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So kannst du dein Liebesleben nachhaltiger machen, ohne dabei die Lust zu verlieren

·Lesedauer: 6 Min.
Eine Werbung für den Womanizer Eco.
Eine Werbung für den Womanizer Eco.

Mit der Klimakrise hat auch die Nachhaltigkeit Einzug gehalten in unser Alltagsleben. Ein Baumwollbeutel begleitet uns in den Supermarkt, in der Bar um die Ecke trinken wir vegane Cocktails mit Papierstrohhalmen aus recycelten Einmachgläsern, und unsere Kleidung kaufen wir längst Secondhand.

Was wir beim Versuch nachhaltiger zu leben und zu konsumieren oft noch vergessen ist aber das Sexleben. Egal ob ihr Single oder in einer Beziehung seid: Die Lust hat ihren Preis für unsere Umwelt. Doch auch hier gibt es nachhaltige Alternativen.

Klimafreundliche Kondome: Nachhaltiger Latex aus Mischkulturen

Die meisten Kondome bestehen aus Latex. Latex kann synthetisch hergestellt oder aus Kautschukbäumen gewonnen werden. Synthetischer Latex wird aus petrochemischen Rohstoffen, also Erdgas oder Erdöl, hergestellt und ist daher kein wirklich zukunftsweisendes Material.

Naturkautschuk wird aus Gummibäumen, Hevea brasiliensis, gewonnen und ist ein nachwachsender Rohstoff. Hier ist die Art des Anbaus wichtig. Wenn man nachhaltigen Spaß haben will, sollte der Latex der Kondome aus Bäumen aus umweltschonenden Mischkulturen kommen.

Leider wird Naturkautschuk noch häufig in Monokulturen und unter Anwendung von Herbiziden angebaut, was für die Artenvielfalt vor Ort problematisch ist. Mittlerweile gibt es aber eine Vielzahl an Marken, die auf nachhaltig angebauten Naturkautschuk setzen.

Markus Wörner arbeitet bei der Berliner Firma Einhorn, die bei der Herstellung ihrer Kondome auf „Fairstainablity“ (Fairness und Nachhaltigkeit) setzt: „Wir arbeiten mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern zusammen, die ihren Kautschuk in Mischkulturen anbauen, was sowohl ökologisch, soziale als auch ökonomische Vorteile mit sich bringt.“ Das sei aber noch lange nicht die Regel.

Naturkautschuk wird wie hier in Kambodscha oft in Monokulturen angebaut.
Naturkautschuk wird wie hier in Kambodscha oft in Monokulturen angebaut.

Die Firma Ritex, deren Kondome im Discounter erhältlich sind, setzt trotz wirtschaftlicher Einbußen bei ihrer Pro-Nature-Linie ebenfalls auf zertifiziertes Naturkautschuklatex, wie Marketingmangerin Natalie Fiedel erklärt. „Unsere Gewinnspanne ist zwar schlechter, da wir unsere Zusatzkosten nicht 1:1 an die Endverbraucher weitergeben wollen, aber wir betrachten sie dennoch als vertretbar, weil uns das Thema Nachhaltigkeit sehr am Herzen liegt.“ Ziel der Firma sei es, in Zukunft alle Kondome nachhaltig herzustellen – allerdings gebe es momentan noch eine Knappheit des nachhaltigen Rohstoffs.

Ob nachhaltige Kondome verrotten und wie lange das dauert weiß bisher niemand. Markus Wörner von Einhorn ordnet ein: „Es ist nicht gänzlich geklärt, ob Gummi aus Naturkautschuk zu 100 Prozent verrottet. Beispielsweise besteht das Gleitgel an Kondomen oft aus einem Stoff der definitiv nicht verrottet. Wir empfehlen daher auch nicht das Kondom auf den Kompost oder ähnlich zu entsorgen, sondern im Restmüll.“

Umweltfreundlicher Schutz vor Schwangerschaft

Das Kondom ist und bleibt ein Wegwerfprodukt. Eine langlebigere Alternative gibt es aber: das Diaphragma. Auch das besteht aus Latex und zusätzlich aus einem dünnen, biegsamen Metallring. Das Verhütungsmittel ist aber im Gegensatz zu Kondomen bei richtiger Pflege mehrere Jahre wiederverwendbar. Allerdings schützt es im Gegensatz zu Kondomen nicht vor sexuell übertragbaren Krankheiten.

Während hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille nur eine überschaubare Menge Müll produzieren, haben sie andere schädliche Folgen für unsere Umwelt. Menschen, die die Antibabypille einnehmen, scheiden durch den Urin synthetisch hergestelltes Östrogen aus, das durch den Wasserkreislauf in Gewässer und ins Trinkwasser gelangt.

Laut einer Untersuchung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei und der Universität Wroclaw stellen diese Hormonrückstände für Frösche und andere Amphibien bereits eine Bedrohung dar. Denn durch sie kann bei den Tieren eine Geschlechtsumkehr von genetisch männlichen zu weiblichen Tieren auftreten. „Die Verweiblichung von Populationen kann neben anderen schädigenden Hormonwirkungen zum Aussterben von Amphibienarten beitragen“, sagt Studienleiter Matthias Stöck.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass die hormonelle Belastung des Trinkwassers auch bei Menschen zu Entwicklungsproblemen führen könnte – eine ausreichende Studienlage ist hierzu bisher aber nicht vorhanden. Eine weit umweltfreundlichere Verhütungsmethode ist dagegen die Kupferspirale, die einmalig vom Frauenarzt eingesetzt wird und mehrere Jahre vor einer Schwangerschaft schützt – nicht aber vor Geschlechtskrankheiten.

Hersteller von Sextoys werden immer umweltbewusster

Auch Sexspielzeug gibt es aus verschiedenen Materialien, manche nachhaltiger, manche weniger. Dass Plastik nicht umweltschonend ist, wissen wir. Doch wie sieht es mit Silikon aus? Viele Vibratoren, Penisringe und Dildos sind mittlerweile aus diesen synthetischen Polymeren gefertigt. Dafür werden im Gegensatz zu Plastik keine fossilen Rohstoffe benötigt.

Statt aus Erdöl ist Silikon meist aus Silizium, Sauerstoff, Kohlenstoff und Wasserstoff hergestellt. Das Material ist langlebig, da es reißfest ist und auch extremen Temperaturen standhält. Es ist zwar ungiftig, aber durch diese Langlebigkeit schwer biologisch abbaubar. Wenn es fachgerecht entsorgt wird, kann Silikon aber gut recycelt werden.

Wer nachhaltig Spaß haben will, sollte außerdem auf Toys verzichten, die mit Batterien betrieben werden. „Batterien benötigen in der Herstellung 40- bis 500-mal mehr Energie, als sie zur Verfügung stellen“, schreibt das Umweltbundesamt. Batterien enthalten neben Plastik zudem Schwermetalle wie Quecksilber, Blei oder Cadmium, die bei falscher Entsorgung die Umwelt belasten.

„Gelangen sie in Gewässer und reichern sich in Fischen an, können Schwermetalle über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen. Quecksilber und seine Verbindungen sind hochgiftig“, erklärt das Umweltbundesamt. Wenn es also ein Vibrator oder andere elektrische Toys sein sollen, sind Akkus definitiv die bessere Alternative.

Der erste vollständig recycelbare Klitorisstimulator

Johanna Rief ist Head of Sexual Empowerment bei Womanizer.
Johanna Rief ist Head of Sexual Empowerment bei Womanizer.

Die Firma Womanizer hat Ende April 2021 mit dem Womanizer eco den ersten komplett recycelbaren Druckwellen-Vibrator auf den Markt gebracht. Er wird nach der Nutzung in seine Einzelteile zerlegt, die vollständig recycelt werden können.

Der Korpus besteht nicht wie bei anderen Lovetoys aus handelsüblichem ABS Kunststoff, sondern aus Biolene. Johanna Rief, Head of Sexual Empowerment bei Womanizer erklärt: „Das ist ein Bioplastik, das zu 70 Prozent aus natürlichen Ressourcen, hauptsächlich Maisstärke, besteht. Dadurch ist Biolene biologisch abbau- und recycelbar.“ Rief sagte Business Insider, dass die Firma plant, die nachhaltigen Technologien des Womanizer Eco auf das gesamte Sortiment auszuweiten.

Toys aus Holz und Glas sind gut für die Umwelt

Bei allen manuellen Toys wie Dildos lässt sich relativ leicht nachhaltig einkaufen. Mittlerweile gibt es viele Modelle aus umweltfreundlichen Materialien wie Holz, Stein, oder langlebigem Glas, das gut recycelt werden kann.

Dildos aus Glas sind nachhaltiger als Plastik- oder Silikontoys.
Dildos aus Glas sind nachhaltiger als Plastik- oder Silikontoys.

Auch Penisringe gibt es nicht nur aus Silikon, sondern auch aus weit umweltfreundlicherem Holz, Leder oder Metall. Aber Achtung: Diese Modelle sind vor allem für Fortgeschrittene geeignet.

Euer sexuelles Wohlbefinden und eure Gesundheit sollten immer an erster Stelle stehen. Wie in anderen Lebensbereichen auch haben wir aber in unserem Sexleben die Möglichkeit, auf nachhaltige Alternativen zu setzen und bewusst zu konsumieren. Natürlich kommt es darauf an, welche Möglichkeiten uns persönlich zur Verfügung stehen. Ein komplett recycelbares Toy für 189 Euro können sich wahrscheinlich nicht alle leisten – einen Dildo aus Glas für zehn Euro schon eher.

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