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Skurrile Geschäftsideen mit Erfolg: Mit Glitter seine Feinde ärgern

Ann-Catherin Karg
Freie Journalistin

Wenn man sich anguckt, mit welchen Geschäftsideen manche Menschen zu ihrem Geld gekommen sind, denkt man sich manchmal: „Das hätte mir auch einfallen können.“ Und dann gibt es Ideen, die so abwegig bis absurd erscheinen, dass man darauf keinen Cent verwetten würde. Manchmal zu Unrecht!

Es gibt ja Menschen, die Glitter toll finden. Für die wurde das Unternehmen Ship Your Enemies Glitter aber nicht gegründet. (Bild: Getty Images)

Sie lauern überall und jeder noch so sozialverträgliche Mensch hat zumindest einen: Feinde, deren Definition natürlich ziemlich frei zu verstehen ist.

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Der nervige Typ im Büro, der immer so laut schmatzt, zählt genauso dazu wie die Kollegin, die garantiert immer die Kaffeekanne leer macht oder der Handwerker, der einen abzockt, weil er der einzige ist, der in genau diesem Moment den kaputten Wasserhahn reparieren kann.

Glitzer? Bäh!

Doch was ist in Fällen wie diesen die richtige Reaktion, bei der man Rache und die Wahrung seines Gesichts zusammenbringen kann? Glitter! Das dachte sich zumindest ein 22-jähriger Student namens Mathew Carpenter, der 2015 eine Website namens „Ship Your Enemies Glitter“ online stellte.

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Für zehn Dollar, so die Idee des Australiers, konnten seine Kunden anonym einen Umschlag voller Glitter an all jene verschicken, die ihnen so richtig auf den Geist gingen. Wieso Glitter? Weil es „der Herpes der Handwerkswelt“ sei, wie Carpenter auf seiner Website schrieb.

Ein „schreckliches Produkt“ mit hohem Verkaufswert

Die Idee fanden so viele Leute gelungen, dass Carpenter in nur vier Tagen 20.000 Dollar Umsatz machte. Viel mehr, als er je gedacht hätte und genug, um von Glitter endgültig die Nase voll zu haben. Nachdem er seine Kunden gebeten hatte, sein „schreckliches Produkt“ nicht mehr zu kaufen, verkaufte er sein Geschäftsmodell nach nur zwei Wochen an Peter Boychuk. Ein ebenfalls junger Entrepreneur, der dafür 85.000 Dollar auf den Tisch legte. Viel Geld für den lustigen Australier Carpenter, doch für „Ship Your Enemies Glitter“ ging es damit erst richtig los.

Links: So stellte sich der Gründer die Reaktion des Glitter-Empfängers vor. Rechts: Dieser Bär hört nie wieder auf zu singen. (Bilder: Screenshots / Ship Your Enemies Glitter)

Boychuk baute das Unternehmen aus und erweiterte das Sortiment. Zum normalen Glitter kamen andere Dinge wie Glitter und Fruchtgummis in Penisform, ein Teddybär, der einfach nicht mehr aufhört zu singen oder Scherzkarten für den Muttertag. Boychuk nannte seinen Kauf die beste Investition seines Lebens. Nach nur einem Jahr in seinem Besitz verzeichnete er Umsätze im „hohen sechsstelligen Bereich“.

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Am 18. März 2018 schrieb Mathew Carpenter, der laut Twitter-Profil bis heute „Dinge erfindet, die niemand braucht“, bei Twitter über Boychuk: „Peter hat Ship Your Enemies Glitter 2015 in seinen Zwanzigern gekauft und etwas Lächerliches in einen internationalen Erfolg verwandelt.“ Dazu schrieb er: „RIP“. Boychuk war einen Monat zuvor gestorben.