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Sanierer von Galeria Karstadt Kaufhof: 80 Häuser "stehen im Feuer"

Karstadt am Ku'damm in Berlin

Die Sanierungsexperten Arndt Geiwitz und Frank Kebekus rechnen mit hohen Umsatzeinbußen und harten Einschnitten beim schwer angeschlagenen Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof. "Wir haben allen Beteiligten klar gemacht, dass 80 Häuser im Feuer stehen", sagte Kebekus der "Wirtschaftswoche". Das sei aber nicht die endgültige Zahl. "Von den insgesamt 172 Warenhäusern könnten am Ende im Idealfall vielleicht fast zwei Drittel weiter machen."

Der Warenhauskonzern bereitet seine Sanierung in einem sogenannten Schutzschirmverfahren vor, das er Anfang April beim zuständigen Amtsgericht in Essen beantragt hatte. In der Corona-Krise hat sich das Unternehmen auch bereits um Staatshilfen bemüht und Kurzarbeit eingeführt.

"Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona", sagte Geiwitz der "Wirtschaftswoche". "Das heißt, bis Ende 2022 könnten die Umsatzeinbußen sogar auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro steigen."

Harte Schnitte seien unumgänglich. Nur so könne "ein starkes, gesundes Unternehmen entstehen", das beim nächsten Virus-Shutdown nicht sofort wieder vor dem Kollaps stehe, sagte Geiwitz weiter. "Dafür müssen wir das Ergebnis um rund 300 Millionen Euro steigern."

Bis Ende 2022 soll der Warenhauskonzern "wieder Gewinn erzielen, und der muss so spürbar sein, dass die Filialen in den kommenden Jahren für mehrere hundert Millionen Euro modernisiert werden können und zwar aus der eigenen Finanzierungskraft", sagte Kebekus. Den Beitrag der Beschäftigten bezifferte Geiwitz auf "insgesamt deutlich unter 50 Prozent des gesamten Sparvolumens". Mit den Vermietern werde bereits über Mietnachlässe verhandelt.

Der Karstadt-Kaufhof-Eigentümer René Benko soll laut den Sanierern nicht verschont werden. Die Filialen seiner Immobiliengruppe Signa seien von Schließungen allerdings "sicher unterdurchschnittlich betroffen, weil Signa tendenziell eher die besseren Objekte besitzt, also solche, die sich rechnen", sagte Kebekus der "Wirtschaftswoche". Ein Sanierungsbeitrag könne aber auch darin bestehen, "dass Signa mit der Miete runter geht. Oder die Miete bleibt, wie sie ist, und im Gegenzug gibt Signa uns Cash", sagte Geiwitz dem Blatt. "Denn Liquidität ist das, was wir aktuell dringend brauchen."

Ein nochmaliger Verkauf des Warenhauskonzerns zeichnet sich bislang nicht ab: "Aktuell gibt es niemanden, der das Unternehmen übernehmen will. Wir rechnen auch nicht damit, dass noch jemand Interesse anmeldet", sagte Kebekus der "Wirtschaftswoche". Benko bleibe in der jetzigen Phase "der einzige, der die Bereitschaft signalisiert hat, viel Geld in die Sanierung von Karstadt-Kaufhof zu stecken".

Ende Juni soll den Sanierern zufolge im Detail feststehen, wer welche Beiträge zur Sanierung leistet, und im Anschluss soll ein Insolvenzplan erstellt werden, über den die verschiedenen Gläubigergruppen im Juli abstimmen. "Wenn der Insolvenzplan abgelehnt wird, dann wird wahrscheinlich alles zugesperrt, so wie bei Schlecker", warnte Geiwitz. Aktuell gehe er jedoch davon aus, dass Kaufhof und Karstadt erhalten bleiben. "Trotz aller Probleme ist der Warenhauskonzern zu retten, wenn auch nicht unbedingt in seiner heutigen Form."