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Shell, Deutsche Euroshop & Allianz: 3 Aktien, die jetzt unter ihrem inneren Wert notieren!

Vincent Uhr, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 4 Min.
Börse Dividende Aktien
Börse Dividende Aktien

Wie bestimmt man als Foolisher Investor, ob eine Aktie wirklich günstig ist. Ha, das ist die große Preisfrage, auf es viele verschiedene Antworten geben kann. Letztendlich ist es natürlich ein Mix aus fundamentalen Kennzahlen und unternehmerischen Eigenschaften, die Aufschluss darüber geben. Ansonsten wäre es ja fast zu einfach.

Trotzdem gibt es Kennzahlen, die den inneren Wert einer Aktie angeben. Mal ist es der Buchwert je Aktie, mal hingegen Abwandlungen wie das Net Asset Value. Aber alle Kennzahlen messen im Grunde genommen, wie viel Wert in einer Aktie steckt.

Die Aktien von Royal Dutch Shell (WKN: A0ER6S), der Deutschen Euroshop (WKN: 748020) und des DAX-Versicherers Allianz (WKN: 840400) notieren jetzt allesamt unter ihrem inneren Wert. Schauen wir im Folgenden daher einmal, was die Gründe hierfür sind. Beziehungsweise ob möglicherweise günstige Kaufchancen vorhanden sein könnten.

Royal Dutch Shell: Erheblich unter dem inneren Wert!

Eine erste Aktie, die momentan bedeutend unter ihrem inneren Wert notiert, ist die Aktie von Royal Dutch Shell. Per Ende des Geschäftsjahres 2019 lag der Buchwert je Aktie bei 24,17 US-Dollar. Gemessen an einem aktuellen Aktienkurs von 11,03 Euro (14.10.2020, maßgeblich für alle Kurse) und etwas Augenmaß können wir erkennen: Die Anteilsscheine werden in etwa mit der Hälfte des inneren Wertes bepreist.

Allerdings könnte sich dieser Wert noch etwas verringern: Im aktuellen Geschäftsjahr 2020 hat es Abschreibungen auf innere Vermögenswerte gegeben. Voraussichtlich wird es auch im dritten Quartal weitere, kleinere Abschreibungen geben, die das Ergebnis belasten. Und vermutlich auch den inneren Wert je Aktie. Das wiederum ist ein zumindest kurz- bis mittelfristiges Kernproblem, mit dem die Aktie von Royal Dutch Shell zu kämpfen hat: Der schwierigen Marktlage, insbesondere aufgrund niedrigerer Öl- und Erdgaspreise.

Ist Besserung in Sicht? Ja, möglicherweise. Selbst beim aktuellen Ölpreisniveau von über 40 US-Dollar je Barrel Brent könnte Royal Dutch Shell wieder profitabel werden. Trotzdem bleibt der zyklische Ölmarkt bestehen, wo Angebot und Nachfrage mittelfristig ein Problem werden könnten. Das im Zusammenspiel mit einem längerfristigen Konzernumbau sollten Foolishe Investoren würdigen.

Allianz: Knapp am Buchwert dran!

Eine zweite Aktie, die hingegen in der Nähe ihres Buchwertes gehandelt wird, ist die der Allianz. Per Ende des letzten Geschäftsjahres lag dieser Wert bei 177,39 Euro. Gemessen an einem derzeitigen Aktienkurs von 166,92 Euro liegt das Kurs-Buchwert-Verhältnis hier bei 0,94. Immerhin: Auch hier gibt es einen kleineren Discount.

Aber auch Gründe? Ja, definitiv so einige. So hat der DAX-Versicherer momentan mit schwierigeren Zeiten bedingt durch COVID-19 zu kämpfen. Das hat das Ergebnis je Aktie im ersten Halbjahr um 28 % gedrückt, auch die kommenden Quartale könnten schwierig bleiben. Vor allem, da es weitere Schadensfälle aus dem Gastro-Bereich gibt und eine Schadensersatzklage über 4 Mrd. US-Dollar mit ungewissem Ausgang. An kurzfristigen Baustellen mangelt es daher nicht.

COVID-19 wird die Aktie jedoch nicht ewig belasten, das könnte auf einen Turnaround hindeuten. Auch ansonsten werden die Anteilsscheine mit einer Dividendenrendite von fast 6 % und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 9 gehandelt. Das könnte günstig sein. Zumindest, wenn man etwas Zeit für den operativen Turnaround und das Rückfinden zur alten Stärke einplant.

Deutsche Euroshop: Der deutlichste Abschlag!

Besonders hart getroffen hat es hingegen die Aktie der Deutschen Euroshop. Zumindest was die fundamentale Bewertung anbelangt. Gemessen am derzeitigen Aktienkurs von 12,16 Euro und einem zuletzt ausgewiesenen Net Asset Value (NAV) von 39,73 Euro liegt das Kurs-NAV-Verhältnis bei ca. 0,3. Ja, das können wir definitiv als preiswert bezeichnen.

Was ist der Grund dafür? Beziehungsweise was sind die Gründe? Grundsätzlich belastet der E-Commerce generell die Shoppingcenter. Gerade jetzt in Zeiten von COVID-19 herrscht weitere Unsicherheit und ein höherer Leerstand könnte drohen. Beziehungsweise mehr und mehr Einzelhandelsvolumen, das über den Onlinehandel abgewickelt wird.

Trotzdem ist die fundamentale Bewertung nicht bloß gemessen am inneren Wert preiswert: Selbst nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2020 könnte das Kurs-FFO-Verhältnis bei lediglich 6,4 liegen. Das dürfte viel Pessimismus eingepreist haben, was einen näheren Blick verdient hat.

Value-Aktien? Chance & Risiko abwägen!

Ja, definitiv: Die Aktien von Royal Dutch Shell, der Allianz und der Deutschen Euroshop können wir jetzt als Value-Aktien bezeichnen. Es gibt Risiken, aber auch Chancen. Ob du in die eine oder andere jetzt investieren solltest, ist eine andere Frage. Ein interessierter Blick kann jedoch nicht schaden.

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Vincent besitzt Aktien der Allianz, der Deutsche Euroshop und von Royal Dutch Shell. The Motley Fool empfiehlt Deutsche Euroshop.

Motley Fool Deutschland 2020