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Snowflake nach IPO: Wirklich wertvoller als 90 % der Aktien des S&P 500?

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.

Der Börsengang von Snowflake (WKN: A2QB38) hat hohe Wellen geschlagen. Möglicherweise auch bedingt durch die mediale Berichterstattung des Einstiegs von Warren Buffett beziehungsweise Berkshire Hathaway (WKN: A0YJQ2) ist die Aufmerksamkeit im Vorfeld sehr groß gewesen. Und entsprechend ist auch das Resultat ausgefallen.

Obwohl der Preis beim Börsengang im Vorfeld noch einmal erhöht worden ist, kletterten die Notierungen der neuen Börsen- oder Cloud-Schneeflocke um mehr als 100 % noch am ersten Börsentag. Ein definitiv erfolgreicher Börsengang, über den sich frühe Investoren wie Berkshire Hathaway mit Sicherheit nicht beschweren können.

Das führt jedoch unweigerlich zu einer anderen Fragestellung: Ist der Preis beziehungsweise die Bewertung von Snowflake zu teuer? Und können wir aufgrund dessen Rückschlüsse über die gesamte Verfassung des Aktienmarktes ziehen? Spannend, daher lass uns lieber gleich starten.

Snowflake: Wertvoller als 90 % der S&P-500-Aktien

Wie das US-Nachrichtenportal Barrons nachgerechnet hat, liegt der Börsenwert von Snowflake, trotz teilweise kleinerer Korrekturen nach dem IPO, noch immer bei rund 90 Mrd. US-Dollar. Eine definitiv ambitionierte Bewertung, die zu einer zweiten bemerkenswerten Erkenntnis führt:

Damit ist Snowflake nämlich wertvoller als rund 90 % der Aktien des S&P 500. Oder, anders ausgedrückt: Dieser Börsenfrischling und vergleichsweise kleine Cloud-Dienstleister ist mehr wert als ca. 450 der größten börsennotierten Aktien des US-amerikanischen Leitindex. Na, ob das gerechtfertigt erscheint?

Fest steht jedenfalls auch: Die fundamentale Bewertung von Snowflake ist jetzt vergleichsweise ambitioniert. Für das Gesamtjahr rechnen einige Analysen mit einem Umsatz in einer Spanne zwischen 500 und 550 Mio. US-Dollar. Sprich, das Kurs-Umsatz-Verhältnis beliefe sich selbst im optimistischen Szenario auf ca. 163. Das können wir wohl getrost als sehr, sehr teuer bezeichnen.

Wird Snowflake in seinem Markt weiter wachsen können? Ja, möglicherweise, Cloud-Dienstleistungen sind schließlich alles andere als kein Zukunfts-Erfolgsmodell. Trotzdem sind die Quartalsumsätze, die sich gerade so im dreistelligen Millionenbereich abspielen, alles andere als groß, und Snowflake wird erst zeigen müssen, dass der Wettbewerbsvorteil nachhaltig ist. Sofern überhaupt einer besteht. Ein gefährlicher Bewertungs- und Chance-Risiko-Mix, wenn du mich fragst.

Snowflake: Indikator für Euphorie im Markt?

Insgesamt könnte der IPO von Snowflake ein Indikator auch für etwas anderes sein: Für teilweise blinde und trendgetriebene Euphorie in den globalen Börsen. Ein junges Unternehmen wird mit einer Marktkapitalisierung bewertet, die den Großteil etablierter US-amerikanischer Unternehmen weit hinter sich lässt. Das sieht verdächtig aus.

Tatsächlich wirkt diese Stimmungslage ein wenig so wie zur Zeit des neuen Marktes: Alles, was irgendwie nach Zukunft aussieht oder bloß riecht, wird gekauft und hochgejubelt. Damals kam jedenfalls ein tiefer Fall, der solche Kartenhäuser zum Einstürzen gebracht hat.

Keine Frage: Snowflake muss operativ definitiv kein Kartenhaus sein. Das Geschäftsmodell ist zukunftsträchtig. Allerdings könnte die Bewertung etwas Kartenhausmäßiges haben. Selbst mit einem Umsatzwachstum von zuletzt 130 % pro Jahr dürfte es Jahre bis Jahrzehnte dauern, bis Snowflake in diese ambitionierte Bewertung hineinwächst. Zumal sich ein solches Wachstum erst einmal festigen muss.

Vorsicht … in mehr als einer Hinsicht!

Snowflake könnte daher ein Beispiel dafür sein, dass Investoren jetzt besser vorsichtig sein sollten. Einerseits vor der hoch bewerteten Aktie selbst. Andererseits auch vor insgesamt ambitionierten Tech-Aktien. Sowie zu guter Letzt vor der allgemeinen Verfassung des Marktes, die möglicherweise oder zumindest teilweise von blinder Euphorie getrieben sein könnte. Das muss natürlich nichts heißen und Snowflake muss nicht pars pro toto für den Gesamtmarkt stehen. Etwas Skepsis könnte jedoch angebracht sein.

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Vincent besitzt Aktien von Berkshire Hathaway. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Berkshire Hathaway (B-Aktien) und empfiehlt die folgenden Optionen: Short September 2020 $200 Call auf Berkshire Hathaway (B-Aktien), Long January 2021 $200 Call auf Berkshire Hathaway (B-Aktien) und Short January 2021 $200 Put auf Berkshire Hathaway (B-Aktien). The Motley Fool empfiehlt Snowflake.

Motley Fool Deutschland 2020