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Das sind die sieben größten Fehler beim Black-Friday-Shopping

An employee puts up a toys display ahead of Black Friday at a Walmart store in Chicago, Illinois, U.S. November 27, 2019. REUTERS/Kamil Krzaczynski

Beim größten Shopping-Event im deutschen Onlinehandel gibt es viele Schnäppchen. Doch wer sich schlecht vorbereitet, kann böse Überraschungen erleben.

Der aus den USA importierte Black Friday ist bereits der umsatzstärkste Tag im deutschen Onlinehandel. Dabei hat sich der Tag als Verkaufsevent erst seit wenigen Jahren in Deutschland etabliert.

Wurden im vergangenen Jahr an diesem Tag bereits 2,4 Milliarden Euro umgesetzt, soll der Umsatz in diesem Jahr nach Schätzung des Handelsverbands HDE auf 3,1 Milliarden Euro steigen.

Traditionell fällt der Tag auf den Freitag nach dem amerikanischen Feiertag Thanksgiving. Das ist in diesem Jahr der 29. November. Fast alle großen Händler und Markenhersteller locken an diesem Tag mit Nachlässen.

Doch erste große Händler wie Amazon warten längst nicht mehr so lange und geben deutlich früher den Startschuss für die Rabattschlacht.

Viele Firmen locken in dieser Phase mit reduzierten Preisen. Es gibt aber einige typische Fehler, die die Schnäppchenjagd für Verbraucher zum Reinfall machen können.

1. Erst am Starttag nach Schnäppchen suchen

Je mehr Händler und Hersteller am Shopping-Event teilnehmen, desto unübersichtlicher wird das Angebot am Black Friday. Deshalb werfen viele Verkäufer ihre Angebote oft schon Tage vorher auf den Markt. Amazon beispielsweise startet schon am 22. November seine Black-Friday-Woche und bringt täglich wechselnde Angebote des Tages.

Auch Media Markt, der unter dem Label „Red Friday“ um Kunden buhlt, hat das Event auf drei Tage ausgedehnt. So sind viele Angebote bereits am Donnerstag für Mitglieder des Media-Markt-Clubs verfügbar.

Doch auch viele andere Händler nutzen die Woche vor dem Black Friday, um mit Angeboten Kunden zu locken, die häufig gar nicht mal explizit als Black-Friday-Deals gekennzeichnet sind. Sie setzen darauf, dass in dieser Woche die Kunden besonders aufmerksam das Angebot studieren und deshalb für Rabatte empfänglich sind.

2. An Mondpreis-Rabatten orientieren

Um in der Masse der Angebote aufzufallen, überbieten sich die Verkäufer gerne mit hohen Rabatten, die Kunden in ihre Webshops locken sollen. Doch häufig sind diese Angebote gar nicht so attraktiv, wie sie auf den ersten Blick wirken.

Tatsächlich lag die durchschnittliche Ersparnis bei Black-Friday-Deals in den vergangenen fünf Jahren nur bei 38,9 Prozent, wie die Schnäppchenplattform mydealz ermittelt hat. Die Preissuchmaschine Idealo kam bei den 50 nachfragestärksten Kategorien am Black Friday sogar nur auf eine durchschnittliche Preisersparnis von sechs Prozent.

„Rabatte von mehr als 50 Prozent sind selten realistisch, die beziehen sich dann meist auf Fantasiepreise“, erklärt Rainer Münch, Handelsexperte und Partner der Strategieberatung Oliver Wyman. Ein beliebter Trick ist es, die Rabatte auf die ursprüngliche unverbindliche Preisempfehlung zu berechnen, die aber längst nicht mehr dem aktuellen Marktpreis entspricht.

Manche Händler setzen auch zunächst überhöhte Mondpreise an, auf die sie dann scheinbare Nachlässe gewähren.

Verbraucher können dem am besten begegnen, indem sie rechtzeitig vor dem Black Friday eine Einkaufsliste mit ihren Wunschprodukten machen. Für diese Artikel starten sie dann eine Recherche über mindestens zwei verschiedene Preissuchmaschinen. Erst dann können sie zuverlässig einschätzen, ob ein angebotener Rabatt auch tatsächlich ein Schnäppchen ist.

3. Zu hohe Erwartungen haben

Vor Jahren warb Amazon für den Black Friday mit Rabatten von bis zu 90 Prozent. Doch der Wettbewerb ist bei den meisten Produktkategorien mittlerweile so groß, dass sich die meisten Händler sich starke Rabatte gar nicht mehr leisten können. Das haben viele Kunden verstanden.

„Die Verbraucher sind reifer geworden und haben eine bessere Einschätzung, was sie am Black Friday erwarten können“, beobachtet Handelsexperte Münch. Ab einer gewissen Höhe werde ein Preisvorteil aus Sicht des Kunden unglaubwürdig.

Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage von Oliver Wyman. Darin gaben nur noch 33 Prozent der Befragten an, dass sie erst ab einer Rabatthöhe von 50 Prozent oder mehr zuschlagen wollen. Im vergangenen Jahr hatte dieser Wert noch bei 49 Prozent gelegen.

4. Unflexibel bei Händler und Produkt sein

Amazon hat den Black Friday im deutschen E-Commerce populär gemacht. Und viele Konsumenten haben sich auch außerhalb dieses Events angewöhnt, bei Produktsuchen keine Suchmaschine wie Google mehr zu nutzen, sondern gleich die Suchmaske auf der Amazon-Plattform. Doch damit können sie sehr viele günstige Angebote übersehen. Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass Amazon keinesfalls immer den günstigsten Preis bietet.

Um einen Überblick über Angebote auf vielen verschiedenen Webshops zu bekommen, helfen Preissuchmaschinen oder auch Schnäppchenplattformen, die selbst keine Produkte verkaufen, sondern nur zu Verkäufern weiterleiten und dafür Provisionen einstecken. Wer schon weiß, welche Marken ihn interessieren, sollte vorher Newsletter der Hersteller abonnieren.

Dort bekommt er häufig Gutscheine und zuweilen Zugang zu exklusiven Aktionen für Bestandskunden. Häufig sei es zudem sinnvoll, auch nach Alternativen zu den Marktführern zu schauen, rät Handelsexperte Münch. „Denn diese Marken sind eher bereit, Rabatte zu gewähren, weil sie Marktanteile gewinnen wollen.“ Marktführer tendierten dagegen eher dazu, ihre Marke zu beschützen und deshalb die Preise stabil zu halten.

Manchmal geben sogar kleine Ausstattungsvarianten den Ausschlag. So war nach Berechnungen der Preissuchmaschine Idealo im vergangenen Jahr das Samsung Galaxy S8 in „Midnight Black“ am Black Friday nur um zehn Euro (drei Prozent) reduziert, das baugleiche Modell in „Arctic Silver“ hingegen um 32 Euro (acht Prozent).

5. Sich unter Zeitdruck setzen lassen

Viele Anbieter versuchen, Konsumenten unter zeitlichen Stress zu setzen, um eine Kaufentscheidung zu erzwingen. Amazon beispielsweise nimmt am Black Friday selbst alle fünf Minuten ein Blitzangebot auf die Plattform, das dann maximal sechs Stunden verfügbar ist. Auch andere Händler arbeiten mit Countdowns und zeitlich begrenzten Angeboten.

Für Kunden besteht dabei die Gefahr, dass sie das Angebot nicht ausreichend prüfen oder sich zum Kauf eines Produktes hinreißen lassen. Auch wird unter Zeitdruck häufig nicht geprüft, ob das Produkt nicht doch woanders billiger ist.

„Unser wichtigster Rat an Verbraucher lautet: Trefft keine übereilten Entscheidungen und bewahrt einen kühlen Kopf“, sagt Philipp Peitsch, Geschäftsführer von Idealo. Am Black Friday gebe es zwar überdurchschnittlich viele Preisnachlässe – gute Angebote ließen sich aber das ganze Jahr über finden.

Denn oft sind diese Produkte auch später noch genau so günstig. So hat die Plattform guenstiger.de ermittelt, dass im vergangenen Jahr auch noch eine Woche nach dem Aktionstag 24 Prozent der untersuchten Produkte zu einem gleichen oder sogar geringeren Preis zu bekommen waren.

6. Versteckte Kosten übersehen

Besonders im Kleingedruckte lauern Kosten, die den Endpreis deutlich in die Höhe treiben. So sollte klar angegeben sein, dass die Mehrwertsteuer bereits enthalten ist. Bei Waren aus Ländern außerhalb der EU fallen manchmal sogar Zollgebühren an.

Der wichtigste Punkt aber sind die Versandkosten, die gerade bei sperrigen Gütern einen erheblichen Teil der Gesamtkosten ausmachen können. Beachten sollte der Kunde auch, ob eine eventuelle Rücksendung kostenlos ist oder nicht.

7. Auf Fakeshops hereinfallen

Ganz böse kann es werden, wenn ein Kunde am Black Friday auf einen Betrüger hereingefallen ist. Dabei ist das gar nicht so unwahrscheinlich. Denn so wie ein Taschendieb das Gedrängel auf einem vollen Wochenmarkt nutzt, verstecken sich beispielsweise Betreiber von Fakeshops gerne unter den zehntausenden Angeboten des Shoppingevents.

Diese kopieren die Webauftritte seriöser Anbieter oder bauen täuschend echt wirkende Shops auf Onlineplattformen auf, kassieren das Geld der Kunden, aber senden die versprochenen Waren nie ab.

Normalerweise werden viele Verbraucher zu Recht misstrauisch, wenn ein Verkäufer ein Produkt zur Hälfte des Normalpreises anbietet. Nicht so am Black Friday, da ist so ein Rabatt eher ein Kaufsignal. Gerade deswegen aber sollten Kunden besonders vorsichtig vorgehen. Gütesiegel von Anbietern wie dem TÜV, Trusted Shops oder dem EHI sind eine gute Orientierung.

Carsten Föhlisch, Rechtsexperte des Gütesiegelanbieters Trusted Shops, nennt einige Punkte, die Verbraucher stutzig machen sollten: Vorsicht ist etwa geboten, wenn nur eine Firma angegeben ist, aber kein Name und keine Anschrift. Gleiches gilt, wenn die Lieferfrist nicht eindeutig genannt ist oder die Datenübertragung nicht sicher ist, erkennbar am Schloss-Symbol im Browser.

Ist man einem Betrüger aufgesessen, der die Ware nicht liefert, hat man zwar einen Anspruch auf Rückzahlung. Doch meist werden diese Fakeshops über Server im Ausland betrieben. Dann nützt häufig der beste Rechtsanwalt nichts.

Alle Infos und Tipps zum Black Friday Shopping: