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Schweiz vs. Italien: Wie nur ein Unternehmen einen ganzen Index verändern kann

Marlon Bonazzi, Chefredakteur und Analyst für internationale Aktien

Über die lange Frist kannten die Aktienmärkte von Deutschland, den USA und vielen anderen Ländern nur den Weg nach oben. Das kann dazu verleiten, dass man steigende Aktienmärkte als Selbstläufer betrachtet. Das ist aber keineswegs der Fall. Für steigende Aktienmärkte braucht es profitabel wirtschaftende Unternehmen mit langfristig wachsenden Umsätzen.

Dabei ist es weniger wichtig, dass diese Entwicklung von vielen verschiedenen Unternehmen getragen wird. Schon ein einzelnes Unternehmen mit einer gigantischen Größenordnung kann einem Aktienmarkt massiven Rückenwind geben.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Schweizer Aktienmarkt. Während der Euro-Raum-Aktienindex EURO STOXX 50 seit Jahrzehnten stagniert und die Indizes in Großbritannien und einigen asiatischen Ländern schon sehr lange seitwärts tendieren, entwickelt sich die Schweizer Börse prächtig.

Bei dieser Entwicklung halfen die Pharmagiganten Roche und Novartis, aber vor allem Nestlé trug kräftig dazu bei. Der Lebensmittelgigant ist aktuell mit grob 300 Mrd. Euro an der Börse bewertet. Das hat das Unternehmen mit langfristigem diszipliniertem Wachstum geschafft.

Um Nestlés Börsenwert mehr Kontext zu geben: Das Unternehmen ist circa doppelt so viel wert wie das wertvollste DAX-Unternehmen SAP, und das obwohl die Schweiz 8,5 Mio. Einwohner hat und Deutschland 83 Mio.

Wie schmerzhaft das Fehlen von wirklich großartigen Unternehmen für einen Aktienmarkt sein kann, sieht man in Italien, wo der gesamte Aktienmarkt nur ein wenig mehr wert ist als Nestlé allein. Da wirklich starke Unternehmen fehlen, ist es kein Wunder, dass die italienische Börse seit langer Zeit stagniert. Hätten sich Ferrero zu einem Nestlé und Lavazza zu einem Starbucks entwickelt und beide auch an die Börse getraut, sähe die Situation ganz anders aus.

Es sind die wirklich starken Unternehmen, die über Jahrzehnte signifikant und profitabel wachsen können, von denen die Zukunft von Aktienmärkten abhängt. Das sollten Anleger nicht vergessen.

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Offenlegung: Marlon Bonazzi besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Starbucks. The Motley Fool empfiehlt Nestlé.

Motley Fool Deutschland 2020