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So viel Geld hat Rocket Internet im Jahr 2020 verloren

·Lesedauer: 4 Min.
Oliver Samwer hat auch Monate nach dem Rückzug von der Börse noch Ärger mit den Aktionären.
Oliver Samwer hat auch Monate nach dem Rückzug von der Börse noch Ärger mit den Aktionären.

Oliver Samwer hat Rocket Internet vor einem halben Jahr von der Börse genommen. Weil die Firma aber weiterhin als europäische Aktiengesellschaft registriert ist, muss sie auch Hauptversammlungen abhalten. Die fand am vergangenen Freitag statt. Die Prozedur war die gleiche wie in den Jahren zuvor. Nur den Jahresabschluss muss Rocket Internet nun nicht mehr veröffentlichen. Gründerszene hat den Bericht dennoch exklusiv vorliegen.

Demnach hat Rocket 2020 nicht nur viel Geld durch seine Aktienrückkäufe verloren, auch haben die Portfolio-Unternehmen mehr Verluste geschrieben als im Jahr zuvor. Das wirkt sich auf das Ergebnis aus. Der Umsatz lag mit 108 Millionen Euro zwar etwa 60 Prozent über dem Betrag von 2019 – den generiert Rocket Internet vor allem durch Mieteinnahmen, Beratungsleistungen und IT-Support für seine Ventures. Das Ebitda steckte jedoch in den roten Zahlen. Minus 18 Millionen Euro steht dort unter dem Strich, im Jahr zuvor verbuchten die Samwers noch ein Plus von 182 Millionen Euro.

Corona-Krise und Insolvenzen dämpfen das Ebitda

Das komme vor allem daher, dass die Unternehmen, an denen Rocket wesentliche Anteile hält, in Summe ein Minusgeschäft ergeben haben, heißt es im Jahresabschluss. Durch die Corona-Pandmie haben die Startups herbe Verluste eingefahren, die muss Rocket Internet auch in seinem Bericht ausweisen. In den Vorjahren konnte der Investor immerhin einige Hundert Millionen Euro beim Ebitda erlösen. Aufgrund der Krise des US-Kofferherstellers Away musste der Company Builder etwa gut 85 Millionen Euro abschreiben. Auch die Beteiligungen Eatfirst, eine hauseigene Catering-Gruppe, und das Putz-Startup Helpling haben Kapital gefressen.

Am Ende der Bilanz steht dennoch ein Konzerngewinn von 381 Millionen Euro, 33 Prozent mehr als im Vorjahr. Der stammt vor allem aus Finanzerträgen, also Gewinne aus verkauften Beteiligungen oder Zinsen, und die waren laut Geschäftsbericht 2020 besonders hoch.

Das Geschäftsmodell und die Finanzstruktur von Rocket Internet sind komplex, daher haben wir das Verhältnis von Umsatz zu Gewinn noch einmal genauer erklären lassen:

Insgesamt hat Rocket Internet im vergangenen Jahr aber weniger Ventures ausgegründet. Nur acht neue Firmen sind entstanden, alle im Ausland registriert. 2019 waren es noch 23. Da war die Prognose sogar, dass die Zahl leicht zunehmen würde. Ziel verfehlt.

Ein Blick in die Bilanz zeigt auch, dass sich der Inkubator der Samwer-Brüder mehr zur Investmentgesellschaft wandelt. Zum einen müssen sich die Ventures nun selbst um ihre technologische Ausstattung kümmern – der Inkubator stellte vorher allen Startups standardisierte Lösungen wie beispielsweise Shopsysteme zur Verfügung. Andererseits zählen zu den zehn größten Portfolio-Firmen nur noch zwei Ventures: Global Fashion Group und Westwing. Ansonsten hält Rocket unter anderem Anteile im Wert von 331 Millionen Euro an Amazon und im Wert von 92 Millionen Euro an Alibaba. Die Tagespunkte der Aktionärsversammlung zeigen, dass die Firma in den vergangenen Jahren Wandeldarlehen in Milliardenhöhe bereitgestellt hat und in den nächsten Jahren erneut eine Milliarde Euro auslegen will.

https://twitter.com/CWRoehl/status/1408663941773996035

Chef Oliver Samwer wollte laut Tagesordnung bei der Hauptversammlung eigentlich auch einen Beschluss durchbringen, dass er ohne Einwilligung der Gesellschafter Kapital aufnehmen könne. Bei der Hauptversammlung wurde dieser Punkt allerdings wieder gestrichen, wie Gründerszene erfahren hat. Anscheinend befürchtete der Vorstandsvorsitzende eine Niederlage bei der Abstimmung.

Im Cash-Bestand befinden sich allerdings nur noch knapp 400 Millionen Euro. Durch das Aktienrückkaufprogramm haben die Samwers schon allein eine halbe Milliarde Euro aus der Kasse nehmen müssen. Auch, dass der Inkubator 2020 keine Anteile an seinen börsennotierten Ventures verkauft hat, macht sich auf dem Konto bemerkbar.

Aktionäre erkämpfen 4,3 Millionen Euro Dividende

Und nun muss Rocket Internet noch mehr ausgeben, wenn auch nur ein Bruchteil seines Kassenbestandes. Auf der Hauptversammlung haben die Aktionäre vehement für eine Dividendenauszahlung gekämpft, wie Gründerszene erfahren hat. Mehrere der eingereichten 110 Fragen hätten sich demnach um eine Ausschüttung gedreht, ein Gegenantrag gegen die Tagesordnung. Eine Auszahlung an die Aktionäre hat es seit dem IPO nicht mehr gegeben. Nun werden pro Aktie 4 Cent ausgezahlt, macht in Summe 4,3 Millionen Euro. Das freut vor allem die Anleger, die nach dem Delisting nicht ausgestiegen sind und auf ein weitaus höheres Rückkaufangebot warten, als es Oliver Samwer im Herbst noch bezifferte.

Damals speiste er sämtliche Aktionäre mit einem Preis von 18,57 Euro ab, weniger als die Hälfte des Ausgangspreises. Einige Aktionäre hatten eine Anfechtungsklage gegen die Kapitalherabsetzung und damit das Delisting eingereicht, der wurde Ende März aber nicht stattgegeben. Seit dem Rückzug von der Frankfurter Börse wird das Wertpapier an der kleinen Hamburger Börse gehandelt und liegt dort aktuell bei rund 27 Euro. Dort befindet sich die Aktie nicht mehr am regulierten Markt, die Firma hat also weniger Verpflichtungen. Der Handel im Freiverkehr ist weiterhin möglich, aufgrund der geringeren Pflichten scheuen institutionelle Investoren allerdings solche privatrechtlich organisierten Börsen.

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