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Ist das schon Hunde-Mobbing? "Supertalent"-Juroren wollen Vierbeiner-Sieg verhindern

Christina Raftery
·Lesedauer: 4 Min.

Schon viermal gewannen Hundedressuren bei "Das Supertalent", zuletzt im vergangenen Jahr Chihuahua Percy. Einen neuerlichen Vierbeiner-Triumph wollen Teile der Jury mit allen Mitteln verhindern. Doch dann kam Collie Ayden ...

"Supertalent" ist, wenn wochenlang Komiker, Akrobaten, Körperverrenker, Magier und Sänger aller Couleur bei der Jury vorsprechen. Und am Ende gewinnt eine Hundedressur. Das ist etwas zugespitzt formuliert. Doch vier Wauzi-Siege in 13 Staffeln sprechen eine deutliche Sprache. Und sie haben Spuren hinterlassen, zumindest beim prominenten Personal der RTL-Show. Ist das schon Vierbeiner-Mobbing?

"Ich lasse keine Hunde mehr durch": Bei der jüngsten "Supertalent"-Ausgabe zeigte sich Bruce Darnell kategorisch. Zum Entsetzen von Hundetrainerin Melanie Felix (35) aus dem norddeutschen Mollendorf. "Das musst du dir gleich noch mal überlegen", empfahl sie dem strengen Juror und legte mit ihrem vier Jahre alten Collie Ayden ("Mein persönliches kleines Supertalent") einen charmanten Tanz aufs Studioparkett.

Der leichtfüßige "Dog Dance" verfehlte seine Wirkung nicht: Kollektive Wohlfühl-Seufzer vonseiten der Jury. Besonders Dieter Bohlen war begeistert: "Ganz große Klasse! Bei meinem Hund Rocky funktioniert das alles leider gar nicht. Da tun wir stundenlang herum, und er gibt nicht mal Pfötchen - für kein Leckerli der Welt." Kollege Chris Tall lieferte die Erklärung für Aydens ungleich engagiertere Performance: "Ich hab hier Steak unter dem Pult. Kann sein, dass er das gerochen hat."

"Das Supertalent" (RTL): "Oh my dog!"

Bruce Darnell musst seine anfängliche Skepsis revidieren: "Das war leider gut, verdammt sehr, sehr gut. Man sieht, dass es ihm Spaß macht. Tolle Leistung, toller Hund, oh my God!" - "Oh my dog!", korrigierte Chris Tall, aber drückte als einziger Juror auf "Nein". Nicht, weil die Performance schlecht gewesen sei, sondern: "Wenn Ayden ins Finale kommt, gewinnt er auch." - "Du hast Recht, ein großes Problem", fiel es Dieter Bohlen da wie Schuppen von den Augen. Ayden sei auf jeden Fall "schlechter" gewesen als Vorjahressieger Percy. Aber: "Dadurch ist er irgendwie auch besser - denn Melanie ist ein Mädchen aus Hamburg und macht das so nebenbei."

Charme vor Spektakel! Und Melanie hatte einen neuen Klienten für ihre Hundeschule. "Würde Ayden auch auf meinen Rücken klettern?", wollte Bohlen ausprobieren - die Probe aufs Exempel gelang auf Anhieb. "Du kommst mal bei uns vorbei", buchte er Melanie direkt für Rocky. "Eure Verbindung ist toll! Ich will auch jemanden, der so fixiert auf mich ist und mir immer wieder vermittelt: Dieter, du bist der Pop-Titan ..."

Evelyn Burdecki spürt ein "inneres Kribbeln"

Einer ähnlichen Fixierung unterlag Jurorin Evelyn Burdecki beim Act der Brüder Soffien (30), Karim (32) und Yassin (27) Messoudi. Die in Australien geborenen marokkanisch-englischen Mitglieder einer Zirkusfamilie hatten nie eine andere Wahl als Artistik: Fotos zeigen, wie sie ihr Vater bereits als Babys in den Handstand brachte. "Soweit ich weiß, kann ich das schon immer", erinnerte sich Karim, der auch bereits mit seinem Sohn übt.

Ihre extreme Körperspannung zeigte sich auch in den Muskeln der Messoudis: Eine besondere Augenweide nicht nur für Evelyn (und Bruce). "Was zeigt ihr uns heute?", fragte die Jurorin die im Anzug auftretenden Brüder. "Was Evelyn eigentlich wissen möchte: Sieht man gleich noch mehr Körper?"; kam ihr Chris Tall zur Hilfe. "Überraschung!" lächelte Karim.

Das, was folgte, erzeugte schon beim Zusehen Muskelkater. Die Show erhielt nicht nur spektakuläre Handstände, sondern Sixpacks, an denen auch Beton zerschellen würde. Ach was: "Twentypacks", schwärmte Evelyn. "Ich sitze hier ja als einzige Frau zwischen lauter schönen Männern. Da macht es Spaß, so einen Act zu sehen." Dann reagierte die Jurorin auf ihr "inneres Kribbeln" und drückte den "Goldenen Buzzer": "Man soll ja auch beim 'Supertalent' auf sein Gefühl hören."

Die "Messoudi Brothers" sind also im Finale: "Selten sah unser Glitter besser aus als an diesen Oberkörpern", lobte auch Moderator Daniel Hartwich und dachte dabei selbstlos an das Backstage-Team: "Macht ihn nicht weg. Dafür haben wir Mitarbeiterinnen."

"Abtörnend": Dieter Bohlen disst Burlesque-Tänzerin

Auf weit weniger Gegenliebe stießen zwei gänzlich verschiedene Verführerinnen aus der Burlesque-Ecke. Dabei hatte schrill-dralle Ginger Snap für ihre freizügige Luftakrobratnummer immerhin ein lebensbejahendes Motto wider die Geißel Bodyshaming im Gepäck: "Es gibt nichts an mir, wofür ich mich schämen müsste." Jedoch gab es umgekehrt an ihr auch wenig, was die Jury lobenswert fand: "Ein bisschen Karussellfahren reicht nicht", beschied Dieter Bohlen der fröhlichen Ginger.

Mit einem konventionelleren Erotikkonzept setzte sich die professionelle Ballett- und Burlesque-Tänzerin "Mademoiselle Parfait de la Neige" im RTL-Studio in Szene. Doch auch sie traf nicht den Nerv der Jury. "Abtörnend" nannte Bohlen die Mischung aus Burlesque und Spitzentanz mit kokettem Fächereinsatz. Madame wusste zu kontern: "Geschmackssache". Da mochte sie Recht haben. Für den ersehnten Einzug ins Finale half ihr die Erkenntnis jedoch wenig.