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So brachte es Tink in der Nische zu 66 Millionen Umsatz und 700.000 Kunden

Georg Räth
·Lesedauer: 5 Min.
Mit dem Onlineshop Tink investierten Julian Hueck (l.) und Marius Lissautzki sehr früh in Smart Home.
Mit dem Onlineshop Tink investierten Julian Hueck (l.) und Marius Lissautzki sehr früh in Smart Home.

Mit einer Trump-Parodie wollte Tink zum Start auf sich aufmerksam machen. Heute ist Trump-Bashing nichts besonderes mehr, doch Tink versuchte es bereits im Sommer 2016, also Monate, bevor der 45. Präsident der USA gewählt wurde. Nicht nur mit Trump, auch mit seiner Geschäftsidee war das Startup früh dran, Smart-Home-Geräte über das Internet zu verkaufen. Tink setzt auf Produkte, die per Sprache die Heizung kontrollieren oder übers Smartphone das Licht einschalten.

Inzwischen sind die Berliner erfolgreich: 2020 setzte Tink nach eigenen Angaben 66 Millionen Euro um, hat den Break Even erreicht – und bisher 700.000 Kunden. 100 Personen arbeiten für die Firma.

Wie Gründerszene exklusiv erfuhr, konnten die Berliner mit diesen guten Zahlen frisches Geld einsammeln. Angeführt von Cadence Growth Capital (CGC) und gemeinsam mit den Altinvestoren Rocket Internet und dem ProsiebenSat1-Investmentarm Seven Ventures erhielt Tink in der Series D gerade 40 Millionen Euro. CGC ist ein deutscher Investor aus der Nähe von München und hat unter anderem den Firmenhandyvermieter Everphone und den Zahnschienenversender Plusdental im Portfolio. In den Runden zuvor hatte Tink insgesamt 20 Millionen Euro an Kapital aufgenommen.

In der Trump-Parodie zückt der heutige Ex-Präsident die Waffe: „Es gibt nur einen Weg dein Zuhause zu sichern: Get a gun“. Tink hingegen verweist auf eine smarte Überwachungskamera aus dem Onlineshop. (Der Videoclip ist nicht mehr online)
In der Trump-Parodie zückt der heutige Ex-Präsident die Waffe: „Es gibt nur einen Weg dein Zuhause zu sichern: Get a gun“. Tink hingegen verweist auf eine smarte Überwachungskamera aus dem Onlineshop. (Der Videoclip ist nicht mehr online)

Smart Home als neuer Markt: „Ein großes Risiko“

Als CEO Marius Lissautzki und COO Julian Hueck das Unternehmen vor fünf Jahren gründeten, war Smart Home noch eine Nische und auf dem deutschen Markt existierten lediglich Einzellösungen, wie das smarte Thermostat von Tado oder das intelligente Türschloss von Nuki. 2017 gab es laut Statista sechs Millionen Smart-Home-Haushalte in Deutschland. Im laufenden Jahr sollen es etwa zehn Millionen sein. Das Wachstum explodiert nicht, aber es ist konstant. Tink selbst wächst nach eigenen Angaben ebenfalls konstant, über die vergangenen Jahre mit jeweils über 100 Prozent.

„Es war ein unglaublicher Motivator, selber einen neuen Markt zu entwickeln“, sagt Gründer Lissautzki im Gespräch mit Gründerszene. „Wir vermarkten ja keine Schuhe online, wo man weiß, dass jeder Schuhe kauft“ – wohl ein Seitenhieb auf das Milliardenunternehmen Zalando, das zuerst nur Schuhe verkaufte.

Dass das Startup beim Aufbau eines neuen Marktes hätte scheitern können, sieht Lissautzki gelassen. „Ein Startup ist immer auch ein großes Risiko“, so der Gründer. „Wenn man mit einem möglichen Scheitern nicht umgehen kann, dann sollte man nicht gründen.“ Kennengelernt hatten sich die beiden Gründer, als Hueck, damals noch BWL-Student, ein Praktikum bei der Bertelsmann-Firma Arvato absolvierte. Lissautzki war dort Strategiechef. Ein paar Jahre später erzählte er seinem ehemaligen Praktianten dann von der Idee, im Bereich Smart Home zu gründen – so entstand Tink.

Doch wann wird Smart Home nun Mainstream? „Das ist wie Glaskugellesen“, so Gründer Hueck gegenüber Gründerszene. Aber es werde in den nächsten drei bis zehn Jahren passieren. Einen Anschub erhielt das Thema in Deutschland mit der Einführung der Sprachassistenten wie Amazon Alexa oder Google Home in den Jahren 2017 und 2018. Smarte Geräte lassen sich damit per Sprache steuern, vorher war das häufig nur über Smartphone-Apps oder weitere Hardware möglich. Einen weiteren Push gab es 2020 durch Corona. „Die Menschen kümmern sich mehr um ihr Zuhause und sind spürbar offener für die Vorteile und den Nutzen der Digitalisierung geworden“, so Hueck.

Darum bietet Tink seine Produkte so günstig an

Von der Konkurrenz wie Media Markt oder Conrad will sich Tink mit seinem Fokus auf Smart Home sowie seinem Experten-Status abheben, dafür setzen die Berliner verstärkt auf Service und Beratung. Das Unternehmen hat ein eigenes Videostudio, um etwa Installationsvideos für die Smart-Home-Geräte zu produzieren. „Wir wussten, wenn wir uns früh als Experten etablieren, dann gehört uns die Zukunft“, so Hueck.

Daneben fällt der günstige Produktpreis im Onlineshop auf, teilweise mit Rabatten von über 30 Prozent. Diese erreicht Tink, indem die Firma verschiedene Produkte und Marken als eine Gesamtlösung verkauft und die Paketvorteile an die Kunden weitergibt, sagt Hueck. Und diese Produkte im Bundle zu verkaufen ergibt durchaus Sinn, denn wer etwa smarte Lampen kauft, hat auch Interesse an einem Sprachassistenten als Steuerungszentrale für die neue Beleuchtung und weitere Smart-Home-Produkte im Haushalt.

Der Preis komme aber auch dadurch zustande, weil es ein Markt sei, bei dem man zwar in Marketing und Kundengewinnung investieren müsse – bei dem aber auch gleichzeitig gute Kundenbeziehungen aufgebaut würden. „Wenn man einen Haushalt erstmal für das Thema gewonnen hat, dann erweitern die Kunden kontinuierlich ihr System“, so Hueck. Somit rechneten sich die geringeren Margen für Tink über den Kundenlebenszyklus hinweg.

So will Tink schneller wachsen als die Konkurrenz

Um in Zukunft zu wachsen, geht Tink mehrere Wege und nutzt dafür auch die Mittel der jüngsten Finanzierungsrunde. Zum einen will das Startup internationalisieren. Bis 2023 plant Tink, in allen europäischen Kernmärkten präsent zu sein. Seit 2020 ist das Startup in den Niederlanden aktiv.

Weiterhin wollen die Berliner mit neuen Dienstleistungen punkten und Services an Produkte knüpfen. Wer etwa ein smartes Thermostat kauft, kann einen Energievertrag dazu buchen. Wer ein smartes Schloss benötigt, möchte vielleicht auch eine Schlüsseldienstversicherung. Diese Leistungen sollen Kunden in Zukunft direkt über Tink buchen können.

Als dritten Wachstumstreiber sollen neue Produkte hinzukommen, aus den Bereichen Küche, dezentrale Energieerzeugung und E-Mobility.

Neben dem eigenen B2C-Geschäft setzt Tink auf eine White-Label-Lösung für Industriekunden. Im sogenannten B2B2C (Business-to-Business-to-Consumer) arbeitet das Unternehmen bereits mit dem Energieunternehmen Vattenfall und der Versicherungsgruppe Generali zusammen Vattenfall ist seit einigen Jahren auch bei Tink investiert. Mit weiteren Kunden sei man derzeit in Gesprächen, so die Gründer.