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Schweden-Fintech Tink kauft Startup Fintecsystems von der reichsten Familie Deutschlands

·Lesedauer: 3 Min.
Tink-Gründer Daniel Kjellén (l.) und Fredrik Hedberg
Tink-Gründer Daniel Kjellén (l.) und Fredrik Hedberg

Übernahmen in Millionen-Höhe sind in der Fintech-Szene keine Seltenheit, allerdings wurde es seit der Corona-Pandemie stiller um spektakuläre Einkäufe. Das ändert sich nun wieder.

Wie Business Insider erfuhr, kauft das schwedische Fintech Tink den deutschen Wettbewerber Fintecsystem. Über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart, dennoch ist es ein Deal in Millionenhöhe, wie Tink-Mitgründer und CEO Daniel Kjellén im Gespräch mit Business Insider bestätigte.

Tink und Fintecsystems haben beide ähnliche Geschäftsmodelle: Sie bieten sowohl für Banken, Fintechs, als auch für Firmen, die Finanzdienstleistungen anbieten wollen, digitale Kontoprüfungen, Datenanalysen, Kontoaggregationen und Open-Banking-Zahlungen via Schnittstellen, sogenannten APIs, an. Das hilft den Unternehmen unter anderem für digitale Kreditvergaben oder um ihren Nutzern alle Finanzprodukte in einer App zugänglich zu machen.

Tink ist ein globaler Player, Fintecsystems in Deutschland erfolgreich

In Deutschland gehört Fintecsystems zu den führenden Anbietern, mit Kunden wie der Digitalbank N26, dem Kreditportal Smava, der DKB oder dem Vergleichsportal Check24. Konkurrenten sind Anbieter wie Finapi, das mittlerweile der Schufa gehört.

Tink aus Schweden ist in 18 Märkten aktiv und wird von rund 3.400 Finanzdienstleistern mit 250 Millionen Kunden genutzt, darunter auch Paypal, BNP Parisbas, ABN Amro und American Express. Tink hatte im letzten Jahr eine Finanzierungsrunde von insgesamt 175 Millionen Euro eingesammelt. 400 Menschen arbeiten für Tink, gerade mal 67 sind es bei Fintecsystems.

Der Kauf überrascht vor allem, da Fintecsystem erst im August letzten Jahres angekündigt hatte, in 2021 eine Finanzierungsrunde abschließen zu wollen. Zwölf bis 15 Millionen Euro wollte das Startup aus München dafür einsammeln, wie CEO Stefan Krautkrämer dem Medium Finance Forward sagte. Eine halbe Million gab es damals vorab als Puffer von den Investoren des Fintechs, zu denen neben Wagniskapitalgeber Ventech auch Reimann Investors, ein Family Office der Familie Reimann, zählt.. Dieses entstand, als sich Ende der 1990er Jahre Teile der Reimann-Familie, eine der reichsten Familien Deutschlands, von ihrer Beteiligung am früheren Familienunternehmen getrennt haben. Mittlerweile ist das Family Office auch für externe Anleger geöffnet. Den übrigen Teil der Familie zieht es nicht in die Fintech-Welt: über ihre Holding JAB halten die Reimanns Anteile anLuxusmarken wie Coty, Sandwich-Ketten wie Pret-a-manger oder Kaffeemarken wie Jacobs.

Reimann Investors war 2017 bei Fintecsystems eingestiegen, als führender Investor einer 4,5 Millionen Euro Runde. Sie hielten zuletzt 20 Prozent an dem Fintech, VC Ventech, die bereits 2016 eingestiegen waren, knapp 30 Prozent.

Tink kauft Fintecsystem vom Reimann Family Office

Durch die Übernahme von Tink sind alle Beteiligung bei Fintecsystems abgelöst. "Es ist eine 100 Prozentige Akquisition", sagt Tink-Chef Daniel Kjellén im Gespräch mit Business Insider. Laut den letzten Zahlen soll Fintecsystems 2019 einen Umsatz in Höhe von 3,12 Millionen Euro gemacht haben, in 2020 waren sechs Millionen Euro angepeilt. Auch die Verluste nahmen ab, das Startup soll schwarze Zahlen geschrieben haben.

Warum also der Strategie-Wechsel von Finanzierungsrunde hin zum Verkauf an Tink? "Wir kannten Fintecsystems schon eine lange Zeit und sahen es als Chance, unsere Kräfte zu bündeln und gemeinsam als eine Plattform unseren Kunden den besten Service zu bieten. Fintecsystems ist sehr stark, was Bonitätsprüfungen angeht, sie haben ein sehr gutes Team und Management", so Kjellén.

Fintecsystem-CEO Krautkrämer bleibe an Bord. Allerdings soll der Zusammenschluss der beiden Firmen vorangetrieben werden. "Wir werden unsere Kräfte ergänzen und gemeinsam und nicht nebeneinander arbeiten. Es wird ein Team geben", sagt Kjellén auf die Frage, was mit dem Aufbau des Tink-Standortes in Deutschland passieren soll. Um eine Änderung der Marke auszuschließen, sei es noch zu früh.

Eine Besonderheit bei Tink ist, das auch einzelne Entwickler die Platform nutzen können, über 10.000 nehmen das Angebot schon wahr. "Wir haben das Angebot auf sie zugeschnitten, denn das nächste Revolut könnte schon in der Garage an einer Idee basteln - und da wollen wir früh in den Dialog treten", sagt Kjellén.

Dabei soll auch das eigene Wachstum steigen: zu den derzeit 400 Mitarbeitern, will Tink noch 200 in diesem Jahr einstellen. Er freue sich jedenfalls sehr auf den deutschen Markt, so Kjellén. "Das war ein wichtiges Puzzleteil."

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