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Scholz beißt mit China-Warnung bei deutschen CEOs auf Granit

(Bloomberg) -- Mitglieder der Bundesregierung drängen darauf, die Abhängigkeit Deutschlands von China zu verringern, aber die Chefs einiger der größten Exportunternehmen halten dagegen.

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Von der BASF SE und der Mercedes-Benz AG bis hin zur Siemens AG und der Volkswagen AG bemühen sich die Spitzenmanager, ihre Geschäftsinteressen von politischen Erwägungen zu trennen, die durch Moskaus Einmarsch in der Ukraine noch verstärkt wurden. War die Abhängigkeit Deutschlands von russischer Energie schon gefährlich groß, so reichen die wirtschaftlichen Verflechtungen mit China noch tiefer.

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Die asiatische Supermacht ist Deutschlands wichtigster Handelspartner mit einem Gesamthandelsvolumen von fast 300 Milliarden Euro im vergangenen Jahr, was knapp 8% der deutschen Wirtschaftsleistung entspricht. Neben massiven Investitionen in heimische Fabriken ist China ein wichtiger Lieferant von Teilen und Materialien sowie ein bedeutender Abnehmer deutscher Waren. Trotz politischer Bedenken hinsichtlich der globalen Ambitionen Pekings und der Spannungen mit den USA treiben die Unternehmen ihre Geschäftspläne voran.

Die BASF investiert bis zu 10 Milliarden Euro in ein Chemiewerk in Zhanjiang an der Südküste Chinas. Volkswagen hat sein Engagement für ein Automobilwerk in Xinjiang bekräftigt, trotz anhaltender Bedenken hinsichtlich der Behandlung der muslimischen Uiguren und anderer ethnischer Minderheiten im Nordwesten des Landes.

“Wir werden China nicht aufgeben”, sagte VW-Finanzchef Arno Antlitz in einer Telefonkonferenz vor ein paar Wochen, nachdem BYD Co. die Wolfsburger als Chinas meistverkauften Autobauer im ersten Quartal überholt hatte.

Die Aussagen der Wirtschaftskapitäne stehen im Gegensatz zum Plädoyer von Bundeskanzler Olaf Scholz für eine Diversifizierung weg von China. Die Ampel betont eher ein “De-Risking” als die anfängliche US-Forderung nach einer Abkopplung — ein stillschweigendes Eingeständnis, dass Deutschland sich einen harten Schnitt mit der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nicht leisten kann.

“Decoupling ist keine Perspektive mit keinem einzigen Land, das irgendjemand hier verfolgt”, sagte Scholz erst letzte Woche auf dem G7-Gipfel im japanischen Hiroshima. Aber die Handelsbeziehungen müssen sich so verändern, “dass die Risiken durch Abhängigkeiten von einem einzelnen Land oder wenigen einzelnen Ländern nicht groß werden.”

Es gibt jedoch kaum Anzeichen dafür, dass die Unternehmen sich das zu Herzen nehmen. Ein Verzicht auf China sei für die deutsche Industrie “nicht denkbar”, sagte Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes-Benz, im April in einem Interview mit der Bild-Zeitung. “Die großen Akteure der Weltwirtschaft, Europa, die USA und China, sind so eng miteinander verflochten, dass ein Abkoppeln von China keinen Sinn macht.”

Auf den chinesischen Markt entfallen rund 40% der Mercedes-Auslieferungen. Der Luxusautohersteller verkauft dort mehr als doppelt so viele Fahrzeuge wie in den USA.

Siemens-Chef Roland Busch kündigte an, den Marktanteil des Unternehmens in China zu “verteidigen und auszubauen”. In einem Interview mit der Financial Times vom Mittwoch sagte er, dass es die chinesischen Kunden seien, die den deutschen Maschinenbaugiganten zu Innovationen drängen.

Scholz’ Sprecher Steffen Hebestreit reagierte am Mittwoch mit einer ungewöhnlich unverblümten Warnung.

“Das ist auch ein Appell, nicht alle Eier in einen Korb zu legen” sagte Hebestreit bei der Regierungspressekonferenz in Berlin. “Auch der Chef von Siemens (wird) genau das immer wieder kalkulieren müssen, wie er sich aufstellt und muss für sich selbst rechtfertigen, wie groß das Risiko ist.” Und weiter: “Ich habe aber keinen Anlass zu zweifeln, dass genau das sehr genau geprüft wird.”

Einstweilen ist das Ergebnis der Risikoabwägung tendenziell das, an dem riesigen chinesischen Markt festzuhalten.

“Die Welt wird nicht weniger riskant, wenn man sie teilt, im Gegenteil”, sagte Stefan Hartung, Chef des deutschen Autoteileherstellers Robert Bosch GmbH, auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens Anfang Mai.

In ähnlicher Weise hat BASF-CEO Martin Brudermüller gewarnt, dass es riskanter sei, in Asiens führender Wirtschaftsmacht nicht zu expandieren, als sich aufgrund geopolitischer Bedenken zurückzuziehen.

“Ich glaube, es ist dringend notwendig, dass wir vom China-Bashing wegkommen und mal etwas selbstkritisch auf uns gucken”, sagte er im Oktober.

Überschrift des Artikels im Original:German Bosses Defy Scholz’s Plea to Shift Away From China

--Mit Hilfe von Monica Raymunt, Elisabeth Behrmann, Julia Manns und Wilfried Eckl-Dorna.

(Neu: Scholz-Sprecher Hebestreit)

©2023 Bloomberg L.P.