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Die Shutdown-Tricks: So schummeln sich Ikea, Karstadt & Co. am Lockdown vorbei

·Lesedauer: 4 Min.

Douglas wollte die Lockdown-Maßnahmen austricksen, rudert aber jetzt nach massiver Kritik zurück. Andere Handelsketten wie Karstadt, Ikea oder Media Markt bleiben jedoch erfinderisch, um ihr Weihnachtsgeschäft zu retten.

Um den Innenstadthandel im Corona-Lockdown zu retten, hat Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet eine Idee: Die Bürger, so appelliert der CDU-Politiker, sollten einfach auf das Bestellen von Geschenken bei Onlinehändlern verzichten. Stattdessen solle man einen Gutschein ausstellen, der im kommenden Jahr eingelöst werden könne. Er jedenfalls werde das so machen, sagte Laschet und verwies auf mittelständische Geschäfte, denen das überlebenswichtige Weihnachtsgeschäft entgehe.

Weihnachten ohne Geschenke? Es darf bezweifelt werden, dass Laschets Appell viel bewirkt. Und auch die betroffenen Händler wollen sich darauf offenbar nicht verlassen. Sie setzten auf einen – je nach Perspektive – kreativen oder riskanten Umgang mit den Corona-Auflagen.

Die sehen eigentlich vor, dass die meisten Läden erst am 11. Januar wieder öffnen. Ausgenommen sind nur Geschäfte des täglichen Bedarfs wie Supermärkte, Drogerien und Apotheken sowie Wochenmärkte für Lebensmittel. Doch komplett geschlossen, sind viele Läden dennoch nicht. Denn die Lockdown-Regeln haben Lücken und Handelsunternehmen werden erfinderisch, um sie zu nutzen. Bestes Beispiel: Douglas.

Die Parfümeriekette wollte knapp ein Viertel der Filialen trotz des Lockdowns offen halten – als Drogerien. Das Angebot dort sei schließlich vergleichbar mit dem großer Drogerieketten, die ebenfalls geöffnet bleiben dürften, argumentiert das Unternehmen. Nach deutlicher Kritik hat das Unternehmen den Plan am Donnerstagmorgen zurückgenommen und angekündigt, alle Filialen geschlossen zu halten. CEO Tina Müller entschuldigte sich auf Twitter.

Die Gewerkschaft Verdi in Hessen hatte zuvor von einem „anrüchigen Unterlaufen des Lockdowns“ gesprochen. Die Parfümerie deklariere sich über Nacht zur Drogerie um. Douglas widersprach dieser Darstellung. Das Unternehmen halte sich an alle geltenden Verordnungen. Die Corona-Verordnungen sähen vor, dass Drogerien weiter geöffnet bleiben könnten. Der Begriff Drogerie sei rechtlich nicht spezifiziert. Tatsächlich sind die Regeln teils unscharf formuliert – und unterscheiden sich mitunter von Bundesland zu Bundesland. Das schafft Spielraum für Auslegungen.

So sind viele Geschäfte vielerorts zu Abholstellen für online bestellte Waren geworden – analog zu Restaurants, bei denen man das Essen zwar nicht mehr vor Ort genießen, aber mitnehmen kann. Click & Collect heißt der Service, den etwa der Geschenke- und Deko-Spezialist Butlers anbietet. Das Unternehmen hat vor den meisten Filialen Abholstationen eingerichtet, an denen Kunden, ihre zuvor online reservierten Produkte abholen können.

Ikea, Media Markt und Saturn setzen auf das gleiche Prinzip. Auch Karstadt-Kaufhof wirbt auf der Homepage damit, „in ausgewählten Filialen einen Abhol-Service“ für bestellte Ware anbieten zu können. Allerdings muss der Konzern ohnehin nicht komplett schließen, schließlich handeln die Warenhäuser auch mit Lebensmitteln. Auf der Homepage heißt es: „Unsere Galeria-Markthallen sowie die versorgungsrelevanten Mieter, wie Apotheken, Supermärkte, Banken und mehr, sind weiterhin für Sie eingeschränkt geöffnet.“

Der Handelsverband HDE sieht im Click & Collect-Modell indes einen „Beitrag für viele Händler“, um besser durch diese Krise zu kommen“. Die Politik ist weniger angetan. Die baden-württembergische Landesregierung hält nach den Worten eines Regierungssprechers überhaupt nichts von Abholangeboten im Handel. „Abholmöglichkeiten jenseits der Gastronomie wären kontraproduktiv“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. „Je mehr Ausnahmen wir machen, desto länger brauchen wir, bis die Infektionszahlen deutlich runter sind, desto länger dauert das Elend des Lockdowns, desto länger müssen die Geschäfte zu bleiben.“

Baden-Württemberg gehört neben Bayern dann auch zu den Bundesländern, die entsprechende Abholservices verbieten.

Ohnehin bewerten die Bundesländer die Systemrelevanz einzelner Geschäfte höchst unterschiedlich. So dürfen etwa Buchläden in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt normal öffnen, außerdem in Thüringen unter verschärften Auflagen. Auch für Baumärkte gelten besondere Regeln. Anders als im Frühjahr sollen sie diesmal zwar für Privatkunden geschlossen werden, bleiben aber für Handwerker mit Gewerbeschein offen.

Diffus wirken die Vorgaben für Gemischtwarenläden, die nicht nur Waren des täglichen Bedarfs im Sortiment führen. Wenn der tägliche Bedarf den Schwerpunkt des Angebots darstellt, dürfen sie in aller Regel zwar weiter öffnen, müssen aber auf den Verkauf bestimmter Sortimentsbestandteile verzichten. So hat der Billiganbieter Action die meisten seiner Filialen zunächst geschlossen, weist seine Kunden auf der Homepage aber darauf hin, dass Filialen ab Donnerstag „für den Verkauf von alltäglichen Produkten wiedereröffnen“.

Gerade in kleineren Geschäften dürfte die Grenzziehung schwierig werden, teils auch unterlaufen werden. Was ist beispielsweise mit einem Handy-Shop, der zugleich Paketdienste anbietet? Nur für Paketsendungen darf der Laden geöffnet werden – zumindest offiziell.

Mehr zum Thema: Der Weihnachtslockdown trifft die Wirtschaft ins Mark, sagt Insolvenzverwalter Lucas Flöther. Doch das dicke Ende kommt erst noch.