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Schweden schreibt Mietern die Heiztemperatur vor – auch in Deutschland kann dieses Modell helfen, um Energie zu sparen

In privaten Haushalten gibt es ein großes Potenzial, um Energie zu sparen.
In privaten Haushalten gibt es ein großes Potenzial, um Energie zu sparen.

Energie sparen war schon immer eine gute Idee. Es werden nicht nur Konto und Klima geschont, seit dem russischen Angriff auf die Ukraine ist auch klar: Man reduziert die Abhängigkeit von russischem Öl und Gas.

"Der günstigste und effizienteste Beitrag zu mehr Unabhängigkeit ist weniger Energieverbrauch", heißt es im "Arbeitsplan Energieeffizienz" von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Energiesparen wird darin sogar als "gemeinsames, nationales Projekt" bezeichnet. Neben der Industrie soll auch der Bereich Wohnen dazu beitragen, schließlich hatten private Haushalte 2020 einen Anteil von 28,6 Prozent am gesamten Endenergieverbrauch in Deutschland.

Schaut man in andere Länder, so finden sich dort innovative Ansätze, wie das funktionieren kann. In Schweden gibt es ein Modell, von dem Mieter, Vermieter und das Klima profitieren sollen. Dieses wird etwa bei öffentlichen Wohnungsunternehmen genutzt.

Mietverträge werden dort so abgeschlossen, dass ein Teil der Heizkosten bereits inklusive sind. Darin ist eine bestimmte Temperatur, etwa 21 Grad, festgeschrieben. Behält man diese Temperatur bei, hat der Mieter keine zusätzlichen Kosten. Hat er es gern wärmer, so zahlt er mehr. Spart er Energie, erhält er Geld zurück.

Der Clou dabei: Für Vermieter soll ein Anreiz bestehen, das Gebäude besser zu dämmen und eine modernere Heizung einzubauen. Denn verbraucht der Mieter bei gleichbleibender Temperatur weniger Energie, kann sich der Vermieter die Differenz in die eigene Tasche stecken. Bisher kann es dem Vermieter recht egal sein, ob die Fenster undicht und die Wände schlecht isoliert sind. Die Kosten dafür trägt ja der Mieter.

Der Thinktank "Agora Energiewende" lobt das System. Das Verfahren werde in Schweden seit dem Jahr 2000 praktiziert, zusammen mit einem ständig steigenden CO2-Preis. "Die Emissionen der dortigen Haushalte sind seither um 95 Prozent gesunken", bilanziert Agora.

Das System hat jedoch seine Tücken. In Schweden wird häufig nicht der Energieverbrauch selbst, sondern die mittlere Raumtemperatur bei der Messung herangezogen. Doch ein offener Backofen, Sonneneinstrahlung oder häufiges Lüften kann die Raumtemperatur verändern – über den eigentlichen Energieverbrauch sagt das nichts aus. Die Temperatur wird genutzt, weil es derzeit keine anderen Messmethoden gibt. Andere Verfahren sind jedoch in Arbeit.

Ein weiteres Problem ist, dass Menschen Temperaturen sehr unterschiedlich wahrnehmen. Manch einer friert bei 21 Grad, anderen ist das zu warm. Eine unterschiedliche Luftfeuchtigkeit kann dafür sorgen, dass dieselbe Person 21 Grad an manchen Tagen als angenehm empfindet und an manchen schwitzt oder friert. Eine Folge, die sich laut Experten in Schweden beobachten ließ: Die Bewohner kauften sich zusätzlich einen elektrischen Heizlüfter – der die Wohnung sehr ineffizient heizt.

Trotz dieser Einwände scheint auch der Weg in Deutschland in diese in Schweden praktizierte Richtung zu gehen, vorerst jedoch nur beim CO2-Preis. In Habecks "Arbeitsplan Energieeffizienz" nimmt sich das Ministerium vor, mit einer Neuaufteilung der CO2-Kosten "Vermieter zusätzlich zu motivieren, die energetische Sanierung ihrer Gebäude voranzutreiben". Aus dem Ministerium heißt es dazu auf Anfrage: "Bisher tragen Mieterinnen und Mieter diese Kosten alleine. Künftig soll gelten: Je schlechter die Energiebilanz eines Gebäudes, desto mehr zahlen die Vermieter."

Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Bundesregierung in einem nächsten Schritt auch das schwedische Modell bei den Mietverträgen angeht, im Koalitionsvertrag ist dazu ein Prüfauftrag festgehalten. Auf eine schnelle Umstellung muss sich aber niemand gefasst machen. Denn eine Neuregelung würde zunächst nur Mieter in modernisierten oder neugebauten Wohnungen betreffen.

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