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Sieben Punkte, die für Anleger heute wichtig sind

Der Dax dürfte nach dem „schwarzen Montag“ auf Erholungskurs gehen. Die Nervosität an den Finanzmärkten bleibt nach den massiven Kursverlusten hoch.

Das Coronavirus bremst die Börsen weiterhin aus. Foto: dpa

Dieser „schwarze Montag“ im März 2020 wird in die Börsengeschichte als einer der schlimmsten Handelstage eingehen und die Stimmung in der gesamten Handelswoche prägen. Zu Wochenbeginn schloss der Dax in Frankfurt bei 10.626 Punkten und damit 7,94 Prozent im Minus. An der Wall Street wurde nach massiven Startverlusten sogar eine Handelsunterbrechung ausgelöst. Während der deutsche Leitindex erstmals seit einem Jahr wieder unter 11.000 Punkten notiert, erlebten die US-Börsen den höchsten Prozentverlust seit 2008.

Die Gründe für den Absturz dürften die Märkte auch am Dienstag dominieren. Einerseits verkaufen Anleger aus Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie massiv Aktien. Zum anderen belastet der stark einbrechende Ölpreis. Am Montag fiel das Barrel der Sorte Brent in der Spitze um mehr als 30 Prozent – seit Jahresbeginn hat sich der Ölpreis damit etwa halbiert. Während ein Fördermengenstreit zwischen Saudi-Arabien und Russland eskaliert ist und die Araber den Markt sprichwörtlich fluten, sinkt die Ölnachfrage aktuell merklich.

Wie sehr die weiteren Börsenereignisse ins Gewicht fallen, wird sich im Handelsverlauf am Dienstag zeigen müssen. Impulse gibt es von gleich zwei konjunkturabhängigen Unternehmen: Die Deutsche Post legt vollständige Jahreszahlen vor, ebenso Autozulieferer Schaeffler. Bei beiden dürfte wohl der kurzfristige Ausblick aufgrund von Corona-Belastungen spannend sein.

Vorbörslich zeigt sich der Dax fester. Im frühen Handel notierte das Börsenbarometer 2,5 Prozent höher bei knapp unter 10.900 Punkten.

1 – Vorgaben aus den USA

An der Wall Street hat die Panik an den weltweiten Finanzmärkten zu einem dramatischen Kurssturz geführt. Aus Angst vor einem Einbruch der Weltwirtschaft infolge der Coronavirus-Krise trennten sich die Anleger massenweise von ihren Aktien. Für zusätzliche Verunsicherung sorgte der Ölpreiskrieg zwischen Saudi-Arabien und Russland, der an den Rohölmärkten den größten Ausverkauf seit Jahrzehnten auslöste.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Montag 2013 Zähler oder 7,8 Prozent tiefer auf 23.851 Punkten. Der breiter gefasste S & P 500 rutschte 7,6 Prozent ab auf 2746 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel 7,3 Prozent in den Keller auf 7950 Stellen. Damit büßte die Wall Street so stark ein wie seit Dezember 2008 nicht mehr. Damals befand sich die internationale Finanzkrise auf ihrem Höhepunkt. Zum Start war der Dow um den Rekordwert von 2000 Punkten abgestürzt. Der Handel an den US-Aktienmärkten wurde kurz danach automatisch kurzzeitig ausgesetzt.

2 – Handel in Asien

Die Börse in Tokio hat sich am Dienstag nach den schweren Verlusten des Vortages erholt. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 1,1 Prozent höher bei 19.922 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index legte 1,1 Prozent auf 1404 Punkte zu. Die Börse in Shanghai lag 1,7 Prozent im Minus.

Im asiatischen Devisenhandel gewann der Dollar 2,3 Prozent auf 104,81 Yen und lag bei 6,9331 Yuan. Zur Schweizer Währung notierte er 1,2 Prozent höher bei 0,9364 Franken. Parallel dazu fiel der Euro um 0,9 Prozent auf 1,1353 Dollar und zog um 0,5 Prozent auf 1,0637 Franken an. Die Erholung des Dollar-Kurses kommt vor allem den japanischen Exportfirmen zugute, die ihre Waren damit billiger im Ausland verkaufen können.

3 – Weitere Entwicklungen in der Coronakrise

Schon zum Wochenauftakt haben die Auswirkungen des Virus auf Unternehmensergebnisse und Konjunkturprognosen den Märkten zugesetzt. Die Aktien von Deutsche Bank und Commerzbank fielen auf Rekordtiefs. Noch vor kurzem waren die Papiere die großen Gewinner an den Märkten. Der Kurseinbruch am Montag aber zeigt, wie sehr Anleger die Corona-Folgen für Geldinstitute fürchten. Währenddessen wurde bekannt, dass Italien nun Sperrmaßnahmen und Reisebeschränkungen für das ganze Land verhängt. In Deutschland wird von Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen abgeraten. Die Angst vor den Nachwirkungen dürfte erst einmal nicht kleiner werden.

4 – Deutsche Post präsentiert Jahreszahlen.

Was wird aus der Prognose für das laufende Geschäftsjahr, das ursprünglich einen Betriebsgewinn von fünf Milliarden Euro bringen sollte? Schon am Freitag vor einer Woche hatte Post-Chef Frank Appel angesichts der Coronakrise ein Fragezeichen hinter sein zuvor verkündetes Ziel gesetzt, am heutigen Dienstag könnte er es endgültig kassieren.

Einige Daten gab der Konzern schon bekannt, als er Ende Februar den Produktions-Stopp des eigenen Elektrotransporters Streetscooter ankündigte: So wuchs der Umsatz 2019 leicht auf 63,3 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis im vergangenen Jahr lag bei 4,13 Milliarden Euro und damit innerhalb der eigenen Erwartungen.

5 – Schaeffler zieht Bilanz

Der Autozulieferer legt heute die Zahlen für das abgelaufene Jahr vor. Wie die Konkurrenz steht das Familienunternehmen derzeit unter anderem wegen der Branchenkrise auf dem wichtigen chinesischen Markt unter Druck. Im vergangenen Sommer musste Schaeffler die Erwartungen nach unten korrigieren. Zuletzt rechnete der Konzern für 2019 nur noch mit stagnierenden Umsätzen und einer um Sondereffekte bereinigten operativen Umsatzrendite von sieben bis acht Prozent.

6 – Uniper öffnet seine Bücher

Der Stromproduzent legt heute den Jahresbericht für 2019 vor. Vorstandschef Andreas Schierenbeck, der im vergangenen Juni sein Amt angetreten hat, wird die Gelegenheit nutzen, um die neue Strategie von Uniper zu erläutern. Er wird aber auch die Inbetriebnahme des umstrittenen Kohlekraftwerks Datteln 4 rechtfertigen und muss erklären, wie sich Uniper mit dem Großaktionär Fortum arrangieren will. Die Finnen stehen kurz davor, die Mehrheit am deutschen Stromproduzenten zu übernehmen.

7 – EU-Kommission stellt neue Industriestrategie vor

Mit einer neuen Industriestrategie will die EU-Kommission die Wende zu einer klimafreundlicheren und digitalisierten Wirtschaft in Europa anschieben. Ihre Pläne präsentiert die Brüsseler Behörde am Dienstagnachmittag (15.30 Uhr). Dazu gehört auch ein Konzept zur Förderung des Mittelstands unter anderem durch den Abbau von Bürokratie sowie zur Reduzierung von Hürden im europäischen Binnenmarkt.

Um die Industriestrategie hatten die zuständige Kommissionsvizepräsidentin Margrethe Vestager und Binnenmarktkommissar Thierry Breton zuletzt hart gerungen. Dabei ging es um mögliche Änderungen an Wettbewerbsregeln, um Industrieunternehmen von Weltrang zuzulassen, sogenannte „Champions“.

Termine Unternehmen am 10. März

  • 07:00 Uhr, Deutschland: Deutsche Post, Jahreszahlen + 10.30 Bilanz-Pk
  • 07:00 Uhr, Deutschland: Klöckner & Co, Jahreszahlen + 11.00 Bilanz-Pk
  • 07:00 Uhr, Deutschland: Symrise, Jahreszahlen + 10.00 Bilanz-Pk
  • 07:00 Uhr, Schweiz: Flughafen Zürich, Jahreszahlen
  • 07:30 Uhr, Deutschland: Uniper, Jahreszahlen
  • 08:00 Uhr, Großbritannien: Standard Life, Jahreszahlen
  • 10:00 Uhr, Deutschland: Jahres-Pk der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken, München
  • 11:00 Uhr, Deutschland: DMG Mori, Bilanz-Pk
  • Ohne Zeitangabe, Deutschland: Schaeffler, Jahreszahlen + 10.00 h Bilanz-Pk
  • Ohne Zeitangabe, Italien: Mediaset, Jahreszahlen
  • Ohne Zeitangabe, Italien: Telecom Italia, Jahreszahlen, Rom

Termine Konjunktur am 10. März

  • 02:30 Uhr, China: Erzeugerpreise 02/20
  • 02:30 Uhr, China: Verbraucherpreise 02/20
  • 08:00 Uhr, Deutschland: Arbeitskosten Q4/19
  • 08:45 Uhr, Frankreich: Industrieproduktion 01/20
  • 10:00 Uhr, Italien: Industrieproduktion 01/20
  • 11:00 Uhr, Eurozone: Beschäftigung Q4/20 (endgültig)
  • 11:00 Uhr, Eurozone: BIP Q4/20 (endgültig)
  • 11:00 Uhr, Eurozone: Konsumausgaben Q4/20
  • 11:00 Uhr, Eurozone: Staatsausgaben Q4/20

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