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„Sei höflich und nützlich“

Auf einer Hightech-Konferenz in San Francisco kritisierte der ehemalige US-Präsident Barack Obama Politik, Medien und Tech-Konzerne – und gab Tipps, wie man ein guter und motivierender Manager sein könne.

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat in einem Gespräch mit Salesforce-Mitgründer Marc Benioff die Technologiebranche und die Medien kritisiert. Außerdem warnte er in seinem Auftritt auf der Salesforce Kundenkonferenz Dreamforce in San Francisco vor einem wachsenden Zynismus in der Gesellschaft, der Talente davon abschrecke, eine Karriere in der Politik oder öffentlichen Institutionen anzustreben. „Wenn wir jungen Leuten den Eindruck vermitteln, dass ohnehin nichts funktioniert, es nur um Machterhalt geht und alles korrupt ist, dann hilft das niemanden“, sagte der 44. Präsident der USA.

Da die Medienlandschaft mittlerweile so fragmentiert sei, sei der Austausch von Meinungen gefährdet, einer gemeinsamen Kommunikation und Kultur. Daran hätten auch große Technologieunternehmen wie Google und Facebook schuld. Die Menschen wüssten nicht mehr, „was wahr ist und was nicht und was man glauben kann und was nicht.“ Das führe zu einer Spaltung der Gesellschaft. „Leute, die Fox News schauen, leben in einer anderen Realität, als die Leser der New York Times“, kritisierte Obama auch die klassischen Medien. In seiner Jugend habe es noch drei Fernsehsender gegeben und die Leute die gleichen Shows geschaut und man so zumindest eine gemeinsame Basis für Diskussionen gehabt.

„Wir müssen uns außerdem von der Einstellung lösen, dass größer immer besser ist“, kritisierte Obama. Er erläuterte das anhand persönlicher Erlebnisse. Als Präsident sei er bei Reisen meistens in der Präsidenten-Suite von großen Hotels untergebracht worden, wo er sich in den Räumen fast verlaufen hätte. Dabei hätte es ein einfacheres Zimmer auch getan. Mittlerweile führe auch der Druck in den sozialen Medien dazu, Privilegien und Status anzustreben und diese öffentlich zu demonstrieren. Trotz der Kritik an Tech-Konzernen habe er jedoch Hoffnung, „dass das Internet uns vereinen kann.“ Momentan spalte es jedoch.

So viel ist klar – ein Freund von pompösen Hotelsuites wird Obama nicht mehr werden. Das verhindert schon der Frust über die vielen Lampen und Schalter und deren verwirrende Nutzerführung. Einmal hätten seine Frau Michelle und er eine halbe Stunde lang versucht, ein Licht auszuschalten. Ohne Erfolg. „Schließlich mussten wir bei der Rezeption anrufen und jemanden bitten, zu uns hochzukommen und zu helfen.“

Obama gab auch Tipps, wie man ein guter und motivierender Manager sein könne. Er habe bei den vielen Besprechungen im Weißen Haus schnell gemerkt, dass die eigentliche Arbeit von den Leuten gemacht wurde, die „im Hintergrund in ihre Notebooks hämmerten“. Wenn man in der Diskussion mit den Generälen und den „Muckety mucks“ (hohe Würdenträger, Anm. der Redaktion) nicht weiterkam, habe er deshalb manchmal einen jungen Mitarbeiter im Hintergrund gefragt, wie der das Problem sehe. „Ich kannte seinen Namen nicht. Aber ich wusste, dass er sich intensiv mit der Materie beschäftigt und diese durchdrungen hatte“, so Obama. Das hätte oft einer verfahrenen Diskussion neue Impulse gegeben und diese weitergebracht.

Zudem empfahl er, sich einzugestehen, dass es wesentlich smartere Leute als einen selbst gebe, man sich mit diesen umgeben und sie fördern und ermuntern sollte, statt auf Hierarchie und Status zu pochen. „Es zahlt sich aus.“

Er illustrierte das mit der Umweltkrise im Golf von Mexico, als eine Explosion im Frühjahr 2010 eine Ölplattform außer Kontrolle brachte. British Petroleum und Halliburton wären ratlos gewesen, wie man das Loch auf dem Boden des Ozeans schnell und effektiv schließen könnte, um das rasche Ausbreiten des Ölteppichs schnell zu stoppen. Schließlich habe Energieminister Steven Chu eine Idee gehabt, die er auf ein Blatt Papier kritzelte und ein paar Kalkulationen machte, eine „Art Hut“. Obama wusste nicht, ob Chus Lösung funktionieren würde. Aber er hätte Vertrauen gehabt, weil der Energieminister eine „smarte Person“ sei. Chus Idee funktionierte. Obama freute sich, dass er den Nobelpreisträger für Physik auf den Posten berufen hatte.

Derzeit schreibt er an einem Buch über seine Amtszeit, aber das Schreiben sei weit schwerer als gedacht. Weil Michelles Obamas Buch so wahnsinnig erfolgreich sei, spüre er jetzt erst recht Druck, witzelte er. Derzeit sei er beim Schreiben im Jahr sieben seiner Amtszeit.

Präsident Trump wurde in dem einstündigen Gespräch nicht ein einziges Mal direkt erwähnt, auch wenn die Diskussion über den wachsenden Zynismus über öffentliche Institutionen auf ihn gemünzt war. Parallel zu Obamas Auftritt liefen die Anhörungen im Kongress zu einem Amtsenthebungsverfahren.

Obama erlaubte sich aber einen feinen Seitenhieb. Als Salesforce Co-CEO Benioff, der ein großer Fan von Hawaii ist, Obama zu seiner Leidenschaft zu dem Bundestaat befragte, scherzte dieser, dass „ich gleich nach meiner Geburt in Kenia nach Hawaii gezogen bin.“ Tatsächlich ist Obama in Hawaii geboren. Trump behauptete jahrelang, dass Obama eigentlich in Kenia zur Welt gekommen sei. Deshalb sei er unrechtmäßig US-Präsident, weil der Amtsinhaber laut Verfassung auf US-Hoheitsgebiet geboren sein muss.

Befragt, an was man sich im Leben orientieren solle, empfahl der ehemalige Präsident die Maxime: „Sei höflich und nützlich.“