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Sechs Punkte, die für Anleger heute wichtig sind

Die EZB legt in der Coronakrise ein beispielloses Rettungspaket auf. Vorbörslich dreht der Dax nach starken Verlusten ins Plus. Was heute wichtig wird.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat als Reaktion auf die Corona-Pandemie am späten Mittwochabend ein beispielloses Anleihekaufprogramm angekündigt. Am Donnerstag wird sich zeigen, ob das den deutschen Aktienmarkt beruhigen kann: Auf außerbörslichen Handelsplattformen notiert der deutsche Leitindex Dax vor dem Handelsstart mittlerweile minimal im Plus, nachdem er zwischenzeitlich mehr als vier Prozent im Minus gelegen hatte.

Die EZB will weitere Anleihen im Wert von 750 Milliarden Euro kaufen und gibt sich dabei großen Spielraum, wie die Währungshüter in Frankfurt mitteilten. Das Paket trägt den Namen „Pandemic Emergency Purchase Programme“ (PEPP) und soll bis Ende 2020 laufen oder bis die Coronakrise überstanden ist.

In den USA gab die Ankündigung des Hilfspakets den Futures des breit gefassten Aktienindex S & P 500 zur Eröffnung zunächst Auftrieb. Zuletzt deuteten die Future aber wieder auf einen schwächeren Start hin.

Bereits am Mittwoch waren die Auswirkungen der tags zuvor angekündigten Hilfsmaßnahmen der US-Regierung und der US-Notenbank Fed verpufft. An den Börsen ging es nach einer kurzen Verschnaufpause am Dienstag wieder steil nach unten gegangen: Sowohl der Dax als auch der Dow Jones gaben kräftig nach.

Die Ölpreise erholten sich dagegen etwas, nachdem der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI am Mittwoch erstmals seit 2002 unter die Marke von 25 Dollar je Barrel (159 Liter) bis auf 20,62 Dollar gerutscht war. Zuletzt wurde US-Öl rund elf Prozent höher bei 22,66 Dollar gehandelt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent 25,90 US-Dollar gehandelt – ein Plus von gut vier Prozent.

1 – Vorgabe aus den USA

Trotz zweier Notfall-Zinssenkungen binnen weniger Tage und der Ankündigung neuer Wertpapierkäufe stürzten die Kurse an der Wall Street wieder ab. Wegen der erneut starken Kursverluste wurde der Handel an den US-Börsen am Mittwoch ein weiteres Mal zeitweise ausgesetzt.

Auch nachdem der Handel wieder aufgenommen wurde, ging es abwärts: Der US-Leitindex schloss 6,3 Prozent tiefer auf 19.898 Punkten. Der technologielastige Nasdaq gab 4,7 Prozent auf 6.989 Punkte nach und der breit gefasste S & P 500 büßte 5,2 Prozent auf 2.398 Punkte ein.

„Wir befinden uns hier einfach nur in Panik“, sagte Peter Cardillo, leitender Marktökonom bei Spartan Capital Securities, bereits vor der erneuten Handelsunterbrechung in New York. „Die Angst vor einer möglichen Deflation ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum der Markt sich so verhält, wie er ist.“

2 – Handel in Asien

Die Aktienmärkte in Japan und Südkorea haben angesichts der Sorgen um die zunehmende Belastung der Wirtschaft durch die Corona-Pandemie ihre Kursverluste im frühen Handel am Donnerstag ausgeweitet.

An der Leitbörse in Tokio rutschte der Nikkei-Index für 225 führende Werte um 124,29 Punkte oder 0,7 Prozent im Vormittagshandel auf 16 602,26 ab. An der Aktienbörse in Seoul büßten die Kurse sogar um mehr als 5 Prozent ein. Der Leitindex Kospi lag um 11.20 Uhr (Ortszeit) auf einem Zwischenstand von 1508,23 Zählern.

3 – EZB legt neues Anleihekaufprogramm auf

Die Europäische Zentralbank hat im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie ein Notkaufprogramm für Anleihen in Höhe von 750 Milliarden Euro angekündigt. Es soll dabei um Wertpapiere der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft gehen, wie die EZB am späten Mittwochabend mitteilte.

Das Programm werde beendet, sobald der EZB-Rat die Coronavirus-Krise für bewältigt halte, aber nicht vor Jahresende, hieß es weiter. „Außergewöhnliche Zeiten erfordern außergewöhnliches Handeln“, schrieb EZB-Chefin Christine Lagarde auf Twitter. „Wir sind im Rahmen unseres Mandats entschlossen, das volle Potenzial unserer Werkzeuge auszuschöpfen“, betonte sie.

Der EZB-Rat weichte auch bestehende Kriterien auf, welche Papiere von der Notenbank angekauft werden können. Die EZB stehe bereit, den Rahmen des Programms wenn nötig auszuweiten, genauso wie die Kriterien der in Frage kommenden Wertpapiere, „so viel wie nötig und so lange wie nötig“, hieß es weiter.

4 – Lufthansa streicht Flugprogramm noch stärker zusammen

Die Lufthansa will sich mit massiven Einschnitten gegen die Corona-Krise stemmen. „Dieser außergewöhnlichen Situation müssen wir mit drastischen und zum Teil schmerzhaften Maßnahmen begegnen“, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag. „Je länger diese Krise andauert, desto wahrscheinlicher wird es, dass die Zukunft der Luftfahrt ohne staatliche Hilfe nicht gewährleistet werden kann.“

Bis 19. April fänden nur noch rund fünf Prozent der ursprünglich geplanten Flüge statt, teilte der Dax-Konzern am Donnerstag bei der Vorlage der Jahresbilanz in Frankfurt mit. Rund 700 von 763 Passagierjets des Konzerns blieben vorläufig am Boden. Fernverbindungen bietet die Lufthansa vorerst nur noch ab Frankfurt und dreimal pro Woche mit der Tochter Swiss ab Zürich an. In München sollen nur noch Kurzstreckenflüge des Ablegers Cityline abheben. Die Maschinen sollen vorwiegend Deutsche aus dem Ausland zurückholen.

Die Deutsche Lufthansa will wegen der Coronavirus-Krise auf eine Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr verzichten. Einen Ausblick auf das Jahr 2020 wagt die von der Pandemie schwer getroffene Airline für 2020 nicht mehr.

5 – Konjunkturprognosen von Ifo und DIW

Das Ifo-Institut hat die Veröffentlichung von Daten zum Geschäftsklima in Deutschland wegen der Coronakrise vorgezogen. Das Institut wird ein „vorläufiges Geschäftsklima“ für März veröffentlichen. Ifo-Präsident Clemens Fuest und DIW-Präsident Marcel Fratzscher wollen sich zudem per Telefon-Pk auch zu den Konjunkturerwartungen und wirtschaftspolitischen Maßnahmen im Zusammenhang mit der Coronavirus-Ausbreitung äußern.

6 – Coronavirus legt Volkswagen-Werke in Europa vorübergehend lahm

Die wachsende Ansteckungsgefahr und die drastischen wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise zwingen Volkswagen vom Donnerstagabend an zur Schließung der Werke in Deutschland. Auch in weiteren Ländern Europas wird die Produktion vorläufig heruntergefahren. An den Standorten in der Bundesrepublik soll mit dem Ende der Spätschicht um 22 Uhr die vorerst letzte reguläre Schicht in der Fertigung enden. Zunächst zehn Arbeitstage lang sollen dann keine Autos oder Bauteile mehr hergestellt werden.

Im wichtigsten Markt China, wo die Pandemie ausgebrochen war, hatte VW schon zahlreiche Werke geschlossen. Während sich die Lage dort wieder langsam stabilisiert, schlagen die Probleme jetzt voll auf die Heimatregion des weltgrößten Autobauers durch.

Vorgaben zum Gesundheitsschutz waren zuletzt nicht mehr vollständig einzuhalten, es gab auch positive Virus-Testergebnisse. Zudem sackt die Auto-Nachfrage stark ab, VW droht eine teure Unterauslastung der Produktion. Ein sich laut Unternehmen „abzeichnender Abbruch der Lieferketten“ führt ebenfalls zu Engpässen, wenn Beschäftigte von Lieferanten zu Hause bleiben müssen oder es in der Logistik hakt.

Termine Unternehmen am 19. März

  • 06:55 Uhr Deutschland: Encavis, Jahreszahlen
  • 07:00 Uhr Schweiz: Zur Rose, Jahreszahlen, Frauenfeld
  • 07:00 Uhr Deutschland: Fuchs Petrolub, Jahreszahlen (detailliert) + 10:00 Uhr Bilanz-Pk
  • 07:00 Uhr Deutschland: Lufthansa, Jahreszahlen
  • 07:30 Uhr Deutschland: Bechtle, Jahreszahlen (detailliert)
  • 07:30 Uhr Deutschland: Elmos Semiconductor, Jahreszahlen (detailliert)
  • 07:30 Uhr Deutschland: HeidelbergCement, Jahreszahlen (detailliert) + 10:00 Uhr Bilanz-Pk
  • 07:30 Uhr Deutschland: Instone Real Estate, Jahreszahlen (detailliert)
  • 07:30 Uhr Deutschland: Krones, Jahreszahlen (detailliert)
  • 07:30 Uhr Deutschland: Koenig & Bauer AG, Jahreszahlen
  • 07:30 Uhr Deutschland: Vossloh, Jahreszahlen
  • 07:50 Uhr Luxemburg: SAF Holland, Jahreszahlen
  • 08:00 Uhr Deutschland: Westwing, Jahreszahlen
  • 08:00 Uhr Großbritannien: Next, Jahreszahlen
  • 08:30 Uhr Deutschland: BMW Analysten- und Investorenkonferenz
  • 10:00 Uhr Deutschland: Alte Leipziger-Hallesche, Bilanz-Pk
  • 10:00 Uhr Deutschland: BayernLB, Jahreszahlen
  • 11:00 Uhr Deutschland: Deutsche Familienversicherung, Bilanz-Pk
  • 11:00 Uhr Deutschland: Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV), Bilanz-Pk
  • 17:45 Uhr Italien: Enel, Jahreszahlen
  • 18:00 Uhr Deutschland: Deutsche Euroshop, Jahreszahlen

Termine Konjunktur am 19. März

  • 10:00 Uhr Deutschland: ifo-Konjunkturprognose
  • 10:00 Uhr Deutschland: Ifo Institut – vorläufige Daten zum Geschäftsklima März
  • 10:00 Uhr Norwegen: Notenbank-Entscheidung
  • 12:00 Uhr Türkei: Notenbank-Entscheidung
  • 13:30 Uhr USA: Leistungsbilanz Q4/19
  • 13:30 Uhr USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe
  • 15:00 Uhr USA: Frühindikator
  • Deutschland: Tarifverhandlungen Bauindustrie – erste Runde
  • Japan: Notenbank-Entscheidung

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