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Schlechte Noten für Vergleichsrechner für Stromtarife

Vergleichsportale sind bei der Suche nach einem neuen Stromanbieter laut Stiftung Warentest zu kompliziert. Kein Stromtarifrechner sei verbraucherfreundlich, urteilte das Magazin "Test". Es bewertete von zehn Portalen fünf mit "befriedigend", vier mit "ausreichend" und eins sogar mit "mangelhaft". Verbraucherexperten forderten die Portale zu erheblichen Verbesserungen auf.

Unbedarfte Nutzer könnten nicht darauf hoffen, den für sie günstigsten und gleichzeitig fairen Tarif angeboten zu bekommen, urteilte Stiftung Warentest. Wer sich nicht auskenne und die Voreinstellungen nicht ändere, lande bei verbraucherunfreundlichen Tarifen mit Vorkasse, undurchsichtiger Preisgestaltung oder langen Anschlusslaufzeiten. Günstige Tarife hätten "oft unfaire Vertragsbedingungen".

Das Versprechen, durch einen Anbieterwechsel bis zu tausend Euro einsparen zu können, sei zudem unrealistisch, kritisierte Stiftung Warentest. Bei einem Wechsel vom Basistarif des örtlichen Grundversorgers in einen fairen Tarif sei im Durchschnitt eine Ersparnis von zehn bis 20 Prozent drin. So könne ein Drei-Personen-Haushalt in Berlin mit einem fairen Tarif derzeit bis zu 140 Euro im Jahr sparen, in Mainz sogar fast 240 Euro.

Ein fairer Tarif zeichnet sich laut "Test" unter anderem durch eine möglichst umfassende Preisgarantie, eine monatliche Zahlweise und eine kurze Kündigungsfrist zum Ende der ersten Laufzeit aus.

Den besten Schutz vor Bauernfängerei bieten laut "Test" die beiden Portale Energieverbraucherportal und Hauspilot. Wer hier mit den voreingestellten Filtern auf die Suche nach einem neuen Anbieter gehe, finde auf den ersten zehn Plätzen "überwiegend bis ausschließlich" faire Tarife. Kritik gibt es aber auch hier an der wenig transparenten Darstellung von Preisen und Tarifen. Direkt zu einem anderen Anbieter zu wechseln, ist bei Energieverbraucherportal aber nicht möglich, und bei Hauspilot kostet der Wechsel bis zu 45 Euro. Bei den anderen Portalen ist der Wechsel kostenlos.

Geübte Nutzer, die die Fallstricke kennen, könnten auch bei Verivox, Check24 und Toptarif auf die Suche gehen. Laut "Test" landen hier viele unfaire Tarife auf den vorderen Plätzen, wenn die Voreinstellungen nicht geändert werden und zum Beispiel der "Neukundenbonus" nicht weggeklickt wird.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bezeichnete das Test-Ergebnis "ernüchternd". Viele Portale entpuppten sich als "Wechselfalle". Daher sei es "kein Wunder, dass noch immer 40 Prozent der Verbraucher in der Grundversorgung feststecken", erklärte vzbv-Vorstand Gerd Billen. Ohne Vertrauen in den Wettbewerb verharrten viele Haushalte bei ihrem Versorger "und zahlen weiter drauf". Auch die Politik sei zum Handeln aufgefordert. "Wer den Stromanbieterwechsel als Maßnahme gegen steigende Strompreise empfiehlt, sollte jetzt dafür sorgen, dass er das tatsächlich leistet", erklärte Billen.

Auch der Bundesverband Neuer Energieanbieter (BNE) nannte es "extrem bedenklich", dass Stiftung Warentest einen "so eklatanten Verbesserungsbedarf" festgestellt habe. Die Schlichtungsstelle Energie müsse deshalb "endlich die Namen der schwarzen Schafe" in der Branche nennen.