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Warum das Schicksal deines Depots in Amerika entschieden wird

Peter Roegner, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

Pünktlich zum Jahresende erreichte uns eine Studie von Ernst & Young, in der die Unternehmensberatung nachweist, dass Europa wirtschaftlich an Bedeutung verliert, die USA dagegen immer wichtiger werden. Offen gesagt hätte ich dazu gar keine Studie gebraucht, denn die Tatsachen sind für jeden offensichtlich.

Die USA dominieren die Wirtschaft

Ob es um Geräte geht, die wir tagtäglich nutzen, oder um Internetdienste, auf die wir zugreifen – die meisten davon sind amerikanisch. Europa und insbesondere Deutschland sind noch erfolgreich, wenn es etwa um den Bau von Maschinen und Autos geht. Aber auch hier holen andere Länder auf.

Während insbesondere die USA und China in zukünftige Technologien investieren, dreht sich die deutsche Politik weitgehend um sich selbst und Randthemen wie gendergerechte Sprache oder Tempolimit. Planwirtschaftliche Reformen und immer weitergehende Ideen für Steuererhöhungen und Enteignungen kommen dazu.

Deutsche Unternehmen nur noch unter „ferner liefen“

Die Folgen davon sind an der Börse jetzt deutlich sichtbar: Unter den wertvollsten 100 Firmen weltweit befinden sich nur noch zwei deutsche Namen: der Softwarekonzern SAP auf Platz 51 und Siemens auf Rang 100. Das größte europäische Unternehmen (der Lebensmittelriese Nestlé) findet sich erst auf Platz 16. Die Europäer stellen knapp ein Viertel der 100 wertvollsten Unternehmen der Welt, die Amerikaner dagegen mehr als die Hälfte.

Auch der Vergleich der führenden Indizes DAX und S&P 500 über die Jahre 2010 bis 2019 zeigen den Vorsprung der Amerikaner genau:

Quelle: finanzen.net

Ab und zu lese ich dann auch mal, dass der amerikanische Markt zu teuer sei. Die Kurse dagegen in Europa seien „zurückgeblieben“ und hätten daher Nachholbedarf. Ich sehe das ganz anders, denn der Chartvergleich zeigt eindrucksvoll, dass die Amerikaner auf Zukunftsthemen setzen. Nicht umsonst sind in den Indizes der USA Softwareunternehmen stark gewichtet, die deutlich höhere Renditen erzielen als die klassischen Branchen Chemie, Automobil und Maschinenbau, die nach wie vor den DAX dominieren.

Die USA dominieren die Weltmärkte

Dazu passend finde ich auch diese Übersicht, die aus dem hervorragenden Blog A Wealth of Common Sense stammt. Sie zeigt den Anteil der zehn größten Industrienationen am weltweiten Bruttoinlandsprodukt, an der globalen Bevölkerung und der Marktkapitalisierung aller Aktien.

Land Anteil BIP Anteil Bevölkerung Anteil Marktkapitalisierung
USA 23,9 % 4,3 % 55,0 %
China 15,9 % 18,5 % 3,5 %
Japan 5,8 % 1,7 % 7,8 %
Deutschland 4,7 % 1,1 % 2,5 %
Großbritannien 3,3 % 0,9 % 5,0 %
Indien 3,2 % 17,9 % 1,1 %
Frankreich 3,2 % 0,8 % 3,0 %
Italien 2,4 % 0,8 % 0,8 %
Brasilien 2,2 % 2,8 % 0,9 %
Kanada 2,0 % 0,5 % 3,0 %

Quelle: A Wealth of Common Sense

Das ist schon erstaunlich: Mit nur 4,3 % aller Menschen erreichen die USA knapp ein Viertel des Welt-BIP und dazu mehr als die Hälfte der weltweiten Marktkapitalisierung. Wie immer man diese Zahlen im Detail bewertet – klar ist in meinen Augen, dass die unternehmer- und innovationsfreundliche Kultur in den USA diese Entwicklung fördert. Auch erschweren es die Gesetze dem Staat dort, in den Markt einzugreifen.

Diese Zahlen machen aber auch eine Sache deutlich: Die Zukunft der globalen Aktienmärkte wird in den USA geschrieben. Das gilt sowohl für einzelne Unternehmen als auch für gesamte Märkte. Ich denke, dass ein großer Crash in Amerika beispielsweise in Europa auf jeden Fall Auswirkungen hätte. Gut passt hierzu auch diese Bemerkung des legendären Fondsmanagers Peter Lynch, die er in einem aktuellen Interview mit dem Magazin Barron’s gemacht hat:

„Die grundlegende These – egal ob es um aktiv gemanagte Fonds geht oder um Indexfonds – ist die, dass es den USA gut geht. Wenn du dem nicht zustimmst, solltest du nicht in Aktien investieren.“

Ausländische Aktien gehören in jedes Depot …

Gerade für deutschsprachige Anleger ist es daher wichtig, über den Tellerrand des DAX hinauszuschauen und auch internationale Märkte zu beobachten (oder noch besser: dort zu investieren). Dieser „Home Bias“, wie Börsenpsychologen die Vorliebe für heimische Unternehmen nennen, führt dazu, dass Anleger häufig die besten Aktien verpassen, eben weil es keine deutschen Firmen sind. Und ganz ehrlich: Amazon oder Alphabet erscheinen mir deutlich zukunftsträchtiger als eine vom Land Niedersachsen und den Gewerkschaften dominierte Volkswagen AG.

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Offenlegung: Peter besitzt Aktien von Alphabet (C-Shares) und Amazon.com. Von Peter betreute Depots besitzen Aktien von Alphabet (C-Shares). John Mackey, Vorstandsvorsitzender von Whole Foods Market, einer Tochter von Amazon, ist Aufsichtsratsmitglied von The Motley Fool. Suzanne Frey, eine Führungskraft von Alphabet, ist Aufsichtsratsmitglied von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A-Shares), Alphabet (C-Shares) und Amazon.com. The Motley Fool empfiehlt Aktien von Nestlé.

Motley Fool Deutschland 2020