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So rüsten sich Nivea, Hugo Boss und der FC Bayern für die größte Rabattschlacht der Welt

·Lesedauer: 4 Min.

Amazons Prime Day? Ein Witz. Black Friday und Cyber Monday? Kinkerlitzchen. Der chinesische Singles' Day stellt die amerikanischen Verkaufsevents in den Schatten – auch deutsche Anbieter wollen davon profitieren.

Im Aldi-Shop gibt es zur Feier des Tages Manuka-Honig und Knoppers-Riegel zum Schnäppchenpreis. Der Drogerieanbieter dm verkauft einen Klick weiter „Balea Augenkonzentrat“ zum Sondertarif, darunter ziert das Bild einer deutschen Filiale den Webshop. Und nebenan, auf der Seite von Doppelherz, gibt's reihenweise Vitaminkapseln und -tabletten - garniert mit chinesischen Schriftzeichen und Preisen in Yuan. Doch so unterschiedlich die Onlineshops auch sind, in keinem fehlt derzeit eine Ziffernfolge: 11.11. Es ist das Datum des „Singles' Day“, an dem der chinesische Onlinekonzern Alibaba jedes Jahr sein hauseigenes Verkaufsspektakel auf Internetplattformen wie Tmall zelebriert.

Längst haben sich auch Konkurrenten angeschlossen und locken ebenfalls mit Rabattaktionen. Die Folge: An keinem anderen Tag des Jahres wird im weltweiten E-Commerce mehr Geld umgesetzt. Wobei sich das Event – ähnlich wie die amerikanischen Pendants – inzwischen über mehre Phasen erstreckt. In diesem Jahr hat Alibaba etwa eine Verkaufsperiode vom 1. bis zum 3. November hinzugefügt.

Erst diesen Mittwoch soll aber der Höhepunkt des Einkaufsmarathons beginnen – und auch deutschen Unternehmen Rekordumsätze bescheren. Reihenweise haben Handelskonzerne wie prominente Markenhersteller in den vergangenen Jahren Onlineshops auf Alibabas Tmall-Plattform oder beim Wettbewerber JD.com eingerichtet. Andere nutzen den Singles' Day für ihr Debüt. „Tmall Global wird über 2600 neue Marken aus Übersee einführen“, heißt es bei Alibaba.

Umsatzbeteiligung für Influencer

Schon seit mehreren Jahren ist die Beiersdorf-Tochter Nivea bei Tmall und JD.com präsent. Der „Singles' Day ist das wichtigste chinesische „E-Commerce-Festival“ und damit für uns ein relevantes Ereignis“, teilt der Konzern mit. Über das Umsatzwachstum hinaus biete das Event „die große Chance, unsere Markenbekanntheit in der Region weiter auszubauen“. Dabei kommt der Beauty-Influencerin Li Jiaqi eine entscheidende Rolle zu.

„Rund um den Singles' Day sind Live-Shopping-Events mit so genannten KOL, also ‚Key Opinion Leader‘, die wichtigsten Verkaufstreiber“, erklärt Damian Maib. Er kennt die Besonderheiten des chinesischen Online-Markts. Der Gründer von Genuine German berät von Shanghai aus deutsche Unternehmen, die ihre Produkte auf den gigantischen chinesischen Onlineplattformen verkaufen wollen. Allerdings seien die Kosten für die Netzpromis stark gestiegen. „Neben einer Basisvergütung verlangen die Stars unter den Livestreamern teils bis zu 20 Prozent Umsatzbeteiligung“, sagt Maib.

Dennoch kommen Firmen kaum an den chinesischen Influencern vorbei. So will auch Haushaltswarenhersteller WMF „mit ausgewählten Aktionen und Angeboten am Singles‘ Day teilnehmen, begleitet von gezieltem Influencer-Marketing auf verschiedenen Plattformen“, teilt das Unternehmen mit. Vor allem „Elektrokleingeräte und die in Asien besonders beliebten „Made in Germany“ Produkte, wie beispielsweise Kochgeschirre“ sollen bei WMF in diesem Jahr für Umsatz sorgen. Auch für Wettbewerber Fissler – der setzt dieses Jahr derweil auf Schnellkochtöpfe, um 'das' E-Commerce-Festival in China zu befeuern.

„Das Vertrauen in Produkte ‚made in Germany‘ ist hoch“, sagt auch Experte Maib. „Gesundheits- und Kosmetikartikel, aber auch Lebensmittel können davon profitieren.“ Auch Luxushersteller hoffen auf zusätzliches Geschäft. Der Modekonzern Hugo Boss will beispielsweise „mit speziellen online-fokussierten Aktionen“ beim Singles' Day punkten. Der chinesische Markt gilt schließlich als strategisches Geschäftsfeld und dürfte angesichts der Corona-Auswirkungen für viele Markenartikler in Zukunft noch wichtiger werden.

Während sich die Konsumlaune hierzulande eintrübt und der Handelsverband HDE bereits davor warnt, dass der „Lockdown light“ dem Innenstadthandel das Weihnachtsgeschäft vermiesen dürfte, ist die Shoppingleidenschaft der Chinesen ungebrochen. Die Reisebeschränkungen in diesem Jahr verhinderten zudem direkte Einkäufe chinesischer Verbraucher im Ausland – und könnte die Nachfrage am Singles' Day zusätzlich befeuern. Die Auswirkungen der Pandemie machen den chinesischen Markt für viele deutsche und europäische Marken im Grunde noch attraktiver“, bestätigt Maib. Er vermutet, dass es am 11. November „wieder neue Umsatzrekorde geben“ wird.

Selbst der FC Bayern will das Spektakel für sich nutzen. „Aufgrund der hohen Besucherzahlen während Double 11 erzielen wir eine deutlich größere Reichweite für unsere Produkte als im sonstigen Tagesgeschäft“, heißt es aus München. Die Verkäufe sollen durch die Verlosung signierter Spielerprodukte, durch spezielle Rabatte sowie über 150 eigens für den Singles' Day registrierte Produkte angekurbelt werden. Man erwarte, dass dieses Jahr „sowohl die Verkaufszahlen als auch die Besucherzahlen wieder ansteigen werden“, heißt es beim FC Bayern.

Der Rekordmeister bereitet sich auf Rekordverkäufe vor – zumindest in China.

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