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SAP-Organigramm: Diese 7 Manager sollen dem jüngsten Dax-CEO Christian Klein bei der Transformation von Deutschlands wertvollstem Konzern helfen

SAP-CEO Christian Klein
SAP-CEO Christian Klein

Auf der Suche nach einem furchteinflößenden Mann denkt man vermutlich nicht sofort an Christian Klein. Sieht man sich Bilder vom 41-jährigen SAP-Chef an, scheint die Kategorie „Perfekter Schwiegersohn“ schon treffender. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Klein kann durchaus Angst und Schrecken zu verbreiten, wie er im Oktober 2020 eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Damals hatte SAP seine Prognose gesenkt und Klein seine Strategie bekannt gegeben, den Softwarehersteller aus Walldorf zu einem Cloud-Unternehmen umzubauen. Kunden, die bislang die SAP-Software auf eigenen Rechnern laufen lassen und dafür einmalig hohe Lizenzgebühren zahlen, sollen künftig auf Dienste aus der Cloud zurückgreifen – und so regelmäßig Geld in die Kasse spülen. Der Umstieg erfordert hohe Investitionen. „Ich opfere den Erfolg unserer Kunden nicht der kurzfristigen Optimierung unserer Marge“, sagte Klein. Das saß. Der Börsenkurs von Deutschlands wertvollstem Konzern rauschte regelrecht ab – um mehr als 20 Prozent.

Christian Klein ist ein wahres SAP-Eigengewächs. Deutschlands jüngster DAX-CEO, heute 41, wurde in der Rhein-Neckar-Region geboren, unweit der Zentrale in Walldorf. Sein duales BWL-Studium machte er schon in Kooperation mit SAP, das war 1999. Im Controlling arbeitete er sich hoch, wurde 2016 Chief Operating Officer und Chief Controlling Officer. Im Oktober 2019 folgten er und die US-Amerikanerin Jennifer Morgan als Co-CEO auf den schillernden und scheidenden SAP-Chef Bill McDermott.

"Schnelles, entschlossenes Handeln"

Doch nur ein halbes Jahr später war die Doppelspitze schon wieder Geschichte: Morgan, bis dahin die erste Frau an der Spitze eines Dax-Unternehmens, musste gehen. Offiziell hieß es, man habe sich einvernehmlich darauf verständigt. Von SAP hieß es, die aktuelle Situation verlange eine klare Führungsstruktur und „schnelles, entschlossenes Handeln“.

Klein, seit April 2020 alleiniger CEO und als „Prozessfanatiker“ bekannt, handelte und krempelte den Vorstand um. Dieser ist nun etwas jünger und weiblicher. Der Manager setzt auf einen Mix aus alten SAP-Veteranen, die wie er aus der Region rund um Walldorf stammen, und frischen Kräften von außen. Gemeinsam mit weiteren Top-Führungskräften sind sie dafür verantwortlich, dass die tiefgreifende Transformation gelingen kann.

Die meisten Männer innerhalb des Vorstands gelten als eng und über viele Jahre miteinander vertraut. Finanzchef Luka Mucic und Klein etwa kennen sich schon lange. Mucic ist von allen im Vorstand am längsten bei SAP (seit 1996) und im Vorstand (seit 2014). Der 50-Jährige ist in Walldorf aufgewachsen, hat an der Mannheim Business School einen MBA und an der Uni Heidelberg sein juristisches Staatsexamen gemacht. Er startete in der Rechtsabteilung, bevor es ihn in die Welt der Zahlen zog. Mucic wird für seine Erfahrung und sein Fachwissen – das auch bei der Weiterentwicklung der eigenen Produkte hilft – sowohl intern wie auch extern geschätzt. Er sei „die stabile Säule“ im Vorstand, sagte einmal ein Investor dem „Handelsblatt“.

"Cappuccino- und Gin-Tonic-Enthusiast"

Ein weiterer enger Vertrauter von Klein ist Thomas Saueressig. Der „Cappuccino- und Gin-Tonic-Enthusiast“, wie er sich auf LinkedIn beschreibt, hat wie Klein bereits sein duales Studium bei SAP gemacht und ist seitdem dortgeblieben. Seit 2019 ist der Wirtschaftsinformatiker im Vorstand verantwortlich für die Produktentwicklung. Eine zentrale Aufgabe, unter ihm arbeiten tausende Programmierer unter anderem daran, die Cloud-Lösungen für die Kunden möglichst attraktiv zu machen. Klein hält viel von Saueressig. Seine Aufnahme in den Vorstand soll Klein zur Bedingung gemacht haben, als er selbst zum Co-CEO berufen wurde, berichtete das „Manager Magazin“.

Mit Technologiechef Jürgen Müller ist seit 2019 ein weiterer Wirtschaftsinformatiker im Vorstand vertreten. Müller, der zuvor Innovationschef bei SAP war, verantwortet die gesamte Plattform- und Technologieentwicklung von SAP, auch die Cloud-Services fallen in seine Zuständigkeit. Anders als Klein und Co. arbeitet Müller vorwiegend aus Berlin. Müller gilt als Zögling des SAP-Mitgründers und Aufsichtsratsvorsitzenden Hasso Plattner, an dessen gleichnamigen Institut in Potsdam Müller promoviert hat.

„Die Veränderung, durch die wir gehen, ist groß“

Eine, die bereits außerhalb von SAP Karriere gemacht hat, ist Sabine Bendiek. Dass es Klein gelungen ist, ein Kaliber wie Bendiek, die zuvor Geschäftsführerin von Microsoft in Deutschland war, loszueisen, kann man durchaus als Coup sehen. Bendiek, die am renommierten MIT in Cambridge studiert hat und bereits bei Unternehmen wie Nixdorf, McKinsey oder Dell tätig war, ist seit 2021 im Vorstand bei SAP Arbeitsdirektorin und Chief Operating Officer. Personalthemen verzahnen sich unter ihrer Leitung mit der Prozessoptimierung. Bendieks Aufgabe ist es vor allem, die Mitarbeiter bei der angestoßenen Transformation mitzunehmen. Damit hat sie gut zu tun. „Die Veränderung, durch die wir gehen, ist groß“, sagte Bendiek im Gespräch mit Business Insider.

Den Vorstand komplettieren ebenfalls seit 2021 die US-Amerikanerin Julia White und der Australier Scott Russell. White ist Chief Marketing und Solutions Officer, sie hat in Stanford und Harvard studiert und war zuvor fast 20 Jahre bei Microsoft tätig, wo sie zuletzt die Cloud-Plattform Azure hochzog und zuvor die Office-Produkte hin zur Cloud-Bürosoftware entwickelte. Sie muss nun die SAP-Produkte – und vor allem die Cloud-Lösungen – bestehenden und neuen Kunden schmackhaft machen. Denn dort ist noch Luft nach oben: Laut einer Umfrage der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) im Herbst 2021 beurteilten nur 28 Prozent der befragten Unternehmen die Integration von SAP-Anwendungen in Cloud- und Hybrid-Umgebungen als gut. Weniger als ein Drittel der DSAG-Mitglieder machten positive Erfahrungen mit den Cloud-Lösungen von SAP. Zum Vergleich: Bei den Lösungen ohne SAP-Beteiligung waren es 60 Prozent.

Verkaufen muss die Produkte am Ende aber Scott Russell, Vertriebschef, der seit 2012 bei SAP ist. Zuvor war er viele Jahre bei IBM und PwC. Sein offizieller Job-Titel im Vorstand von SAP beschreibt auch die Erwartung an ihn: „Customer Success.“

Übervater Hasso Plattner

Über die Geschicke des Vorstands wacht SAP-Mitgründer und Übervater Hasso Plattner. Der gründete 1972 mit vier IBM-Kollegen, darunter dem heutigen Milliardär und Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp, SAP. Von 1997 bis 2003 war er Sprecher des Vorstands, dann wechselte Plattner an die Spitze des Aufsichtsrats. Dieses Amt hat der Großaktionär und einer der reichsten Deutschen seit nun mehr als 18 Jahren inne. Trotz Kritik einiger Aktionäre kündigte Plattner auf der Hauptversammlung im vergangenen Jahr an, in diesem Jahr für zwei weitere Jahre zu kandidieren. Der SAP-Übervater, der den Aufsichtsrat dominieren soll, wird also auch in Zukunft von Amts wegen ein Auge auf CEO Klein und die Transformation seines Babys werfen.