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Schattenwirtschaft in Deutschland geht zurück

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Berlin (dapd). Der Umsatz der Schattenwirtschaft in Deutschland sinkt nach Einschätzung von Experten auf den tiefsten Stand seit 1995. Im laufenden Jahr geht er laut einer Modellrechnung um 2,7 Milliarden auf gut 340 Milliarden Euro zurück, wie der Ökonom Friedrich Schneider von der Universität Linz am Mittwoch in Berlin sagte.

Neben der guten Konjunktur seien dafür die Senkung des Rentenbeitragssatzes und die Anhebung der Verdienstgrenze bei Minijobs zum 1. Januar verantwortlich. Zur Schattenwirtschaft gehörten sowohl Schwarzarbeit als auch kriminelle Aktivitäten.

Das Ausmaß der Schattenwirtschaft liegt den Angaben zufolge bei 13,2 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Die Bundesrepublik liege damit leicht über dem Durchschnitt der OECD-Staaten.

Besonders ausgeprägt sei die Schattenwirtschaft in den Krisenstaaten Griechenland (knapp 25 Prozent), Italien (gut 20 Prozent), Portugal und Spanien (jeweils knapp 20 Prozent). Allerdings gehe sie in diesen Ländern zurück, da die Einkommen dort stark gesunken seien. Es stehe nicht einmal mehr Geld für Schwarzarbeit zur Verfügung. "Das habe ich zum ersten Mal erlebt", sagte Schneider (BSE: SCHNEIDER.BO - Nachrichten) .

In Deutschland war die Schattenwirtschaft dagegen in der Wirtschaftskrise 2009 gestiegen - nach einem kontinuierlichen Rückgang seit 2003. Mehrere politische Entscheidungen hatten die Schwarzarbeit zurückgedrängt. Bernhard Boockmann vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung Tübingen warnte, eine Abschaffung der 2003 eingeführten Minijobs oder die Etablierung eines flächendeckenden Mindestlohns in Höhe von 8,50 Euro würden die Schattenwirtschaft wieder steigen lassen.

"Schwarzarbeit nicht unbedingt schlecht für die Wirtschaft"

Wie viele Menschen in Deutschland schwarz arbeiten, lasse sich nicht exakt beziffern, sagten die Forscher. Schneider rechnet mit etwa sieben bis neun Millionen "Nebenerwerbsschwarzarbeitern". Dazu komme eine unbekannte Zahl an Hartz-IV-Empfängern, Rentnern und Ausländern, die illegal arbeiteten.

Schwarzarbeit sei aber nicht unbedingt schlecht für die Wirtschaft, sagte Schneider. Das so verdiente Geld werde meist sofort wieder ausgegeben und heize damit den Konsum an. "Der große Verlierer ist der Staat, vor allem die Sozialversicherungsträger."

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) kritisierte in dem Zusammenhang eine chronische Unterbesetzung der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS). "Die Kontrollen der FKS sind bisher das einzige Mittel gegen kriminelle Firmen, die mit illegaler Beschäftigung und Schwarzarbeit Lohndumping betreiben und den Wettbewerb unterlaufen", sagte der IG (London: IGG.L - Nachrichten) -BAU-Vorsitzende Klaus Wiesehügel. "Wegen Personalmangels finden diese aber viel zu selten statt."

Kontrollen allein hielten die Menschen allerdings nicht von Schwarzarbeit ab, betonte Boockmann. Zwar arbeiteten die Menschen seltener illegal, wenn sie befürchten müssten, erwischt zu werden. Relevanter sei jedoch eine positive Steuermoral und Einstellung zum Staat, ergänzte Schneider. Wenn das Gefühl herrsche, das etwa bei dem umstrittenen Bahnhofsprojekt "Stuttgart 21" möglicherweise Milliarden Euro verschwendet würden, sinke die Hemmschwelle, selbst zu schummeln.

dapd

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