Deutsche Märkte geschlossen

Schweizer Banken jagen sich in Brasilien die Private Banker ab

Cristiane Lucchesi, Marion Halftermeyer, Patrick Winters und Felipe Marques

(Bloomberg) -- Es sind gute Zeiten für Banker, die reiche Brasilianer betreuen.

UBS Group AG und Credit Suisse Group AG haben beide in Brasilien ihren Personalbestand im Wealth Management in den letzten zwölf Monaten um 10% aufgestockt und wollen weitere Mitarbeiter einstellen. Auch die Julius Bär Gruppe AG und der seit 200 Jahren bestehende Vermögensverwalter Pictet haben ihre personelle Schlagkraft verstärkt.

“Es ist ein echter Tsunami”, sagte Sylvia Coutinho, Leiterin des lateinamerikanischen Private Banking der Zürcher UBS, in einem Bloomberg-Interview. “Sie sehen viele Anleger, die die Komfortzone der kurzfristigen festverzinslichen Wertpapiere verlassen und in Aktien und Hedgefonds investieren - in Brasilien und weltweit.”

Das Interesse an der Finanzbetreuung wohlhabender Brasilianer wuchs bereits vor der Verabschiedung einer Rentenreform in der vergangenen Woche, die die Notwendigkeit privater Altersvorsorge erhöht. Rekordtiefe Zinsen haben viele Anleger dazu veranlasst, von traditionellen Staatsanleihen und Sparkonten auf exotischere Anlagen umzusteigen.

Laut dem Kapitalmarktverband Anbima verzeichnete die brasilianische Fondsbranche in diesem Jahr bis September Nettozuflüsse von 205,7 Milliarden Real (46 Milliarden Euro), fast dreimal soviel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Um der wachsenden Nachfrage nachkommen zu können, jagen die Schweizer Banken sich gegenseitig die Leute ab. Zu den Neueinstellungen bei Pictet in Zürich gehört der ehemalige brasilianische Chef von Julius Bär, Marc Braendlin. Jorge Torea, der für das internationale Wealth-Management-Geschäft der Credit Suisse in Brasilien verantwortlich war, wird Braendlins alten Job bei Julius Bär ab dem 1. November übernehmen und sein Team mitbringen. Alexandre Sampedro , der eng mit Torea bei der Credit Suisse zusammengearbeitet hat, hat dessen frühere Tätigkeit am 1. Oktober übernommen.

UBS und Credit Suisse sind beide auf der Suche nach weiteren neuen Mitarbeitern, da die Nachfrage nach Finanzberatung und neuen Investmentkategorien in dem südamerikanischen Land zunimmt. Credit Suisse geht davon aus, dass die Zahl der Millionäre in Brasilien bis 2024 um 23% auf 319.000 steigen wird. Pictet stellte 10 Mitarbeiter ein, die Lateinamerika von Zürich aus abdecken, darunter auch Führungskräfte von Julius Bär, die wiederum fünf Banker der Credit Suisse abwarb.

“Gehen Sie nach Brasilien, wenn sie zusätzliches Wachstum wollen”, sagte Cynthia Tobiano, stellvertretende Geschäftsführerin bei Edmond de Rothschild SA. Angesichts der Größe des Landes, des politischen und makroökonomischen Hintergrunds, der Tiefe des Marktes und des Wohlstands sei es sinnvoll, dass Unternehmen zuerst Banker in der Schweiz einstellen und danach ein Büro in Brasilien einrichten.

“Kunden wollen heute Nähe, daher ist es sehr wichtig, vor Ort präsent zu sein”, sagte Coutinho von UBS, die bei der Bank auch CEO für Brasilien ist.

Coutinho führt einen Teil der steigenden Nachfrage auf Steueramnestieprogramme in Lateinamerika zurück.

In den letzten zehn Jahren wurde ein Vermögen von rund 200 Milliarden Dollar mobilisiert, nachdem die Regierungen in Argentinien, Brasilien, Kolumbien, Mexiko und Chile den Bürgern die Meldung von nicht deklarierten Vermögenswerten außerhalb ihres Heimatlandes ermöglichten, wobei nur minimale Bußgelder verhängt und neue Steueranreize eingeführt wurden. Der größte Teil des gemeldeten Vermögens - rund 120 Milliarden Dollar - stammte von Argentiniern, gefolgt von Brasilianern, mit rund 50 Milliarden Dollar.

Im Gegensatz zu den Argentiniern investieren reiche Brasilianer den größten Teil ihrer liquiden Mittel vor Ort. Das brasilianische Private-Banking-Geschäft kommt den Daten von Anbima zufolge auf ein Vermögen von rund 1,2 Billionen Real, eine Steigerung von 11% seit Ende 2018.

Überschrift des Artikels im Original:Swiss Banks Fight for Talent Amid ‘Tsunami’ of Brazil’s Rich (1)

Kontakt Reporter: Cristiane Lucchesi in Sao Paulo clucchesi5@bloomberg.net;Marion Halftermeyer in Zurich mhalftermeye@bloomberg.net;Patrick Winters in Zurich pwinters3@bloomberg.net;Felipe Marques in Sao Paulo fmarques10@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Michael Moore mmoore55@bloomberg.net, Steve Dickson, Daniel Taub

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

©2019 Bloomberg L.P.