Werbung
Deutsche Märkte geschlossen
  • DAX

    17.930,32
    -24,16 (-0,13%)
     
  • Euro Stoxx 50

    4.955,01
    -11,67 (-0,23%)
     
  • Dow Jones 30

    37.983,24
    -475,84 (-1,24%)
     
  • Gold

    2.360,20
    -12,50 (-0,53%)
     
  • EUR/USD

    1,0646
    -0,0085 (-0,79%)
     
  • Bitcoin EUR

    63.511,08
    -3.234,71 (-4,85%)
     
  • CMC Crypto 200

    885,54
    0,00 (0,00%)
     
  • Öl (Brent)

    85,45
    +0,43 (+0,51%)
     
  • MDAX

    26.576,83
    -126,35 (-0,47%)
     
  • TecDAX

    3.326,26
    -28,04 (-0,84%)
     
  • SDAX

    14.348,47
    -153,01 (-1,06%)
     
  • Nikkei 225

    39.523,55
    +80,92 (+0,21%)
     
  • FTSE 100

    7.995,58
    +71,78 (+0,91%)
     
  • CAC 40

    8.010,83
    -12,91 (-0,16%)
     
  • Nasdaq Compositive

    16.175,09
    -267,10 (-1,62%)
     

Scholz in der sächsischen Höhle des Löwen: Fünf Themen des Tages

(Bloomberg) -- Michael Nienaber über einen Besuch in der Provinz. — Abonnieren Sie unseren Newsletter Fünf Themen des Tages und erhalten Sie Sonntags das Hauptstadtgeflüster direkt in ihre Mailbox.

Weitere Artikel von Bloomberg auf Deutsch:

Kanzler im Vorwahlkampf

Im Kampf gegen die rechtsextreme AfD sucht Bundeskanzler Olaf Scholz die Flucht nach vorn. Und diese Strategie führt ihn heute nach Sachsen. Dort droht den drei Parteien der Ampel-Koalition eine herbe Schlappe bei den Kommunal- und Europa-Wahlen im Juni. Und bei der Landtagswahl im September könnte die AfD sogar erstmals stärkste Kraft werden, was die Bildung einer Koalition auf Landesebene erschweren dürfte.

WERBUNG

Bei seinem Besuch in Sachsen sucht Scholz den Schulterschluss mit Unternehmen, Arbeitnehmern und Vertretern der Zivilgesellschaft. Seine Botschaft ist dabei klar: Gegen die Feinde der Demokratie müssen wir alle aufstehen. Auf dem Programm des Bundeskanzlers stehen Firmenbesuche bei den Elbe Flugzeugwerken, einem der größten Arbeitgeber der Region, sowie bei Nomos Glashütte, einer Uhrenmanufaktur im Erzgebirge, die sich mit Workshops für Meinungsvielfalt und Toleranz innerhalb der Belegschaft einsetzt.

Beide Unternehmen sehen in der AfD ein wachsendes Risiko für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Und bei den Elbe Flugzeugwerken geht das Management noch einen Schritt weiter. “Sollte die AfD an die Macht kommen und ihre politischen Vorstellungen in die Tat umsetzen, wird sich das auf uns auswirken”, sagt CEO Jordi Boto in einem Bloomberg-Interview. “Die Reaktionen unserer internationalen Kunden, Partner, Mitarbeiter aber auch Anteilseigner sind klar: Wir werden in Betracht ziehen müssen, unsere Standortentscheidung zu überdenken und die Aktivitäten verstärkt auf globale Standorte zu verlagern.”

Die AfD als Job-Killer — das wird Scholz vermutlich gerne hören. Im Gegenzug werden seine Gesprächspartner in Sachsen ganz Ohr sein, wenn er ihnen erklärt, wie er die Wirtschaft denn nun aus der Stagnation und die nicht enden wollenden Streitereien innerhalb der Ampel-Koalition beenden will.

Was Marktteilnehmer heute noch bewegen könnte, berichten Ihnen Rainer Bürgin, Alexander Kell und Boris Groendahl: Bremsspuren, verfehlte Zinshoffnungen, hoppla, unter noch mehr Druck, und Goldkehlchen.

Bremsspuren

Die Zinserhöhungen schlagen sich weiter in den Bankbilanzen nieder, aber nach dem warmen Regen steigender Zinsüberschüsse treten nun mehr und mehr die negativen Folgen in den Vordergrund. Da sind zum einen die sich langsam, aber gewaltig aufbauenden Abschreibungen bei Immobilienkrediten in den USA und anderswo, die heute bei der Aareal in Gestalt von achtmal so hohen Risikovorsorgen im Schlussquartal herausapern. Die Erste Bank (“der österreichischen Sparkassen”, wie sie früher einmal hieß) konnte im letzten Jahr den Zinsüberschuss noch um satte 21% steigern, blickt im laufenden aber eher auf einen leichten Rückgang. Dafür dürften sich bei ihr die Risikovorsorgen vervierfachen, was Finanzchef Stefan Dörfler vor allem auf die nachlassende Konjunktur schiebt. Die macht sich auch bei der DZ-Bank-Tochter TeamBank bemerkbar, die sich auf Konsumkredite spezialisiert hat. Bezüglich des Signa-Engagements der Tochter R+V zeigt die DZ Anflüge von Selbstkritik.

Verfehlte Zinshoffnungen

Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist im Februar mit einem saisonbereinigten Anstieg um 11.000 gegenüber Januar doppelt so stark gestiegen wie erwartet, die Quote verharrt bei 5,9%. Die Inflation hingegen dürfte sich im laufenden Monat erwartungsgemäß auf rund 2,8% abschwächen von 3,1% im Januar, so die BI-Analysten nach Sichtung der ersten Länderdaten. Die Gesamtinflation wird wohl im zweiten Halbjahr unter 2% fallen, während die Kernrate das ganze Jahr über der Gesamtrate liegen wird, so BI. Für Spanien und Frankreich sehen die BI-Nowcast-Modelle auch für März höher als bisher erwartete Inflationsraten voraus, nachdem die Monatsdynamik im Februar bereits die Schätzungen übertroffen hatte. Letzteres dürfte “jedes Gerede über eine Zinssenkung durch die EZB im April, das bereits jetzt schwach ist, zunichte machen”, schreibt Ven Ram im Markets Live Blog. Und die langfristigen Zinsen? Die dürften weltweit steigen, da die von Ben Bernanke einst diagnostizierte Ersparnis-Schwemme aufgrund von Demografie und Geopolitik ausläuft. “Der Abwärtsdruck auf die weltweiten realen Zinssätze, der einen Großteil der Ära der Globalisierung gekennzeichnet hat, sollte sich umkehren”, so Ex-EZB-Chef Mario Draghi.

Hoppla

Die Aktie von AMS-Osram hat seit der Erholung des Jahres 2020 über 80% an Wert verloren. Dass es aber 45% an einem Tag abwärts geht, gab es bei dem Titel noch nie. Auslöser des heutigen Ausverkaufs war eine Adhoc-Mitteilung vom Mittwochabend: “Das Schlüsselprojekt der microLED-Strategie wurde heute unerwartet storniert.” Damit stünden die künftigen Nutzungsmöglichkeiten aller Vermögenswerte im Segment in Frage, hieß es vom deutsch-österreichischen Sensor- und Diodenspezialisten. Abschreibungen von bis zu 900 Millionen Euro drohen, und weitere Sparmaßnahmen. Unterdessen prüft Thyssen laut Handelsblatt die Schließung von mindestens einem Hochofen und zwei Walzwerken. 5.000 Stellen stehen auf der Kippe. Bayer indessen kam in einem Roundup-Entschädigungsfall in den USA vergleichsweise glimpflich davon. Die Zahlung an einen Krebserkrankten wurde von 332 Millionen Dollar auf 28 Millionen reduziert.

Unter noch mehr Druck

Angesichts unzureichenden Munitionsnachschubs aus dem Westen fürchtet die Militärführung in Kiew informierten Kreisen zufolge, dass der russische Vormarsch bis zum Sommer erheblich an Fahrt gewinnen könnte. Sollte die Stadt Odessa fallen, könnte die Ukraine den für den Getreideexport wichtigen Zugang zum Schwarzen Meer verlieren. Zudem könnten vorrückende Truppen Moskaus den Konflikt um die Region Transnistrien eskalieren, die sich von der an Rumänien angrenzenden Republik Moldau abspalten will und den Kreml um Unterstützung gebeten hat. Wladimir Putin indessen bekräftigte, Russland habe weder die Absicht, Europa anzugreifen noch Atomwaffen im All zu stationieren. Eine russische Trägerrakete hat indessen einen Satelliten des Iran in die Erdumlaufbahn gebracht. Morgen finden im Iran Parlamentswahlen statt. Der Oberste Führer Ali Khamenei setzt auf eine hohe Wahlbeteiligung, um dem Feind die “Stärke des Regimes” zu demonstrieren.

Goldkehlchen

Cyndi Lauper verkauft ihren Musikkatalog, darunter die 80er-Hits True Colors und Girls Just Wanna Have Fun, an die Pophouse Entertainment Group. Das schwedische Unternehmen, das von Abba-Star Björn Ulvaeus und EQT-Aufsichtsratschef Conni Jonsson gegründet wurde, gab am Donnerstag bekannt, dass es die Rechte an Laupers Musik für einen nicht genannten Betrag erworben habe und ein Joint Venture mit der Sängerin bilden werde, um den Katalog zu verwalten. Die Partner wollen Laupers Musik über Live-Auftritte, das Fernsehen und andere Projekte vermarkten. Interpreten in der Öffentlichkeit zu halten, wie es Pophouse mit Abba gelungen ist, kann die Gewinne, die Songbibliotheken abwerfen, verstetigen. Songs als Anlageklasse können relativ konstante Renditen erzielen. Rod Stewart hat Kreisen zufolge Anteile an seinen Rechten für fast 100 Millionen Dollar an die Iconic Artists Group verkauft, und Sony erwirbt laut Billboard die Hälfte des Musikkatalogs von Michael Jackson für mindestens 600 Millionen Dollar — der bisher größte Deal dieser Art. Es gibt auch Rückschläge: Hipgnosis Songs Fund, der Songs von Neil Young und Blondie im Katalog hat, strich im Oktober eine Zwischendividende.

Was sonst noch so passiert ist

  • Schoko-Knauserei

  • Vier-Milliarden-Revolver

  • Nvidia-Insider verkaufen

©2024 Bloomberg L.P.