkt auch indirekt am Bau des Berliner Edge East Side Towers mit

Zwei handvoll Zement- und Betonhersteller nutzen die Software des Startups bereits, um ihren Klinkeranteil herunterzufahren: darunter etwa die oberbayerische Rohrdorfer-Gruppe und die Märker-Gruppe aus Harburg. Ganz prominent kam auch noch das Zementwerk Berlin dazu, dass den Baustoff für den Edge-Tower in Berlin herstellt. Dieser soll mit einer Höhe von 140 Metern künftig zu den größten Hochhäusern der Hauptstadt gehören und zu einem Großteil von Amazon genutzt werden. „Der Beton, der da zum Einsatz kommt, hat einen ganz geringen Klinkeranteil“, so Spenner.

Die Preise, die Alcemy für die Software verlangt, variieren je nach Produktionsvolumen. Die Kosten für ein herkömmliches Werk betragen rund 50.000 Euro. Seit der Gründung im Jahr 2018 haben VC-Firmen bereits vier Millionen Euro in das Startup gesteckt, unter ihnen Local Globe und La Famiglia.

Das Ziel der Firma ist es, die eigene Software an noch mehr Zement- und Betonhersteller zu verkaufen – auch im Ausland. Doch dafür benötigen die Gründer einen langen Atem, so Spenner. „Wandel in der Branche erfolgt extrem langsam. Bis sich da etwas Neues durchsetzt, kann es zehn, zwanzig Jahre dauern.“