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So klappt es mit dem Online-Charisma: Wie ihr aus Interessenten Fans macht

Franziska Telser
·Lesedauer: 6 Min.

Es gibt Menschen, die betreten einen Raum — und sofort ist alle Aufmerksamkeit auf sie gerichtet. Persönlichkeiten mit einer derartigen Strahlkraft, dass wir uns ihnen nur schwer entziehen können. Michelle Obama gilt als so jemand, der verstorbene Apple-Gründer Steve Jobs ebenfalls, oder Lady Di. Ihr Charisma lässt sie herausstechen und macht sie zu schillernden Persönlichkeiten.

Ursprünglich stammt der Begriff Charisma aus dem Griechischen und tauchte zuerst im theologischen Kontext als Gnadengabe in der Bibel auf. Der Soziologe Max Weber brachte das Wort in Verbindung mit Herrschaft — und zwar, wenn ein Anführer mit "außeralltäglichen" Fähigkeiten und einer dementsprechenden Ausstrahlung regiert. Heute beschreiben wir damit Menschen, die wir anziehend, witzig, charmant, intelligent oder interessant finden. Also kurz: Jemanden, der Ausstrahlung hat.

Eine, die sich viel mit Charisma beschäftigt hat, ist Jackie Sharon Tamblyn. Seit mehreren Jahren arbeitet die Sozialpsychologin als Coachin. Zuvor führte sie als Personalleiterin unzählige Bewerbungs- und Mitarbeitergespräche oder schulte Manager darin, richtig zu führen. Sie weiß also, wie wichtig Ausstrahlung ist.

"Charisma ist etwas sehr Abstraktes", sagt sie im Gespräch mit Business Insider. Es lasse sich nur schwer greifen oder beschreiben. Denn Charisma entstehe durch die subjektive Wahrnehmung des Gegenübers. Das heißt, wir können es uns nicht selbst zuschreiben — es wird uns von anderen verliehen. Aber keine Sorge: Das heißt nicht, dass wir unsere Ausstrahlung nicht verändern können.

Charisma kann man lernen

Dass Charisma durchaus erlernbar ist, zeigte unter anderem der Psychologe John Antonakis von der Universität von Lausanne im Jahr 2012. In einer Studie ließ er die Persönlichkeit von 34 Managern beurteilen. Danach arbeitete er mit ihnen an verschiedenen Verhaltensmustern, die viele Menschen als charismatisch empfinden. Nach drei Monaten fiel das Feedback anders aus: Wer das Training erhalten hatte, bekam eine bessere Bewertung in Sachen Charisma.

Nun ist das Internet voll von Regeln und Tricks, wie wir unsere Ausstrahlung perfektionieren können und uns perfekt in Szene setzen. Bauch rein, Brust raus, immer schön Blickkontakt halten. Ratschläge, die wie diese auf Äußerlichkeiten abzielen, helfen uns laut Tamblyn allerdings höchstens auf den ersten Blick dabei, charismatisch zu wirken. Ehrliches Charisma dagegen komme von innen. Von einer positiven Grundhaltung sich selbst, dem Leben und seinen Mitmenschen gegenüber.

Im Kontext der Corona-Pandemie ziehen klassische Tipps, wie Kopf gerade und Arme locker lassen, nun noch weniger. Meetings, Bewerbungsgespräche, Diskussionspanels oder Veranstaltungen zum Netzwerken haben sich ins Digitale verlagert. Der Zoom-Call ersetzt das Zusammenkommen im Konferenzraum — und Clubhouse die Podiumsdiskussion.

Mit einem positiven Mindset allerdings, sagt Tamblyn, ist es auch online keine Schwierigkeit, auf andere Eindruck zu machen und nachzuwirken. "Was Menschen im Grundsatz für andere anziehend macht, ist in erster Linie das eigene Selbstbewusstsein", sagt die Karriereexpertin.

Authentisch bleiben und andere zum Star machen

Und wie bringt man das rüber? Ganz einfach: "Durch Authentizität". Glaube ich mir das, was ich sage, wirklich selbst? Stehe ich hinter dem, was ich von mir preisgebe? Tut jemand nur so, als wäre er oder sie selbstbewusst, oder ist er es wirklich?

Unsere innere Einstellung ist das Grundgerüst unseres Charismas. Wer selbstbewusst ist, strahlt diese Sicherheit auch aus. Charismatische Menschen haben konkrete Werte, sind sich ihrer eigenen Stärken bewusst und glauben auch daran, diese ausspielen zu können. Dabei geht es nicht darum, seine Ellenbogen auszufahren und nur sich selbst zu sehen. Denn die Grenze zu Narzissmus und Selbstdarstellung ist leicht überschritten. Es geht vielmehr darum sich selbst zu reflektieren, zu lieben und auch Schwächen zu akzeptieren.

Wer eine gute innere Einstellung hat, der hört auch zu, macht mal ein Kompliment und gibt so ein bisschen seiner Ausstrahlung ab. "Charisma ist auch die Fähigkeit, andere neben sich gut aussehen zu lassen", sagt Tamblyn. Echte Charismatiker geben anderen das Gefühl, dass ihre Meinung etwas bedeutet, sind empathisch und minimalisieren das Gegenüber nicht. Denn wir fühlen uns nur zu Menschen hingezogen, deren Gesellschaft wir als angenehm empfinden. "Das ist sehr wichtig, wenn man einen Kunden oder Job gewinnen will", so die Karriereexpertin.

Das ist übrigens auch wissenschaftlich belegt. So baten Forscher um den Kommunikationswissenschaftler Kenneth Levine in einer Studie 422 Studierende, Charisma zu definieren. Die Wissenschaftler waren sehr überrascht darüber, dass nur wenige Befragte der Meinung waren, Ausstrahlung sei etwas, das angeboren ist. Die meisten fanden stattdessen, dass Charisma vor allem durch Einfühlungsvermögen, gutes Zuhören, Augenkontakt und Selbstvertrauen transportiert wird.

Positives Mindset transportieren — auch ohne persönlichen Kontakt

Empathisch sein, auf andere offen zugehen, sich für etwas begeistern — das funktioniert auch online, ohne den persönlichen Kontakt zum anderen. Auch wenn ein Teil der Ausstrahlung durch schlechte Internetverbindung oder fehlende Körpersprache manchmal verloren geht, können wir uns — Webcam sei dank — auch in Zeiten des Social Distancing in Szene zu setzen. "Charisma wird überwiegend über das Gesicht transportiert", sagt Tamblyn.

Nutzt also die Tools, die ihr habt. Schmeißt in Meetings eure Webcam an und zeigt Präsenz. Oder ruft mal eure Kollegen an, und fragt kurz nach, wie es dem anderen geht. Wer neu in einem Unternehmen startet, kann sich in einem virtuellen Treffen vorstellen oder die neuen Teammitglieder einfach anchatten, sich vorstellen und zeigen, dass man Lust auf die Zusammenarbeit hat. "Ein freundliches Wort oder ein Kompliment schadet nie", sagt Tamblyn.

Soziale Medien für sich nutzen

Charisma lässt sich sogar in den sozialen Medien generieren. Voraussetzung ist allerdings ebenfalls die positive Grundhaltung zu sich selbst und anderen. Fragt euch, wofür ihr steht und wie ihr dies nach Außen spiegeln könnt. Macht euch dabei bewusst, dass nicht nur euer Partner oder der Freundeskreis eure Inhalte sieht, sondern dass durchaus auch der neue Chef euer Profil besucht.

"Plattformen wie Facebook sind — zumindest im Business-Kontext — kein Tagebuch", sagt Tamblyn. Posts, die Ereignisse oder Aussagen beinhalten, an die wir später nicht mehr erinnert werden wollen oder hinter denen wir nicht stehen, haben auf unserem Profil nichts zu suchen. "Soziale Medien transportieren immer nur einen kleinen Ausschnitt", sagt Tamblyn. Wir sollten also genau darauf achten, was wir vermitteln wollen.

Das heißt allerdings nicht, dass wir nicht meinungsstark auftreten können. Im Gegenteil: Wer ständig beim kleinsten Gegenwind den Kurs wechselt, wirkt alles andere als charismatisch. "Authentisches Business funktioniert nur, wenn man seine Werte deutlich nach außen trägt", sagt Tamblym. "Wer für jeden ist, ist gleichzeitig für keinen". So generiere man keine Fans.

Die Expertin empfiehlt, sich klar zu positionieren und auch mal zu polarisieren, freundlich, aber bestimmt. Auch wenn wir dadurch riskieren, dass nicht jedem gefällt, was wir zu sagen haben. Wir können durchaus auch mit Gegensätzen und Feindbildern arbeiten, um uns abzugrenzen, sagt sie — solange das auf konstruktive Art und Weise geschieht.