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Schock-Prognose: Deutsche Bank erwartet eiskalte Rezession mit Wirtschaftseinbruch um vier Prozent und neun Prozent Inflation

Deutschland droht eine tiefe Rezession. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) muss eine schwere Wirtschaftskrise managen.  - Copyright: Sean Gallup/Getty Images
Deutschland droht eine tiefe Rezession. Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) muss eine schwere Wirtschaftskrise managen. - Copyright: Sean Gallup/Getty Images

Die düsteren Prognosen für die deutsche Wirtschaft überschlagen sich. Alle Zeichen stehen auf Rezession. Die Wirtschaftsinstitute sagen in ihrem gemeinsamen Herbstgutachten für das kommende Jahr einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent voraus. Die OECD erwartet für Deutschland sogar minus 0,7 Prozent – und damit den schlechtesten Wert aller G20-Länder. Die DZ Bank rechnet mit Einbußen um "knapp zwei Prozent". Und die Ökonomen der Deutschen Bank Research legen noch einen drauf: Die deutsche Wirtschaft werde im nächsten Jahr um drei bis vier Prozent einbrechen. Gleichzeitig beschleunige sich die Inflation auf neun Prozent. Überschrift ihrer Analyse: "Out in the cold".

Eine wahre Schock-Prognose, denn DB Research begründet ihre Einschätzung mit den vielfältigen Schocks, denen in Deutschland fast alle Wirtschaftsakteure ausgesetzt sind. Die Arbeitnehmer leiden unter einem "Realeinkommensschock", weil die Inflation ihre Lohnerhöhungen auffrisst. Den Verbrauchern verpassen Russlands Krieg und die unsichere Versorgungslage einen "Vertrauensschock". Im Ergebnis werde der private Konsum einbrechen.

Der "Energieschock" verschlechtere die Wettbewerbsposition vieler deutscher Unternehmen, vor allem in der Industrie. Die Gewinne würden einbrechen – und in der Folge auch die Investitionen. Die ersten drei Entlastungspakete und ein wahrscheinliches viertes Paket könnten nicht verhindern, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpft. "Zusammen mit einem schwächeren Ausblick für die Weltwirtschaft erwarten wir, dass der Rückgang in der inländischen Nachfrage zu einem Rückgang des BIP um drei bis vier Prozent in 2023 führt – nach einem Wachstum von rund einem Prozent in 2022", schreibt das Team um DB Chefökonom Stefan Schneider.

Auch auf die Preise blicken sie mit Sorge. Die Inflation bleibe längere Zeit hoch und steige 2023 sogar noch einmal auf neun Prozent, nach rund acht Prozent in diesem Jahr. Der Stopp der russischen Gaslieferungen habe den "Energiepreisschock" noch verstärkt. Die mittlere jährliche Inflationsrate werde dadurch so hoch sein, wie 1948 nicht – dem Jahr der Währungsunion, ein Jahr vor Gründung der Bundesrepublik.

Verbraucher, Industrie, Politik: alle unter Schock

Auf dem Arbeitsmarkt stehe eine komplizierte Tarifrunde bevor. Das Wachstum der Beschäftigung werde nachlassen. Für 2022 und 2023 erwartet die Deutsche Bank Tariferhöhungen in eine Spanne von drei bis 4,5 Prozent. Die effektiven Löhne und Gehälter würden wahrscheinlich etwas stärker steigen. Dennoch würde dies bedeuten, dass die Lohnerhöhungen hinter der Inflation zurückbleiben, die realen Einkommen also erneut deutlich zurückgehen.

Die Chancen für den Staat, die Schuldenbremse einzuhalten, beurteilen die Ökonomen skeptisch. Sie erwarten aber, dass Deutschland weiterhin versucht, die Schuldenlast vergleichsweise gering zu halten.

Düster auch die Aussichten für die deutsche Außenwirtschaft. Der "Rohstoffpreisschock" verschlechtere das Austauschverhältnis (Terms of trade) deutscher Exportgüter zu Importgütern enorm. Dies setze den deutschen Außenhandel unter "außerordentlichen Druck". Das Produzierende Gewerbe verringere seine Produktion in diesem Jahr um 2,5 Prozent und 2023 dann um fünf Prozent. Dieser "aktuelle Schock" könne der Anfang einer beschleunigten Deindustrialisierung Deutschland sein, schreiben die Ökonomen.

Für den Umgang mit einer derartigen Krise gebe es keine Blaupause Mit ihrer stückchenweisen Herangehensweise sorge die Regierung aktuell aber sowohl für Frustration bei Unternehmen und Haushalten als auch für Spannungen in der Koalition aus SPD, Grünen und FDP.