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„Sinnlos“: Ex-Fed-Mitarbeiter Potter lehnt weltweiten Zentralbank-Coin ab

David Barkhausen

Schenkt man manch einem Volkswirt Glauben, so sind die Tage des US-Dollars als weltweite Leitwährung gezählt. In Zeiten des Handelskriegs zwischen den USA und China ist für viele der künftige Spitzenreiter bereits ausgemacht: der chinesische Renminbi. Von politischer Warte graut es dem Westen einerseits vor der weiteren wirtschaftlichen Expansion der Volksrepublik. Anderseits ist manch einer die Dominanz des US-Dollars satt und sucht nach Alternativen. Einem global unabhängigen Stable Coin, wie ihn der britische Zentralbankchef Mark Carney zuletzt ins Spiel brachte, erteilt der ehemalige Mitarbeiter der US-Notenbank Federal Reserve (Fed), Simon Potter, in dieser Woche eine Absage.

Im Gespräch mit den kanadischen Wirtschaftsnachrichten BNN Bloomberg unterstreicht der ehemalige New Yorker Zentralbanker die Haltung vieler Amerikaner. Seiner Meinung nach ist der Greenback in seinen Vorzügen gegenüber sämtlicher Konkurrenz unangetastet.

Es ergibt keinerlei Sinn, etwas so Kompliziertes [wie eine Digitalwährung] einzurichten, solange es in den USA große, liquide Kapitalmärkte gibt. Wenn man nicht eine einzelne Währung besitzt, mit der man die Preise von Dingen festsetzen kann und für die es zugleich einen tiefen Markt gibt, erschwert dies das Leben der Weltwirtschaft erheblich,

wirbt er für den US-Dollar, dessen Dominanz in der Wirtschaft nach wie vor ungebrochen ist. Seit dem zweiten Weltkrieg halten die meisten Zentralbanken große Teile ihrer Devisen-Reserve in US-Dollar. Im Welthandel wiederum werden derzeit rund 60 Prozent aller Transaktionen in US-Dollar abgewickelt. Viele Währungen werden überhaupt nur gegen den US-Dollar gehandelt.

Potter: Große Hürden für Zentralbank-Coin

Was der US-Wirtschaft günstiges Geld beschert, schafft jedoch auch wirtschaftliche Abhängigkeiten, warnen kritische Stimmen seit Jahren. Für viele, wie den Bank-of-England-Chef Carney hat der US-Dollar ausgedient.

Die von ihm vorgeschlagene Lösung einer unabhängigen digitalen Leitwährung hält Simon Potter jedoch für wenig realistisch. Hier lägen zu große Koordinationsprobleme zwischen den nationalen Geldhäusern vor, gibt er zu bedenken. Der Privatsektor wiederum hätte diese Schwierigkeiten oft nicht.

Zentralbanken sollten sich große Sorgen darüber machen, dass der Privatsektor [Währungen herausgibt]. Die Kontrolle einer Nation über ihre Währung zielt darauf ab, die Menschen zu schützen und gute [wirtschaftliche] Ergebnisse zu erzielen. Der Privatsektor ist vielmehr am Verkauf von Produkten interessiert,

warnt er im Interview davor, das staatliche Geldmonopol aus der Hand zu geben und Konzernen das Feld zu überlassen.

Diskussion zu Libra hält an

Im Zuge derzeit weiter schwelenden politischen Debatte um Facebooks umstrittenes Währungsprojekt hatte sich Carney wiederum bereits im Juli als Querdenker präsentiert. Als einer der wenigen Fürsprecher hatte er Libra als mögliche Lösung für zahlreiche Probleme im Banken- und Finanzsektor in positives Licht gestellt. So könnte der Stable Coin seiner Ansicht nach eine mögliche Antwort auf teure und langsame Transaktionen bereit halten. Gleichzeitig jedoch hatte auch Carney auf die hohen regulatorischen Hürden hingewiesen, die es für Libra zu bezwingen gelte.

Der derzeitige Fed-Chef Jerome Powell wiederum hatte sich zuvor alarmiert gezeigt. Zwar könne Facebooks Währungsprojekt zahlreiche Vorteile mit sich bringen, letztlich sehe er in Libra jedoch eine Gefahr für die globale Finanzstabilität.

 

Source: BTC-ECHO

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