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Siemens bringt seine Energiesparte an die Börse

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Börse in Frankfurt am Main
Börse in Frankfurt am Main

Siemens hat seine Tochter Siemens Energy an die Börse gebracht. Die Aktie des eigenständigen Energiekonzerns notierte am Montagmittag an der Börse in Frankfurt am Main leicht über dem Eröffnungskurs bei etwa 22,30 Euro. Damit war Siemens Energy an der Börse rund 16 Milliarden Euro wert. Während sich Siemens zufrieden zeigte, kritisierten Umweltschützer ein Festhalten von Siemens Energy an fossilen Brennstoffen.

Das Unternehmen starte als "unabhängiger und agiler Energie-Champion" an der Börse, "mit einer starken Marke und der Ingenieurs-DNA von Siemens", erklärte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas, der auch im Aufsichtsrat von Siemens Energy sitzt. Gegenüber der Nachrichtenagentur AFP sagte Thomas: "In zwei bis drei Wochen werden wir sehen, wie sich der Kurs stabilisiert." Er erwartete im Dezember "den ersten fairen Bewertungsmaßstab" für Siemens Energy an der Börse.

Siemens-Chef Joe Kaeser erklärte in München, mit dem Börsendebüt schließe sein Konzern einen "wesentlichen Meilenstein der strukturellen Neuausrichtung von Siemens erfolgreich ab". Der Münchner Industriekonzern hatte bereits 2018 seine auf Medizintechnik spezialisierte Tochter Healthineers an die Börse gebracht.

Mit nun drei "leistungsfähigen, fokussierten und selbständigen Unternehmen" sei Siemens hervorragend für die Zukunft aufgestellt, erklärte Kaeser weiter. "Die eigenständigen Börsennotierungen werden die Wertschaffungspotenziale der jeweiligen Geschäfte deutlich besser als im Konglomerat erschließen können." Laut Siemens sollen die Einzelunternehmen "in einem Ökosystem gleicher Interessenslagen" spezialisierter und profitabler wirtschaften können als unter einem einheitlichen Konzern-Dach.

Für den Börsengang am Montag hatte Siemens sein Energiegeschäft in das neu gegründete Unternehmen Siemens Energy ausgelagert. 55 Prozent der Anteile gingen nach Konzernangaben an die Siemens-Aktionäre über; 9,9 Prozent an einen Siemens-Pensionsfonds. 

Die restlichen 35,1 Prozent hält Siemens vorerst selbst. Dieser Anteil soll in den kommenden zwölf bis 18 Monaten "nachhaltig und signifikant" reduziert werden, wie Thomas sagte - allerdings wohl nicht auf unter ein Viertel der Aktien. "Wir möchten die Siemens Energy im ruhigen Wasser begleiten", kündigte Thomas an.

Die Aktie von Siemens Energy war zum Handelsstart am Montag für einen Tag der 31. Titel im Deutschen Aktienindex (Dax). Nach elektronischem Handelsschluss am Abend wird die Aktie des Energieunternehmens wieder aus dem Leitindex genommen und das Gewicht der Siemens AG-Aktie entsprechend angepasst.

Siemens Energy beschäftigt nach eigenen Angaben 91.000 Mitarbeiter weltweit und ist "entlang der nahezu gesamten Energiewertschöpfungskette" vom Kraftwerksgeschäft bis zum Bau von Netzen aktiv. Das Unternehmen baut unter anderem Gas-, Dampf- und Windturbinen sowie ganze Kraftwerke für seine Auftraggeber.

Die Umweltorganisation Urgewald kritisierte am Montag, dass Siemens Energy vorerst weiterhin auf fossile Energieträger setzt. Das Unternehmen kenne die Gefahr für seine eigene Reputation und die seiner Investoren, "zieht aber kaum Konsequenzen daraus". Unter anderem sei Siemens Energy an einem neuen israelischen Gaskraftwerk und einem Kohlekraftwerk in Indonesien beteiligt. 

"Es ist höchste Zeit, intern zu klären, wie der Konzern so schnell wie möglich aus Fossilen aussteigen kann", forderte Urgewald-Energieexpertin Regine Richter. "Nur so lässt sich die von Siemens Energy viel zitierte Dekarbonisierung tatsächlich erreichen."

dwo/muk