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Im Schuhhandel bahnt sich ein Preiskrieg an

Essen (dapd). Im deutschen Schuhhandel bahnt sich ein Preiskrieg an. Europas größter Schuhkonzern Deichmann, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiert, will zum Jubiläum seinen Marktanteil weiter ausbauen. Dafür sei das Familienunternehmen sogar bereit, Abstriche beim Rohertrag in Kauf zu nehmen, sagte Firmenchef Heinrich Deichmann am Donnerstag in Essen.

Zwar steige auch beim Essener Familienunternehmen durch Lohnsteigerungen in wichtigen Lieferländern wie China und durch den starken Dollar der Kostendruck. "Wir wollen das aber nicht an unsere Kunden weitergeben", kündigte der Firmenchef an.

Deichmann betonte, das Familienunternehmen fühle sich auch 100 Jahre nach seiner Gründung "fit wie ein Turnschuh". Im vergangenen Jahr steigerte der Schuhkonzern seinen Umsatz um 7,4 Prozent auf die Rekordhöhe von 4,5 Milliarden Euro. Weltweit verkaufte Deichmann 165 Millionen Paar Schuhe. Auch der Gewinn habe sich wieder "sehr zufriedenstellend entwickelt", sagte der Unternehmer. Genau Zahlen nennt Deichmann dazu traditionell nicht.

Selbst auf dem von Umsatzrückgängen geprägten deutschen Markt wuchs das auf preisgünstige Schuhe spezialisierte Unternehmen gegen den Trend um 3,7 Prozent. Rund jedes fünfte in Deutschland verkaufte Paar Schuhe geht inzwischen bei Deichmann über den Ladentisch.

Und ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht. "Die Signale stehen weiterhin klar auf Expansion", sagte der Firmenchef. Allein in diesem Jahr will der Konzern 266 neue Filialen eröffnen - vor allem im Ausland. Doch auch in Deutschland sieht das Unternehmen in den nächsten Jahren noch Platz für rund 200 weitere Deichmann-Filialen. Außerdem prüft das Unternehmen den Einstieg in den russischen Markt.

"Das Unternehmen soll den Menschen dienen"

Auch im Internet ist das 1913 gegründete Unternehmen längst präsent. International betreibt Deichmann 13 Online-Shops. "Sie entwickeln sich alle prächtig und verdienen Geld", sagte der Firmenchef. Die Wachstumsraten im E-Commerce lägen zwischen 40 und 65 Prozent. Angaben zum Anteil des Online-Geschäfts am Gesamtumsatz machte der Unternehmer nicht.

Begonnen hatte die Geschichte von Deichmann mit einem Schuhmacherladen im Essener Arbeiterstadtteil Borbeck, der 1913 von Heinrich Deichmann gegründet wurde. Er verkaufte haltbare und preisgünstige Schuhe an die Bergleute im Revier. Doch erst sein Sohn Heinz-Horst Deichmann machte in den Wirtschaftswunderjahren nach 1945 aus dem Essener Schuhladen eine florierende Handelskette. Dabei setzte das Unternehmen von Anfang an auf günstige Preise. Noch heute liegt der Durchschnittspreis der verkauften Schuhe bei Deichmann bei rund 20 Euro.

Nach der Eroberung des deutschen Markts folgte ab 1984 Schritt für Schritt die Internationalisierung. Heute ist das Unternehmen in 21 europäischen Ländern und den USA vertreten. Doch beschränkt sich die tiefreligiöse Gründerfamilie nicht nur auf das Geschäft. Gemäß dem Firmenmotto "Das Unternehmen soll den Menschen dienen" betreibt sie Entwicklungshilfeprojekte in Ländern wie Indien, Tansania und Moldawien. Auch in Deutschland fördern die Milliardäre soziale Projekte gegen Armut und Obdachlosigkeit.

dapd