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Siemens zieht sich wegen Ukraine-Kriegs aus Russland zurück

Logo von Siemens (AFP/Christof STACHE) (Christof STACHE)

Nach rund 170 Jahren stellt der Industriekonzern Siemens wegen des Ukraine-Kriegs sein Geschäft in Russland ein. "Wir verurteilen den Krieg in der Ukraine und haben beschlossen, unsere industriellen Geschäftsaktivitäten in Russland in einem geordneten Prozess zu beenden", erklärte Konzernchef Roland Busch am Donnerstag. Der Krieg und die Sanktionen gegen Russland belasteten im abgelaufenen Quartal das Ergebnis des Konzerns deutlich.

Im Quartal von Januar bis März, dem zweiten Geschäftsquartal des Konzerns, sank der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 49 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Hier wirkten sich vor allem die Wirtschaftssanktionen gegen Russland auf das Geschäft und die Zahlen aus. Die Belastungen betrugen laut Siemens 600 Millionen Euro, besonders schwer getroffen war die Mobilitätssparte des Industriekonzerns - insbesondere das Bahnservice- und Instandhaltungsgeschäft.

Schon nach Kriegsbeginn hatte Siemens alle neuen Geschäfte und Lieferungen nach Russland und Belarus ausgesetzt. Nun seien für den Rückzug vom russischen Markt bereits entsprechende Verfahren eingeleitet worden, um den Industriebetrieb "und alle industriellen Geschäftsaktivitäten" einzustellen.

"Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen", erklärte Busch. "Denn wir haben eine Fürsorgepflicht gegenüber unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und langjährige Kundenbeziehungen in einem Markt, in dem wir seit rund 170 Jahren tätig sind." Siemens prüfe derzeit die Folgen für die Belegschaft und werde sie weiterhin "nach besten Kräften" unterstützen.

"Gleichzeitig leisten wir humanitäre Hilfe für unsere Kolleginnen und Kollegen in der Ukraine, sowie für das ukrainische Volk und rufen gemeinsam mit der internationalen Gemeinschaft zum Frieden auf", erklärte Busch weiter.

Der Umsatz des Konzerns wuchs im abgelaufenen Quartal um 16 Prozent auf 17 Milliarden Euro. Die "kontinuierliche Bewältigung der Herausforderungen in der Lieferkette" lasse Siemens insgesamt "zuversichtlich in die zweite Hälfte des Geschäftsjahres blicken", erklärte Finanzvorstand Ralf Thomas und bekräftigte die Ziele des Konzerns. Siemens rechnet mit einer Umsatzsteigerung zwischen sechs und acht Prozent.

Die Aktie des Konzerns gab nach Bekanntgabe der Quartalszahlen und des Rückzugs aus Russland allerdings deutlich nach. Sie verlor am Donnerstag zeitweilig mehr als fünf Prozent.

jm/hcy

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