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Senatorin Liliana Segre: Polizeischutz für eine Holocaust-Überlebende

Seit Jahrzehnten klärt die italienische Politikerin über die Verbrechen des Nationalsozialismus auf. Nun muss sie dabei erstmals geschützt werden.

Sie ist seit anderthalb Jahren Senatorin auf Lebenszeit und eine gefragte Zeitzeugin in Italien. Oft tritt die 89-jährige Mailänderin Liliana Segre im Fernsehen und in Schulen auf, um über den Holocaust zu berichten. Jetzt haben die Sicherheitsbehörden ihrer Stadt entschieden, sie unter Polizeischutz zu stellen. Zu groß war die Zahl der Schmähungen, Drohungen und Beleidigungen in den sozialen Medien. Rund 200 antisemitische Hassnachrichten soll sie täglich erhalten haben.

Liliana Segre ist Überlebende des Holocausts. Am 30. Januar 1944, mit 14 Jahren, wurde sie aus Mailand nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Noch heute ist auf ihrem Arm die eintätowierte Häftlingsnummer des Konzentrationslagers sichtbar. Sie überlebte als eine der wenigen die Gräuel.

Als vor Kurzem bekannt wurde, dass Holocaust-Leugner in ihrer Wortwahl immer aggressiver auftreten, richtete der Senat in Rom einen Sonderausschuss gegen Intoleranz, Rassismus und Antisemitismus ein. Allerdings enthielten sich die oppositionellen Mitte-rechts-Parteien der Abstimmung. Seitdem wird das Thema kontrovers diskutiert. Nicht nur Politiker sind besorgt darüber, dass sich im Internet der Hass ausbreitet wie eine Epidemie. „In welchem Land leben wir, wenn Liliana Segre Polizeischutz erhält, nur weil sie Jüdin ist?“, fragt der Leitartikler von „La Repubblica“. „Dafür müssen wir uns als Bürger schämen.“