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So viel Geld kostet die Rettung angeschlagener Gaskonzerne den Steuerzahlern bislang

Die Verstaatlichung des Gaskonzerns Uniper kostet auch den Steuerzahlern viel Geld. - Copyright: picture alliance / Rupert Oberhäuser
Die Verstaatlichung des Gaskonzerns Uniper kostet auch den Steuerzahlern viel Geld. - Copyright: picture alliance / Rupert Oberhäuser

Rund 18 Milliarden Euro hat die Bundesregierung bereits in die Rettung des Gaskonzerns Unipers gesteckt. Der Bund hatte bereits im Juli ein Rettungspaket für Uniper geschnürt, das laut Uniper aber nicht ausreicht. Nun soll weitere Unterstützung in Milliardenhöhe folgen, denn das Düsseldorfer Unternehmen wird verstaatlicht. Ausgelöst durch die Ukraine-Krise liefert Russland kein Gas mehr nach Deutschland – daraufhin geriet Uniper rasch in Schieflage. Der Gas-Großhändler hatte sich stark auf Lieferungen aus Russland ausgerichtet und ist Lieferant für über 100 Stadtwerke und große Unternehmen. Er spielt damit eine zentrale Rolle für die Erdgasversorgung in Deutschland.

Während über Uniper viel berichtet wurde, geriet ein weiterer Gaskonzern in den Hintergrund: Die Securing Energy for Europe GmbH (SEFE), vormals Gazprom Germania GmbH, ist ein Schlüs-selunternehmen für die Gasversorgung in Deutschland. Und auch SEFE erhielt Darlehen, finanziert von der Bundesregierung. Inzwischen kostet die Rettung angeschlagener Gaskonzerne bereits eine enorme Summe – und das wirkt sich auch auf die Steuerzahler aus. Um wie viel Geld geht es wirklich?

So steht es aktuell um den verschuldeten Gaskonzern Uniper

"Uniper spielt eine Schlüsselrolle bei der Sicherung der Energieversorgung mit Strom und Gas für den Winter 2022/2023 und die folgenden Jahre", sagte Finanzchefin Tina Tuomela laut der Deutschen-Presseagentur (dpa) in einer Telefonkonferenz.

Im dritten Quartal hatte sich der Liquiditätsbedarf des Unternehmens nochmal verschärft, da Russland nach zunächst teilweisen Lieferkürzungen seit Anfang September kein Gas mehr nach Deutschland liefert. Während die hohen Gaspreise Uniper vor einem Jahr noch ordentlich Schwung gegeben hatten, sind sie nun das Kernproblem. Das Gas, das es aus Russland nicht mehr bekommt, muss sich das Unternehmen nun teurer auf dem Gasmarkt beschaffen.

Entsprechend hängt Unipers Gesamtjahresergebnis extrem von dem stark schwankenden Gaspreis ab. Wie dieser sich entwickeln wird, dazu will Uniper keine konkreten Annahmen machen. "Es hängt alles vom Wetter ab", sagte Tuomela. Nach dem Rekordhoch Ende August ist der Gaspreis in den zuletzt deutlich gesunken, was bei Uniper dazu geführt hat, dass nahezu keine Verluste durch Ersatzbeschaffungsmengen anfielen. Laut Berechnungen der Analysten vom Bankhaus Metzler entsprechen die gebildeten Rückstellungen einem durchschnittlichen täglichen Verlust von 60 Millionen Euro in den nächsten anderthalb Jahren, also bis zum Ende der Heizperiode des Winters 2023/2024. Im August lagen die Verluste zwischenzeitlich bei mehr als 100 Millionen Euro am Tag.

Die gebildeten Rückstellungen für zukünftige Verluste unterliegen den Angaben des Unternehmens zufolge der Annahme, dass kein weiteres Gas aus Russland kommt. Außerdem wurde ein bestimmter Preis für die Ersatzbeschaffung angelegt, den Uniper aber nicht nannte. Auch eine Gasumlage oder ein ähnliches staatlich eingeführtes Instrument wird nicht angenommen. Sollte der Konzern einen Teil seiner Verluste weitergeben können, könnten sich die Verluste reduzieren.

Wegen der Liquiditätsprobleme hatten sich der Konzern, die deutsche Regierung, und Unipers bisheriger Mehrheitsaktionär Fortum aus Finnland vor einem Monat auf eine Verstaatlichung von Uniper verständigt. Dabei ist unter anderem eine Kapitalerhöhung sowie der Erwerb der Uniper-Anteile von Fortum vorgesehen. Anschließend soll der Bund etwa 98,5 Prozent der Anteile an Uniper besitzen. Die Abstimmung mit der Bundesregierung für das Stabilisierungspaket sei in der finalen Phase, hieß es nun. Die Aktionäre sollen auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in der zweiten Dezember-Hälfte zustimmen.

Zudem müssen die Anteilseigner ebenfalls zum Jahresende vermutlich noch ein zweites Mal zusammen kommen. Da sich Unipers Verluste auch auf das bilanzielle Eigenkapital auswirken, musste der Konzern Ende Oktober den Verlust von mehr als der Hälfte des Grundkapitals anzeigen. Aktienrechtlich zieht dies die Pflicht zur Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung nach sich. Bei der will das Management die Anleger über den Verlust informieren und die Lage der Gesellschaft erläutern.

So viel Geld kostet die Rettung von Uniper

Bis das Stabilisierungspaket ausgestaltet ist, hilft die staatliche KfW-Bank. Bislang hat Uniper 14 von 18 Milliarden Euro der bereit gestellten Kreditlinie in Anspruch genommen, berichtet die dpa. Die vorläufigen Zahlen bestätigte der Konzern. Demnach belief sich der bereinigte operative Verlust vor Zinsen und Steuern auf knapp 4,8 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzernfehlbetrag beträgt 3,2 Milliarden Euro. Die beiden Kennziffern sollen die operative Entwicklung des Konzerns widerspiegeln und sind um Bewertungseffekte bereinigt. Von den 18 Milliarden Euro soll der nunmehr verlängerte Zeitraum bis zur Umsetzung der aktualisierten Gesamtstabilisierung von Uniper durch den Bund bis Ende Dezember 2022 überbrückt werden. Diese sollen im Zuge von Kapitalerhöhungen abgelöst werden.

Doch das ist nicht alles. Zu den Krediten kommen rund 40 Milliarden Euro Schulden, die Uniper zu verzeichnen hat. Somit kommt man auf eine Summe von fast 60 Milliarden Euro.

Uniper ist nicht der einzige Gaskonzern: Diese Kosten verursacht SEPE

Neben Uniper bildet die Securing Energy for Europe GmbH (SEFE), vormals Gazprom Germania GmbH, ein Schlüsselunternehmen für die Gasversorgung in Deutschland. Im Mai dieses Jahres hat RUS Sanktionen gegen die SEFE und nahezu alle ihre Töchter verhängt und auf diese Weise eine finanzielle Schieflage des Unternehmens verursacht. Ein aktuelle Ministeriums-Analyse zeigt auf, dass der Bund hat der SEFE ein KfW-Darlehen in Höhe von 9,8 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt hat. Davon fallen 4,4 Milliarden für die allgemeine Betriebsmittelfinanzierung an, während 5,4 Milliarden die Ersatzbeschaffungsverluste decken sollen.

Ohne das Darlehen drohte die Insolvenz der gesamten Gruppe, was mutmaßlich zu Insolvenzen zahlreicher Stadtwerke und Industriekunden geführt hätte. Im September wurde das KfW-Darlehen um zwei Milliarden Euro erhöht. Diese zusätzlichen Mittel dienen zur Befüllung des Gasspeichers Haidach in Österreich. Ein Antrag des Gaskonzerns auf eine Erhöhung u weitere zwei Milliarden Euro für Ersatzbeschaffungskosten zur Kompensation der weggefallenen Gasumlage befindet sich aktuell in Prüfung. Das KfW-Darlehen hätte damit ein Volumen von insgesamt 13,8 Milliarden Euro.

Zählt man nun die 68 Milliarden Euro für die Rettung Unipers (18 Milliarden Euro durch KfW-Kredite sowie 40 Milliarden Euro Schulden) sowie die 13,8 Milliarden Euro für SEFE zusammen, kommt bereits eine Last von 108 Milliarden Euro zusammen – und diese wirkt sich auch auf Deutschlands Steuerzahler aus.