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Das von Snoop Dogg unterstützte Fintech Klarna macht erstmals Verlust

Das schwedische Fintech Klarna hat viele Jahre profitabel gearbeitet. Jetzt fressen Investitionen und hohe Kreditausfälle die Umsätze auf.

Profitable Finanz-Start-ups sind bislang eine Ausnahmeerscheinung. Der schwedische Zahlungsdienstleister Klarna galt deshalb bislang als Vorzeigeunternehmen. Im 15. Geschäftsjahr hat die Firma nun erstmals einen Verlust in Höhe von 85 Millionen Euro verbucht. Das geht aus dem Jahresabschluss hervor, den die Firma am Mittwoch veröffentlicht hat. Als Ursache nennt Klarna darin vor allem neue Investitionen, aber auch die Kreditausfälle sind deutlich gestiegen.

Gestartet war Klarna als Anbieter von Rechnungskauf für den Onlinehandel. Seitdem hat es sein Geschäftsmodell stetig erweitert. Die Bezeichnung als Zahlungsdienstleister greift daher eigentlich zu kurz. Im nun veröffentlichten Jahresabschluss bezeichnet Co-Gründer Sebastian Siemiatkowski sein Unternehmen als „Anlaufstelle fürs Einkaufen, Technologieunternehmen, Zahlungsplattform und Bank“. Man arbeite „an der Schnittstelle dieser Branchen“. Genau dies suche der moderne Verbraucher, wirbt er: eine Möglichkeit zum Einkaufen, Bezahlen, Finanzieren und Planen.

Dass sein Angebot bei den Kunden gut ankommt, lässt sich aus dem neuen Zahlenwerk ablesen. Demnach zählt Klarna nun mehr als 85 Millionen Kunden und 200.000 Händlerpartner in 17 Ländern. Die Klarna Gruppe hat 677 Millionen Euro Umsatz gemacht – eine Steigerung um 31 Prozent. Rund 230 Millionen Euro (2018: 170 Millionen Euro) entfielen auf Zinseinnahmen, etwa 440 Millionen Euro wurden mit Provisionen erzielt (2018: 340 Millionen Euro).

Unterm Strich blieb von diesen Einnahmen aber nichts übrig. Im Gegenteil: Verbuchte Klarna 2018 immerhin noch einen Nettogewinn in Höhe von rund zehn Millionen Euro, kam es 2019 zu einem Verlust in Höhe von 85 Millionen Euro.

Dieser Verlust sei geplant gewesen, heißt es in dem Bericht, da Klarna in verschiedene Bereiche stark investiere: insbesondere in seine Marke, in die Entwicklung neuer Produkte, in neue Mitarbeiter und seine Systeminfrastruktur. Klarna will sich in seinen bestehenden Märkten weiter ausdehnen und dabei einen Fokus auf die USA legen. Gleichzeitig expandiere das Unternehmen auch in neue Märkte, wie beispielsweise Australien und Neuseeland.

Bislang ist der deutschsprachige Markt für Klarna von größter Bedeutung. Laut Jahresbericht wurden hier mit 272 Millionen Euro die höchsten Umsätze erzielt. Der Großteil davon entstand in Deutschland, das damit weiterhin wichtiger ist als Klarnas schwedischer Heimatmarkt.

Kreditausfälle steigen rasant

Bemerkenswert auf der Ausgabenseite sind allerdings auch die gestiegenen Kreditausfälle. Lagen diese 2018 noch bei rund 40 Millionen Euro, waren es im vergangenen Jahr rund 120 Millionen Euro. Dies erweckt den Anschein, dass Klarna Probleme bei seinem Risikomanagement hat.

Das Unternehmen selbst begründet die Steigerung allerdings damit, dass mit der Expansion in neue Märkte auch der Anteil von Endverbrauchen gestiegen sei, die Klarna zum ersten Mal nutzen. Dies wirke sich auf die Netto-Kreditverluste aus. Die Expansion in neue Märkte ziehe in der Anfangsphase also höhere Kreditverlustraten nach sich. Die Kreditqualität bleibe in den Kernmärkten aber stabil und verbessere sich in neuen Märkten kontinuierlich. Im Schnitt hätten die Kredite eine Laufzeit von 45 Tagen.

Verbraucher, die mit Klarna bezahlen, können wählen, ob der Rechnungsbetrag sofort von ihrem Konto abgebucht werden soll oder ob sie mit Verzögerung und in Raten bezahlen möchten. Dann kommt ein Ratenkreditvertrag zustande, für den Klarna hohe Gebühren verlangt: Der Zinssatz liegt bei 11,95 Prozent pro Jahr. Hinzu kommt noch ein fixer Zins von 45 Cent pro Monat. So kann der effektive Jahreszins etwa bei einer Finanzierungssumme in Höhe von 500 Euro und einer monatlichen Rückzahlung über ein Jahr bei 14,79 Prozent liegen.

Seit Ende 2018 vergibt Klarna im Rahmen des Programms „Klarna Boost“ auch Kredite in Höhe von bis zu 100.000 Euro an kleine und mittelständische Händler. Seit Frühjahr 2019 gibt Klarna in Deutschland auch Kreditkarten heraus – in Kooperation mit Visa und dank einer 2017 erworbenen Banklizenz. Diese „Klarna Card“ war zuvor nur in Schweden verfügbar. Damit versucht das Unternehmen den Sprung vom Onlinehandel an die Ladenkasse.

Neben eigenen Produktentwicklungen hat Klarna sein Angebot laufend auch durch Zukäufe anderer Unternehmen erweitert. Schon 2014 wurde die Sofort GmbH akquiriert, Anbieter der Sofortüberweisung. 2016 folgte das Team der Zahlungs-App Cookies und 2017 der Rechnungskaufkonkurrent Billpay – alle drei Unternehmen stammen aus Deutschland.

Auch künftig will Firmenchef Siemiatkowski investieren. „Wir müssen Klarna kontinuierlich weiterentwickeln und können nicht zufrieden sein“, sagt er. Die globalen Einzelhandels- und Bankensysteme seien ineffizient und böten Verbrauchern einen schlechten Service. Die Kunden würden daher nach Alternativen suchen – und Klarna finden.

Kritik von Verbraucherschützern

Ein weniger positives Bild zeichnen dagegen Verbraucherschützer. „Zu Klarna erreichen uns relativ viele Beschwerden von Verbrauchern“, sagt Robert Bartel von der Verbraucherzentrale Brandenburg. So bekämen Kunden oftmals keine eindeutigen Informationen, auf welches Konto sie den Rechnungsbetrag überweisen sollen. Das könne dazu führen, dass die Kunden direkt an den Händler überweisen und deshalb von Klarna eine Mahnung und anschließend eine Zahlungsaufforderung von einem Inkassounternehmen bekommen.

Auch bei Retouren scheine die Kommunikation zwischen den Händlern und Klarna nicht immer zu funktionieren. Beschwerden haben es beispielsweise in Zusammenhang mit Händlern wie Wish, real.de, dm.de, asos.de, hoeffner.de, zara.com gegeben.

„Verbraucher haben uns gemeldet, dass sie Waren an den Händler zurückgeschickt haben, aber dennoch eine Mahnung von Klarna erhalten haben, weil sie nicht den vollen Rechnungsbetrag überwiesen haben“, sagt Bartel. Schon im vergangenen Jahr forderten die Verbraucherschützer Nachbesserungen. Die seien bisher aber ausgeblieben. Ein Klarna-Sprecher verweist jedoch auf die Erfahrungsberichte auf der Plattform Trustpilot. Diese hätten sich „im vergangenen Jahr stark verbessert“.

Hoch im Kurs stehen die Schweden allerdings bei Investoren, zu denen etwa der Rapper Snoop Dogg und Visa gehören. Im vergangenen Jahr haben sie 412 Millionen Euro in das Unternehmen gesteckt und es mit fünf Milliarden Euro bewertet. Innerhalb der Fintech-Branche war das ein Rekord. Erst diese Woche ist die britische Banking-Plattform Revolut nach einer Finanzierungsrunde in Höhe von 460 Millionen Euro gleichgezogen.

Zur Frage, für wann ein Börsengang geplant ist, verweist ein Sprecher des Unternehmens auf Siemiatkowskis Aussage aus dem Dezember 2019: „Ein Börsengang ist in den kommenden ein bis zwei Jahren möglich, allerdings wurde darüber noch keine formale Entscheidung getroffen. Es ist eine von mehreren Möglichkeiten für die Zukunft.“ Das der Gründer noch viel vor hat, verrät auch sein Motto: „Gemeinsam werden wir Wunder vollbringen.“