Deutsche Märkte geschlossen

Ein Schotte kaufte ein verlassenes Steinhaus in seinem Dorf und verwandelte es in sein erstes Tiny House

Das Haus nach der Renovierung. - Copyright: George Dunnett
Das Haus nach der Renovierung. - Copyright: George Dunnett

George Dunnett wuchs in dem kleinen schottischen Dorf Kinnesswood, etwa eine Stunde nördlich von Edinburgh, auf. Jahrelang ging er an einem verlassenen zweistöckigen Haus in der Nähe seines Elternhauses vorbei.

George Dunnett vor seinem renovierten Tiny House. - Copyright: George Dunnett
George Dunnett vor seinem renovierten Tiny House. - Copyright: George Dunnett

Im Dorf Kinnesswood stehen viele schöne Häuser. Dieses Gebäude aber war eines der wenigen, das nahezu verfallen war. Es war alt und verwittert, und das Mauerwerk war voller Risse.

"Es war ziemlich baufällig, und ich fand es immer ein bisschen schade, dass es in diesem Zustand belassen wurde", sagte Dunnett, ein 28-jähriger Videoeditor, zu uns im Gespräch. Trotz des schlechten Zustands sah er das Potenzial des Hauses. Dunnett beschloss, das Haus zu kaufen und es in sein erstes Eigenheim zu verwandeln.

Das Problem: Das 37-Quadratmeter-Haus war weder ordentlich isoliert, noch hatte es fließendes Wasser. Es hatte nicht einmal einen richtigen Fußboden.

Das Haus, als Dunnett es gekauft hat. - Copyright: George Dunnett
Das Haus, als Dunnett es gekauft hat. - Copyright: George Dunnett

Dunnett kaufte das Haus im Oktober 2020 für 55.386 Britische Pfund (circa 65.000 Euro). Business Insider hat den Kaufbeleg von Dunnett eingesehen, um den Preis zu überprüfen.

"Der Boden bestand im Grunde nur aus Erde und Lehm. Es gab keinen Betonboden", sagte Dunnett. "Die Fenster waren schlecht. Das Dach brauchte ziemlich viel Arbeit. Es war im Grunde nur ein Rohbau." Aufgrund des Alters des Gebäudes mussten auch Teile des Fundaments aus Sicherheitsgründen verstärkt werden. Es gab eine Menge baulicher Arbeiten, die erledigt werden mussten.

Innen war alles von einer dicken Schicht aus Staub und Spinnweben bedeckt. Seit über 50 Jahren hatte niemand mehr in dem Gebäude gewohnt. Die Vorbesitzer hatten es als Lagerraum genutzt.

Die Vorbesitzer nutzten das Haus als Lagerraum. - Copyright: George Dunnett
Die Vorbesitzer nutzten das Haus als Lagerraum. - Copyright: George Dunnett

"Es gibt eine Familie im Dorf, die im Laufe der Jahre eine Reihe von Grundstücken erworben hat", sagte Dunnett. "Das war eines der Grundstücke, die ihnen gehörten." Nach dem, was er von anderen Dorfbewohnern erfahren hat, schätzt Dunnett, dass das Gebäude auf das Jahr 1700 zurückgeht, und dass dort früher religiöse Bücher gebunden und verteilt wurden.

"Die Leute haben gesagt, dass es früher mit einer Kirche verbunden war, die abgerissen wurde, und nun der Garten des Nachbarn ist", sagte er. Nachdem er das Haus ausgeräumt hatte, bewertete Dunnett den Zustand des Hauses mithilfe von Experten.

Der Boden des Hauses nachdem Dunnett es leergeräumt hatte. - Copyright: George Dunnett
Der Boden des Hauses nachdem Dunnett es leergeräumt hatte. - Copyright: George Dunnett

Beide Etagen des Hauses haben einen offenen Grundriss, ohne Innenwände, die die Etagen in Zimmer unterteilen. Außer einem alten Kamin und einer wackeligen Holztreppe gab es in dem Haus sowieso fast nichts, so Dunnett.

Die Bauarbeiter stellten fest, dass Teile einer Wand verstärkt werden mussten und dass der alte Kamin aus Sicherheitsgründen mit Brettern vernagelt werden musste.

Das obere Stockwerk, nachdem Dunnett alles ausgeräumt hatte. - Copyright: George Dunnett
Das obere Stockwerk, nachdem Dunnett alles ausgeräumt hatte. - Copyright: George Dunnett

Die Wand an der Seite des Hauses, an der sich der Schornstein befand, erwies sich als hohl und instabil, so Dunnett. "Es wäre natürlich ein Albtraum gewesen, wenn das Haus zusammenbrechen würde, während ich darin wohne", fügte er hinzu.

Dunnett arbeitete mit den Bauarbeitern zusammen, um den kleinen Raum optimal zu nutzen und das Haus nach seinen Vorstellungen zu gestalten.

Der erste Stock während der Renovierung. - Copyright: George Dunnett
Der erste Stock während der Renovierung. - Copyright: George Dunnett

Der Plan sah vor, im unteren Stockwerk zwei Räume abzutrennen, für ein Schlafzimmer und ein Badezimmer, so Dunnett. Der kombinierte Wohn-, Küchen- und Essbereich würde sich im zweiten Stock befinden. Nach dem Verlegen von Zement als Bodenbelag erhöhten die Bauarbeiter die Decke der oberen Etage und isolierten die Wände.

"Mit der ganzen Isolierung war es wirklich schön, im kalten Winter hierherzukommen und es halbwegs warm zu haben", sagte Dunnett. Der einzige Nachteil war, dass er die ursprünglichen Ziegelwände im Inneren des Hauses nicht freilassen konnte. Und: Die Reparaturarbeiten am Dach waren viel umfangreicher, als Dunnett erwartet hatte.

Die Bauarbeiter mussten ein Gerüst installieren, um das Dach zu reparieren. - Copyright: George Dunnett
Die Bauarbeiter mussten ein Gerüst installieren, um das Dach zu reparieren. - Copyright: George Dunnett

Die Bauarbeiter stellten fest, dass das Dach nicht stabil war und Probleme mit der Abdichtung hatte, so Dunnett. "Aus diesem Grund gab es einige unerwartete Kosten für das Gerüst und die anschließenden Reparaturarbeiten", fügte er hinzu.

Die Steine, die das Haus von außen säumten, waren kaputt. Dunnett beauftragte einen Steinmetz, sie zu reparieren.

Für die Baurbeiten musste ein Gerüst aufgestellt werden. - Copyright: George Dunnett
Für die Baurbeiten musste ein Gerüst aufgestellt werden. - Copyright: George Dunnett

"Der Steinmetz musste kommen und die gesamte Zementfüllung um die Steine herum neu verfugen, um sie sicher und wasserdicht zu machen", sagte er. An der Vorderseite des Hauses wurden neue Fenster eingebaut, und auf dem Dach wurde ein Oberlicht angebracht.

Mit der restaurierten Fassade nahm das Haus langsam Form an. - Copyright: George Dunnett
Mit der restaurierten Fassade nahm das Haus langsam Form an. - Copyright: George Dunnett

Als die Außenreparaturen abgeschlossen waren, nahm das Haus allmählich Gestalt an. "Die Fenster brachten so viel natürliches Licht in das Gebäude und ließen es wie ein Haus aussehen und nicht nur wie ein leeres Gebäude an der Straße", so Dunnett.

Nachdem die Elektroinstallation abgeschlossen war, konnten die Bauarbeiter die Trockenbauwände anbringen.

Nach der Elektroinstallation konnten die Trockenbauwände installiert werden. - Copyright: George Dunnett
Nach der Elektroinstallation konnten die Trockenbauwände installiert werden. - Copyright: George Dunnett

Das Haus hatte kein ordentliches Verkabelungssystem, das den Anforderungen eines modernen Hauses gerecht geworden wäre, so Dunnett.

"Nachdem die meisten Installationen abgeschlossen waren, konnte der Tischler die Gipskartonplatten anbringen, um die Räume im Erdgeschoss abzutrennen", sagte er. "Dadurch konnte ich sehen, wie der Raum funktionieren würde, und die Innenräume sahen viel sauberer aus.

Dunnett ließ Eichenparkettböden im Haus verlegen. Anschließend strichen seine Mutter und er die Wände.

Dunnetts Schlafzimmerwand hat er in Dunkelgrau gestrichen. - Copyright: George Dunnett
Dunnetts Schlafzimmerwand hat er in Dunkelgrau gestrichen. - Copyright: George Dunnett

"Ich habe das ganze Haus weiß gestrichen, um es hell und fröhlich zu halten, aber im Schlafzimmer und im Badezimmer habe ich einige Akzente mit einem blaugrauen Farbton gesetzt", so Dunnett.

Das renovierte Haus verfügt über ein Schlafzimmer und ein Badezimmer in der unteren Etage und einen Wohnbereich, einen Essbereich und eine Küche in der zweiten Etage.

Zum Schluss ließ Dunnett ein Treppengeländer im Haus anbringen. Das sei der Moment gewesen, auf den er sich am meisten gefreut habe.

Die fertige Treppe mit Geländer. - Copyright: George Dunnett
Die fertige Treppe mit Geländer. - Copyright: George Dunnett

Bis zum Einbau der Treppe, hatte es keine Barriere gegeben, die den offenen Raum im zweiten Stock absperrte.

"Ich hasste es, die Leiter hinaufzusteigen, um nach oben zu gelangen, und dieses große Loch im Boden zu haben, durch das man den Beton sehen konnte", sagte Dunnett. "Ich hatte diese Angst, durch das Loch zu fallen und auf dem Kopf zu landen. Dunnetts Vater pflasterte den Vorplatz, um einen Gehweg vor dem Haus zu schaffen.

Der gepflasterte Vorplatz vor dem Haus. - Copyright: George Dunnett
Der gepflasterte Vorplatz vor dem Haus. - Copyright: George Dunnett

Dunnett dachte, es wäre eine nette Idee, Kopfsteinpflaster vor dem Haus zu haben, da die Straße, an der das Haus liegt, als "The Cobbles" bekannt ist.

"Früher war die Straße komplett gepflastert, obwohl sie vor einiger Zeit asphaltiert wurde", sagte er. Die Renovierungsarbeiten dauerten knapp ein Jahr, so Dunnett.

Dunnetts fertig eingerichtetes Schlafzimmer. - Copyright: George Dunnett
Dunnetts fertig eingerichtetes Schlafzimmer. - Copyright: George Dunnett

Die Renovierungsarbeiten begannen im Januar 2021. Der größte Teil des Projekts wurde im August abgeschlossen, und die letzten Arbeiten – das Treppengeländer – wurden im November beendet.

Ende November zog Dunnett in sein Tiny House ein. "Das ist das erste Mal, dass ich aus dem Haus meiner Eltern ausgezogen bin", sagte er. Insgesamt kosteten die Renovierungsarbeiten 102.458 Pfund (über 120.000 Euro), so Dunnett.

Dunnetts Schlafzimmer zeigt in Richtung der zwei Fenster auf der Vorderseite des Hauses. - Copyright: George Dunnett
Dunnetts Schlafzimmer zeigt in Richtung der zwei Fenster auf der Vorderseite des Hauses. - Copyright: George Dunnett

"Mit dem Geld, das ich im Laufe der Jahre durch meine Arbeit als Videoeditor und meine YouTube-Kanäle gespart habe, habe ich das Haus und alle Arbeiten und die Einrichtung selbst bezahlt, abzüglich der Kreditsumme", sagte er.

Dunnett schätzt, dass er für das gesamte Projekt, einschließlich des Kaufs der Hütte, 157.844 Britische Pfund (mehr als 185.000 Euro) ausgegeben hat. Nach der Renovireung hat Dunnett einen Ratschlag für andere, die das Gleiche tun wollen: Rechnet damit, dass es länger dauert und mehr kostet, als ihr denkt.

Das neue Badezimmer. - Copyright: George Dunnett
Das neue Badezimmer. - Copyright: George Dunnett

"Ich war ziemlich naiv, was die Dauer der Arbeiten angeht", so Dunnett. "Anfangs sagte mir der Bauunternehmer, es würde zwei Monate dauern und 40.000 Pfund kosten, um alles zu erledigen. Aber mit der Zeit, wenn die Bauarbeiten voranschreiten, merkst du: Es dauert mindestens doppelt so lang und wird doppelt so teuer."

Da das Haus an einer belebten Straße liegt, sind viele Leute aus dem Dorf vorbeigekommen, um mit Dunnett über sein Haus zu sprechen.

Das Wohnzimmer im oberen Stockwerk. Die meisten Möbel hat Dunnettüber das Internet gekauft. - Copyright: George Dunnett
Das Wohnzimmer im oberen Stockwerk. Die meisten Möbel hat Dunnettüber das Internet gekauft. - Copyright: George Dunnett

"Sie sagten alle dasselbe: Sie fanden es immer schade, dass das Gebäude ungenutzt blieb, und es schön sei, dass jemand aus der Gegend etwas Schönes daraus macht", so Dunnett.

Dunnett hat bereits ein Auge auf ein anderes renovierungsbedürftiges Haus in der Nähe geworfen, das er zusammen mit seinem Bruder kaufen möchte. Dieses Mal möchte er es selbst renovieren.

Die Küche in Dunnetts Tiny House. - Copyright: George Dunnett
Die Küche in Dunnetts Tiny House. - Copyright: George Dunnett

Dunnett bedauert unter anderem, dass er nicht über die Fähigkeiten verfügt, das Haus selbst zu renovieren. Aber jetzt, wo er gesehen hat, wie die Bauarbeiter an seinem Haus gearbeitet haben, will er sich an einem neuen Renovierungsprojekt versuchen.

Das nahe gelegene Cottage ist "kein so schwieriges Projekt – das ist nur ein Gebäude, an dem innen etwas gemacht werden muss", sagte Dunnett. "Ich werde also versuchen, alles selbst zu erledigen und zu schauen, wie viel ich schaffe."

Dieser Artikel wurde von Ben Peters aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.