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Schwaches Ergebnis trotz Boom: Zahlungsdienstleister Concardis musste 2019 gestützt werden

Atzler, Elisabeth
·Lesedauer: 3 Min.

Concardis häufte 2019 hohe Verluste an und brauchte Hilfe der dänischen Mutter Nets. Das lag unter anderem an der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook.

Zahlungsdienstleister sind bei Investoren aktuell sehr begehrt. Während viele Firmen aus der Branche die Geldgeber locken, musste der Eschborner Zahlungsdienstleister Concardis im Jahr 2019 durch seinen Eigentümer Nets gestützt werden. Wie aus dem Concardis-Geschäftsbericht für 2019 hervorgeht, erhielt die Firma einerseits einen Gesellschafterzuschuss in Höhe von 152 Millionen Euro. Zudem gab es eine weitere Verlustübernahme von gut 39 Millionen Euro.

Neben der Gesamtsumme in Höhe von 191 Millionen Euro erhält Concardis weitere 60 Millionen Euro aus der Nets-Gruppe. Dafür gab es aber eine Gegenleistung. Es ging laut Geschäftsbericht um „die Veräußerung selbst entwickelter Software und Weiterbelastung von Kosten“.

Der Newsletter „Finanz-Szene“, der zuerst über das schlechte Ergebnis berichtet hatte, verweist darauf, dass der insolvente Reisekonzern Thomas Cook ein großer Kunde von Concardis war. Im Geschäftsbericht 2019 heißt es auch, dass Abschreibungen und Wertberichtigungen „vornehmlich durch den Ausfall einzelner Kunden aus der Tourismus- und Luftfahrtbranche beeinflusst“ worden seien. Thomas Cook hatte im Herbst 2019 einen Insolvenzantrag gestellt.

Bis dahin war Concardis Acquirer für Thomas Cook gewesen. Der Acquirer, auch Händlerbank genannt, übernimmt die Zahlungsabwicklung vom Konto des Verbrauchers, der in diesem Fall beispielsweise eine Reise buchen will. Zudem geht er in der Regel in Vorleistung und muss das Risiko tragen, sollte ein Händler oder ein anderer Kunde zahlungsunfähig werden. Concardis selbst äußerte sich nicht zum Geschäftsbericht 2019.

Concardis gehörte einst den deutschen Banken

Concardis hat eine besondere Geschichte: Die Firma gehörte lange den deutschen Kreditinstituten. Anfang 2017 verkauften die Sparkassen-Finanzgruppe, die privaten Banken sowie die genossenschaftliche DZ Bank Concardis an die Finanzinvestoren Advent und Bain. Diese veräußerten den Zahlungsdienstleister ein Jahr später teils an Nets, das in Besitz von Hellman & Friedman war. Nets gehört heute den drei angeführten Finanzinvestoren.

Ende 2020 haben Nets und der Zahlungsdienstleister Nexi aus Italien mitgeteilt, dass sie einen Zusammenschluss anstreben. Das fusionierte Unternehmen wäre an der italienischen Börse notiert. In der Payment-Branche gab es zuletzt eine Reihe von Übernahmen. So hat Worldline aus Frankreich gerade erst Ingenico geschluckt. Beobachter rechnen mit weiteren Fusionen.

Eigentlich gelten Payment-Firmen als Profiteure der Coronakrise. Erstens zahlen immer mehr Menschen an der Ladenkasse mit Karte und Smartphone statt mit Bargeld. Zweitens boomt der E-Commerce während der Pandemie. Gerade neue Zahlungsdienstleister wie Adyen und Checkout.com haben zuletzt das Transaktionsvolumen von Zahlungen im Online-Shopping kräftig gesteigert.

Doch für Concardis könnte auch das Jahr 2020 vergleichsweise schlecht gelaufen sein. Im Geschäftsbericht 2019 heißt es, die Firma rechne aufgrund von Covid-19 mit nicht unerheblichen Verminderungen des Ergebnisses 2020. Concardis sei in den besonders von der Coronakrise getroffenen Segmenten, etwa der Luftfahrt- oder Touristikbranche, engagiert. „Positive Effekte könnten dagegen aus dem Online-Business sowie der weiteren Steigerung des Anteils an Kartenzahlungen infolge der Covid-19-Pandemie zum Tragen kommen“, heißt es außerdem.