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Dax-Kandidat Sartorius wächst stark – und der Umsatz soll sich bis 2025 sogar noch verdoppeln

Telgheder, Maike
·Lesedauer: 4 Min.

Der Labor- und Pharmazulieferer profitiert stark von der Coronakrise. Sartorius will nun nach einem Rekordjahr Tausende neue Arbeitsplätze schaffen.

Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Pandemie Sartorius einen Auftragsboom beschert. Foto: dpa
Im vergangenen Jahr hatte die Corona-Pandemie Sartorius einen Auftragsboom beschert. Foto: dpa

Sartorius erhöht seine Wachstumsziele: Bis 2025 will der Göttinger Labor- und Pharmaausrüster seinen Umsatz auf fünf Milliarden Euro mehr als verdoppeln. Bisher hatte Vorstandschef Joachim Kreuzburg für diesen Zeitpunkt Erlöse von vier Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Rückenwind für die ehrgeizigen Ziele gibt das abgelaufene Jahr, das für den Konzern das „wachstumsstärkste Jahr seit 30 Jahren“ war, wie es Kreuzburg bei der Vorstellung der Bilanz am Donnerstag formulierte. Das Unternehmen ist seit 1990 an der Börse notiert. Sartorius gilt nun als einer der aussichtreichen Kandidaten für den Leitindex Dax, der ab September auf 40 Unternehmen erweitert werden soll.

Die Firma beliefert Pharmaunternehmen mit Geräten und Materialien zur Herstellung biopharmazeutischer Medikamente und rüstet zudem Labore aus. Diese Produkte sind in der Corona-Pandemie besonders gefragt. Aber auch ohne Pandemieeffekt wächst das Unternehmen seit Jahren dank einer Mischung aus Zukäufen und organischem Wachstum um durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich der Auftragseingang auf 2,8 Milliarden Euro fast verdoppelt, der Umsatz stieg währungsbereinigt um 30 Prozent auf 2,3 Milliarden Euro. Der Nettogewinn erhöhte sich um rund 44 Prozent auf 226 Millionen Euro.

Zum ohnehin starken organischen Wachstum kamen Akquisitionseffekte: Die Einbeziehung von Zukäufen trug sieben Prozent zum Umsatzwachstum von Sartorius bei, positive Effekte der Corona-Pandemie weitere acht Prozentpunkte. Die Analysten von Equits hoben vor allem das vierte Quartal hervor, in dem sich das Unternehmen „überraschend kräftig“ entwickelt habe.

Sartorius agiert auf dem Markt für Pharma- und Laborausrüstung neben Milliardenkonzernen wie Thermo Fisher, Danaher und auch Merck aus Darmstadt. Dass das Unternehmen als vergleichsweise kleiner Player noch eigenständig agiert, liegt daran, dass mehr als 50 Prozent der Stammaktien in Besitz der Nachfahren von Firmengründer Horst Sartorius sind. Sie werden noch bis 2028 treuhänderisch von einem Testamentsvollstrecker verwaltet.

Wachstum durch Zukäufe

Seit 2005 steht der 55-jährige Diplom-Maschinenbauer Joachim Kreuzburg an der Spitze des Unternehmens. Unter ihm hat Sartorius sein Produktportfolio in den vergangenen Jahren regelmäßig durch Zukäufe in neuen Technologiebereichen ausgebaut.

Im vergangenen Jahr etwa schlossen die Göttinger den Kauf des Zellkulturmedien-Spezialisten Biological Industries und von ausgewählten Life-Science-Geschäften des US-Konzerns Danaher ab. Zudem wurde der Aufreinigungsspezialist BIA Separations übernommen.

Analysten wie Scott Bardo von der Berenberg Bank sehen Sartorius derzeit gut positioniert, um die kraftvolle Wachstumsdynamik in den nächsten Jahren fortsetzen zu können. Laut Konzernchef Kreuzburg soll die Zahl der Mitarbeiter von zuletzt knapp 11.000 künftig pro Jahr um 1000 Beschäftigte zulegen.

Wegen der hohen Nachfrage hatte Sartorius bereits im vergangenen Jahr rund 240 Millionen Euro in den Ausbau seiner Kapazitäten investiert und will in diesem Jahr noch einmal rund 400 Millionen Euro ausgeben, um verschiedene Standorte weltweit auszubauen. In Puerto Rico will Sartorius ab 2022 mit der Produktion von Zellkulturmedien beginnen, 100 neue Arbeitsplätze sollen zudem am neuen Standort Marlborough in den USA entstehen.

Nicht nur operativ legt der Konzern seit Jahren zu, auch beim Aktienkurs geht es bergauf: Innerhalb von einem Jahrzehnt hat sich der Wert der Vorzugsaktien um mehr als das 60-Fache erhöht. Seit Jahresanfang ist der Kurs um mehr als 40 Prozent gestiegen.

Auch für das laufende Jahr und darüber hinaus rechnet Vorstandschef Joachim Kreuzburg weiter mit starkem Wachstum. Sartorius liefert in der Pandemie vor allem Materialien für die Entwicklung und Produktion von Impfstoffen sowie Covid-19-Medikamenten. Aber unabhängig davon steigt die Nachfrage nach Biotechmedikamenten weltweit kontinuierlich an, auch weil zunehmend Nachahmerprodukte in den Markt drängen.

Dividende wird fast verdoppelt

In diesem Jahr stellt Kreuzburg einen Zuwachs von 19 bis 25 Prozent in Aussicht. Die operative Marge (Ebitda) soll von 29,6 auf 30,5 Prozent steigen. Die Prognose ist laut Kreuzburg aber unter anderem abhängig davon, ob die Pandemie auch weitere Lockdowns bringt, die Kunden von Sartorius betreffen könnten. Die Analysten der Berenberg Bank zeigen sich dagegen optimistisch: „Wir glauben, dass ein starkes erstes Halbjahr 2021 wahrscheinlich dafür sorgen wird, dass die Prognose noch erhöht wird.“

Die Aktionäre sollen an der erfolgreichen Entwicklung angemessen teilhaben: Die Dividende für das vergangene Geschäftsjahr soll fast verdoppelt werden, auf 71 Cent je Vorzugs- beziehungsweise 70 Cent je Stammaktie. Im vergangenen Jahr waren es 36 beziehungsweise 35 Cent je Vorzugs- und Stammaktie.

Das 1870 gegründete Unternehmen hat eine lange Tradition in der Herstellung von Analysewaagen. Zum Portfolio gehören neben Industriewaagen für die Chemie-, Pharma- und Nahrungsmittelindustrie heute vor allem Produkte zur Zellkultivierung, Fermentation, Filtration und Aufreinigung sowie Laborinstrumente wie Pipetten und Verbrauchsmaterialien.

Das größere und margenträchtigere Geschäft für die Biopharmaproduktion führt die Holding Sartorius AG in einem rechtlich eigenständigen Teilkonzern, dessen Muttergesellschaft Sartorius Stedim Biotech an der Euronext Paris notiert ist. Sartorius hält rund 74 Prozent der Anteile. Das Laborgeschäft ist rechtlich in einem weiteren Teilkonzern zusammengefasst, an dem Sartorius 100 Prozent der Anteile hält.