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Wird bei Selbstbedienungskassen mehr geklaut? Das sagen Kaufland, Ikea und Hornbach

·Lesedauer: 4 Min.
Selbstbedienungskassen bei Ikea
Selbstbedienungskassen bei Ikea

Sie nehmen dem Kassenpersonal die Arbeit weg und verleiten Kunden zum Diebstahl: Hartnäckig halten sich Stigma wie diese gegen Selbstbedienungskassen, bei denen Kunden im stationären Einzelhandel ihre Einkäufe selbst einscannen und bezahlen — ganz ohne Kassenpersonal. Bei manchen Händlern können Kunden ihren Einkauf im Warenkorb sogar eigenständig mit einem Handscanner oder ihrem eigenen Smartphone einloggen. Die sogenannten Self-Checkout-Systeme (SCO) haben bei den Deutschen lange keinen besonders guten Ruf gehabt.

Dass die SB-Kassen in Deutschland bislang nicht zu einem großen Stellenabbau beim Kassenpersonal geführt haben, konnte das EHI bereits mit einer früheren Studie widerlegen. Nun konnte das Handelsforschungsinstitut mit einem weiteren Vorurteil aufräumen:

„An den Self-Checkout-Stationen oder beim mobilen Self-Scanning beobachten die allermeisten der befragten Handelsunternehmen keine erhöhten Diebstähle“, wie Frank Horst, Autor der Studie und Leiter der EHI-Self-Checkout-Initiative, erklärt. 85 Prozent der befragten Unternehmen haben laut einer aktuellen EHI-Studie angegeben, keine erhöhten Inventurdifferenzen sowie keine vermehrten Aufgriffe verdächtiger Personen in ihren Märkten mit Self-Checkout-Lösungen festzustellen. Auch ergaben stichprobenartige Analysen geringe Fehlerquoten an den SCO-Kassen. So ließe sich laut EHI schlussfolgern, dass die Ladendiebstähle an SCO-Kassen nicht wesentlich höher ausfallen als an bedienten Zahlstationen.

Mitarbeiter führen Stichproben durch

Laut EHI werden viele Diebstähle bereits im Verkaufsraum vorbereitet, indem zum Beispiel Ware eingesteckt oder mitunter auch umetikettiert wird. Am häufigsten würden Betrüger die Artikel jedoch einfach nicht scannen und versuchen, die Produkte ohne Bezahlung mitzunehmen.

Die Gefahr der Verführung zum Diebstahl bestehe natürlich, so Horst. "Wir stellen jedoch fest, dass die Sicherheitsmaßnahmen sowie der Einsatz des Personals so gut ausgestaltet sind, dass sie Diebstähle ähnlich effektiv wie auch an den herkömmlichen Kassen verhindern", sagt Horst. Häufige Präventionsmaßnahmen an SCO-Kassen sind Sichtkontrollen durch Mitarbeiter, Gewichtskontrolle und Kameraüberwachung, oft in Verbindung mit Ausgangstoren, durch die man etwa nur mit bezahltem Kassenbon kommt.

Um den Checkout-Prozess zu überprüfen, führen die Mitarbeiter Zufallskontrollen durch, im Schnitt werde etwa jeder 20. Kunde überprüft, so Horst. Und auch sogenannte Re-Scans bei mobilen SCO-Lösungen, bei denen ebenfalls stichprobenartig geprüft wird, ob einzelne Produkte im digitalen Warenkorb richtig erfasst wurden, werden laut EHI relativ selten durchgeführt. Eine geringe Re-Scan-Quote deute dabei auf eine niedrige Diebstahlquote hin.

Und was passiert, wenn die Kunden unabsichtlich einen Fehler machen? "Im Moment wird den Kunden natürlich noch ein großer Vertrauensvorschuss gegeben, da sie sich auch erst einmal an solche Systeme gewöhnen müssen", sagt Horst. Fällt bei einer zufälligen Kontrolle auf, dass ein Artikel nicht gescannt oder vergessen wurde, kommt der Kunde in der Regel mit einer Entschuldigung davon, schließlich kann dies ein unbeabsichtigter Fehler gewesen sein. "Es sei denn, sie fallen mehrfach negativ auf, dann werden womöglich Konsequenzen gezogen", sagt Horst.

Ikea: Kein Diebstahl-Problem durch SCO-Kassen

Der schwedische Möbelhändler Ikea führte in seinen Möbelhäusern in Deutschland bereits 2008 sogenannte Express-Kassen ein, mittlerweile ersetzen sie die Hälfte der herkömmlichen Kassen. Da auf der Fläche von zwei konventionellen Kassen vier SB-Kassen eingebaut werden können, habe sich die Kassenanzahl um insgesamt 50 Prozent erhöht, heißt es von Ikea. Je nach Größe der Einrichtungshäuser gibt es zwischen acht bis 24 Selbstbedienungskassen.

Rund 40 Prozent der Ikea-Kunden nutzen dieses Angebot bereits, teilt eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage von Business Insider mit. Die hohe Kundenakzeptanz verteile sich über alle Altersgruppen und Geschlechter. Sie sagt: "Unsere Erfahrungen zeigen auch, dass die Kunden die Artikel in ihrem Einkaufswagen sehr korrekt und genau scannen. Wir konnten bislang keine nennenswerten Inventurdifferenzen seit Einführung der Expresskassen feststellen."

Kaufland und Hornbach: Gute Erfahrungen mit SCO-Kassen

Auch Kaufland mache sehr gute Erfahrungen mit den SB-Kassen, ebenso Hornbach, teilten die Unternehmen auf Anfrage von Business Insider mit. Auf Anfrage von Business Insider teilte ein Sprecher von Hornbach mit, dass das Unternehmen durch das Self-Scanning keine erhöhten Ungereimtheiten in der Inventur beobachte, also keine Probleme mit vermehrten Diebstählen habe. Zu Diebstahlquoten möchten sich Kaufland nicht äußern, jedoch deutet der Ausbau dieser Systeme bei beiden Händlern nicht darauf hin, dass dies ein großes Problem sei.

"Unsere Kunden nutzen die Self-Scanning-Kassen gerne", sagt eine Kaufland-Sprecherin. "Natürlich ersetzen die SB-Kassen keine Kassenarbeitsplätze", heißt es weiter. Insbesondere in dieser Zeit ermöglichen es die Self-Scanning-Kassen den Kunden, ihre Kontakte während ihres Einkaufs zu reduzieren.

Ikea und Hornbach gelten in Deutschland jedoch als Pioniere auf diesem Gebiet, die meisten Händler hierzulande haben Self-Scan-Systeme noch nicht flächendeckend eingeführt und testen lediglich in einigen Filialen. Insbesondere die Discounter hinken mit dem Blick auf die zunächst hohen Anfangsinvestitions-Kosten hinterher. Laut Frank Horst vom EHI gebe es nach dem letzten Stand von 2019 in Deutschland schätzungsweise momentan 1.200 Märkte mit stationären SCO-Kassen und bis zu 300 Filialen, die mobile Self-Scan-Systeme anbieten.

Bisher habe sich die Anzahl der Märkte mit Self-Scan-Systemen alle zwei Jahre ungefähr verdoppelt, so Horst. Er schätzt, bis Ende nächsten Jahres werde es rund 2.000 Märkte in Deutschland geben, die diesen Service anbieten.

Dieser Artikel erschien bei Business Insider bereits im Dezember 2020. Er wurde nun geprüft und aktualisiert.

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